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Lebenslang erben

Manfred Umlauft

Manfred Umlauft
© Privat













Schenken, erben, regeln: Der Vorarlberger Notar
Manfred Umlauft hat sich österreichweit einen
Namen als Erbrechtsexperte gemacht.



Es gibt Geschichten, die für ein berufliches Leben prägend sind. Der Dornbirner Notar Manfred Umlauft hat zwei davon auf Lager. Die eine handelt davon, wie er überhaupt zu den Rechtswissenschaften gekommen ist. Es war reiner Zufall, denn ursprünglich wollte er Mathematik und Physik studieren, war aber als Neo-Student – wie alle anderen im Hörsaal – erst einmal total frustriert, weil eine verständliche Vorlesung nicht das Ziel des Lektors war. Als er hörte, dass das mindestens noch weitere drei Semester im Mathematik-Studium der Fall sein würde, sattelte er um. „Wenn du in Mathe gut bist, dann liegt dir auch Jus“, hörte er von einer Bekannten – und tatsächlich: Bereits die ersten Vorlesungen zogen ihn vollkommen in den Bann. In neun Semestern hatte er sein Studium in der Tasche.

Die zweite Geschichte ist die seiner fachlichen Spezialisierung: Manfred Umlauft ist Erbrechtsexperte, und das kam so. Als junger Notariatskandidat las er 1987 in einer Festschrift einen Aufsatz von Rudolf Welser, einer anerkannten Autorität im Zivilrecht. Das Thema: Schenkungsanrechnungsrecht. Umlauft stimmte aber mit Welsers Meinung nicht überein. Nach einigem Zögern entschied er sich, seine Meinung in der Notariatszeitung zu veröffentlichen. Dort saß Welser im Redaktionsteam. Umlauft staunte nicht schlecht, als Rudolf Welser ihm daraufhin telefonisch mitteilte, dass ihm der Aufsatz ganz gut gefalle. „Das nenne ich wissenschaftliche Toleranz“, sagt Umlauft. Vor allem auch, weil dieser ihn ermutigte, eine Habilitation zum Thema zu schreiben, und ihn beharrlich immer wieder daran erinnerte. Umlauft fand dann in Bernhard Eccher, Erbrechtsexperte an der Uni Innsbruck, einen Habilitationsvater und traf sich immer wieder zu Diskussionen.

Allein: Manfred Umlauft hatte in Dornbirn gerade eine Kanzlei gegründet und viel um die Ohren. „Zeit, mich hinzusetzen und die Habilitationsschrift fertig zu machen, hatte ich einfach nicht“, schildert er sein damaliges Dilemma. Seine Frau, so Umlauft, hatte schließlich die rettende Idee. Sie schlug ihrem Mann vor, sich so lange für verlängerte Wochenenden in ein Kloster am Bodensee zurückzuziehen, „bis ich die zu Dreivierteln fertige Habilitationsschrift abgeschlossen habe“, sagt er. 1999, nach zehn Jahren Arbeit, war es soweit. Mit seinen beiden Mentoren Rudolf Welser und Bernhard Eccher ist er bis heute menschlich verbunden.

In einer alternden Gesellschaft sind Schenkungen zu einem zentralen Thema geworden, weiß Umlauft. „Eltern wollen ihren Kindern ‚mit warmer Hand geben‘, und zwar dann, wenn die Kinder finanzielle Unterstützung brauchen“, sagt er. Dazu passend ist bei MANZ Umlaufts „Hinzu- und Anrechnung von Schenkungen im Erb- und Pflichtteilsrecht“ in der zweiten Auflage erschienen.

Wie vielfältig sein Thema im Allgemeinen, aber vor allem auch in Familienunternehmen sein kann, erlebt Manfred Umlauft nahezu täglich. „In 38 Jahren habe ich alles gesehen“, sagt er. Seine Erfahrung aus der Praxis fließt stets in seine wissenschaftliche Arbeit ein. „Diese Dualität würde ich nicht missen wollen“, sagt er, der sein Wissen auch an der Universität Innsbruck an die jüngere Generation weitergibt. In seiner Kanzlei in Dornbirn arbeiten heute vier Juristen daran, Lösungen in Erbrechtsfragen wie auch Liegenschafts-, Gesellschafts- und Stiftungsangelegenheiten zu finden. „Ich bin kein Streittyp“, sagt Umlauft und definiert damit auch sein berufliches Selbstverständnis.

Ob er selbst seine Kanzlei eines Tages vererben wird? „Nein“, lacht er, weil seine Kinder andere berufliche Wege gegangen sind. Nach ihren Studien in Wien hat es beide nach Deutschland verschlagen – seine Tochter in die Tourismusbranche nach Berlin, seinen Sohn ins Finanzmanagement nach München. Was Manfred Umlauft, dem Familienmensch, Freude macht, ist seine neue Rolle als Großvater. Er freut sich, wenn seine Kinder zum Wandern nach Vorarlberg kommen, einmal im Jahr wird gemeinsam verreist.

Umlaufts höchstpersönliches Vergnügen ist das Fliegenfischen im Bregenzerwald. Zwar ernte er diesbezüglich in seiner Familie immer wieder Hohn und Spott, da, so wird ihm vorgeworfen, die Kosten für die Jahreskarte im krassen Missverhältnis zur Anzahl der gefangenen Forellen stünden. „Das Erlebnis, um sechs Uhr früh im Wasser zu waten und die Fische zu überlisten, ist aber unbezahlbar“, lacht er. Überlisten tut er auch alle, die mit ihm Karten spielen. Nicht nur im Erbrecht, auch beim „Jassen“ ist er ein Ass.

Karin Pollack