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Zivilprozess, da capo al fine

Oskar J. Ballon

Oskar J. Ballon

© Mike Ranz











OSKAR J. BALLON
hat sich zeit seines beruflichen Lebens mit dem
Zivilprozessrecht auseinandergesetzt – er tut
es immer noch, das Lehrbuch für Zivilprozess
ist dieser Tage bei MANZ erschienen.


Es gibt Menschen, die sind von ihrem Naturell her sehr zurückhaltend. „Über mich gibt es gar nichts Besonderes zu berichten“, sagt Oskar Ballon am Telefon. Ein Porträt, das sei eine große Ehre, aber er wisse wirklich nicht genau, was es da zu erzählen gäbe, sagt er, lässt sich aber dann überreden und kommt mit dem Zug von Salzburg nach Wien. Ein waschechter Oberösterreicher aus Mondsee sei er, geboren 1947 als Sohn des dortigen Fleischhauers. Er wuchs im idyllischen Salzkammergut mit seiner älteren Schwester auf. Seiner Mutter war wichtig, dass ihre Kinder ein Musikinstrument lernen. Oskar begann mit sechs Jahren Klavier zu spielen. Er tut es heute noch, genauso wie damals in seinem Elternhaus im Zentrum von Mondsee – seit 2001 lebt er wieder dort.

Sein schulisches und berufliches Leben spielte sich für Ballon in Salzburg ab. Seit seinem zehnten Lebensjahr pendelte er ins Realgymnasium, brach um halb sieben Uhr morgens auf und kam erst abends wieder zurück. Daraus habe sich eine gewisse Zerrissenheit ergeben, zum Beispiel in Freundschaften, weil er eben abends selten gemeinsam mit seinen Schulfreunden unterwegs sein konnte. Aber insgesamt brachte er seine Zeit im Gymnasium gut über die Bühne. Deutsch mochte er besonders und Klassenbester war er in darstellender Geometrie, mit Nachhilfestunden habe er sich auch sein Taschengeld aufgebessert, im Sommer arbeitete er bei der Post, erzählt er.

1965 maturierte Oskar Ballon. Weil er vorerst nicht genau wusste, was er machen sollte, blieb er bei der Post. „Ich hätte Verwaltungsbeamter werden können“, lacht er. Doch dann traf er einen Schulfreund, der von seinem eben begonnenen Jus-Studium schwärmte. „Das ist echt klass’“, hörte er und ließ sich von diesem Satz anstecken. Ballon inskribierte, fand schnell Gefallen an der Juristerei und übersiedelte nach Salzburg. Als am Institut für Zivilprozessrecht eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft frei wurde, nutzte er diese Chance als Einstieg. Bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung 2001 blieb er am Institut und war dort zuletzt als Professor tätig. „Unterrichten hat mir immer großen Spaß gemacht, Prüfen eher weniger“, sagt er.

In beruflicher und wissenschaftlicher Hinsicht wegbegleitend wurden für Oskar Ballon der Wiener Jurist Hans W. Fasching („wir haben immer hervorragend zusammengearbeitet“) und vor allem Franz Matscher, der 1967 ans Institut nach Salzburg kam. Bei ihm promovierte und habilitierte sich Ballon. „Wir haben uns aber auch sonst sehr gut verstanden“, sagt er. Anfang der 1970er-Jahre begann Ballon zu publizieren, in den 1980er-Jahren veröffentlichte er ein Lehrbuch für Zivilprozessrecht, dessen insgesamt zwölf Auflagen er bis 2009 für den Verlag Leykam betreute. 2009 fand diese Tätigkeit ein Ende, 2015 entschloss sich der MANZ Verlag, das Projekt fortzusetzen, und bat Ballon, dann schon in Pension, um seine Mitarbeit. Die gemeinsam mit Bettina Nunner-Krautgasser, Birgit Schneider und Matthias Neumayr entstandene Neuauflage erschien unlängst bei MANZ. Die Zusammenarbeit zwischen Mondsee, Salzburg, Graz und Wien habe hervorragend funktioniert, sagt er, abgesehen von gelegentlichen Treffen habe man per E-Mail kommuniziert.

„Wenn mich jemand fragt, warum ich nicht verheiratet bin, sage ich immer, dass ich in meinem Leben immer mit der Wissenschaft verheiratet war“, schmunzelt Ballon, Bigamie sei für ihn keine Option gewesen. Seine Freizeit verbringt er bis heute gerne musikalisch. Das Angebot in Salzburg war für ihn als Musikliebhaber sehr attraktiv. Oskar Ballon mag Theater und Oper („am liebsten klassisch-traditionelle Inszenierungen“), 35 Jahre lang fuhr er Sommer für Sommer nach Verona in die Arena. „Ich habe wirklich schon fast alles gesehen“, sagt er, fast mit ein bisschen Wehmut. Wenn er nach Wien kommt, geht er gerne in Musicals. „I am from Austria“ hat er sich diesmal im Raimundtheater angesehen. „Es hat mir gefallen, aber es war laut“, findet er.

Seine Neugierde für Musik ist allerdings ungebrochen. Oskar Ballon spielt täglich Klavier, noch lieber Cembalo. Und er gönnt sich auch Klavierstunden in der Musikschule Mondsee. Da sei er zwar der älteste Schüler, das stört ihn jedoch nicht. Und ja, auch das Üben ist fixer Bestandteil seines Alltags. Wenn er nicht mit dem Zivilprozessrecht befasst ist, sitzt er am Flügel.

Karin Pollack

 
  • Oskar J. Ballon; Bettina Nunner-Krautgasser; Birgit Schneider

    Einführung in das Zivilprozessrecht

    Streitiges Verfahren

    MANZ Verlag Wien
    ISBN: 978-3-214-06523-2 - Flexibler Einband
    XXXII, 514 Seiten, 13. Auflage, 2018
    54,00 EUR inkl. MwSt.
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