Mit Spaß und Neugier bei der Sache
Als max.mobil-Manager der ersten Stunde erlebte Klaus Steinmaurer die Liberalisierung des heimischen Telekommarktes ab Mitte der 1990er-Jahre hautnah. Als Geschäftsführer Telekom und Post bei der RTR-GmbH, wo bald auch die neue KI-Behörde angesiedelt sein soll, gestaltet er heute digitale Märkte aktiv mit.
Seit 2019 fungiert Klaus Steinmaurer als Geschäftsführer des Fachbereichs Telekommunikation und Post der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR). Im Zuge der Regierungsverhandlungen wurde gemunkelt, in seinem Bereich könnte künftig auch eine neu zu gründende KI-Behörde angesiedelt sein.
Auf die entsprechende Frage hin schlägt er das eben an jenem Tag veröffentlichte Regierungsprogramm auf: „Institutionell wird die KI-Behörde aufbauend auf die KI-Servicestelle in der RTR eingerichtet. Die nichtkommerzielle, rechtliche Beratung von Organisationen und Unternehmen in der Umsetzung von KI-Maßnahmen und des AI Acts ist […] eine wesentliche Aufgabe.“
Mit anderen Worten: Das Arbeitspensum des viel beschäftigten Managers dürfte in der nächsten Zukunft wohl nicht abnehmen. Erst im Juli des Vorjahres wurde Steinmaurer vom damaligen Finanzminister Magnus Brunner als RTR-Geschäftsführer bis 2029 wiederbestellt.
Dass er etwas vom Fach versteht, beweist er nicht zuletzt durch seine Mitwirkung an diversen Publikationen: So schrieb er unter anderem für den von Wolfgang Zankl herausgegebenen Kommentar zur KI-Verordnung. Nicht genug damit, hatte er auch die Herausgeberrolle bei dem praktisch zeitgleich erschienenen Kommentar zum Telekommunikationsgesetz „TKG 2021“ inne.
Von Anfang an dabei
Die Telekommunikation sowie insbesondere die Mobilkommunikation begleitet ihn nun schon fast während seiner gesamten, mehr als dreißigjährigen beruflichen Laufbahn. Nach einem Rechtsstudium an der Universität Wien ist Steinmaurer in der Rechtsabteilung eines großen Baukonzerns tätig. 1996 bewirbt er sich für den Bereich Recht und Marketing beim neu gegründeten Netzbetreiber max.mobil.
„Ich hatte die Mitarbeiternummer 48“, erinnert er sich. „Die Lizenzvergabe an max.mobil wurde damals angefochten. In meinem Dienstvertrag fand sich daher ein Passus, dass das Beschäftigungsverhältnis vom Ausgang der entsprechenden VwGH-Entscheidung abhängig sei.“ Das Risiko hat sich ausgezahlt.
Steinmaurer wird Leiter des Bereichs Recht und Regulierung, zunächst bei max.mobil, später T-Mobile Austria, als das Unternehmen zu 100 Prozent von der Deutschen Telekom übernommen wird. Das Auftauchen des Anbieters max.mobil am österreichischen Markt trieb die Liberalisierung in der Telekommunikation voran.
In Erinnerung ist vielen wohl noch der „Max-Schilling“ (ein Schilling pro Minute für Telefonate von max-Handy zu max-Handy). Steinmaurer: „Was damals unschlagbar günstig schien, entlockt einem heute nur mehr ein müdes Lächeln. Und ob das rechtlich überhaupt in Ordnung war, mussten wir erst austesten. Schließlich waren wir in ganz Europa die Ersten, die einen ,netzinternen‘ Tarif erfunden haben.“
Der RTR-Manager denkt gerne an diese Zeit zurück. „Als innovative Truppe waren wir mit viel Spaß und Neugier bei der Sache. Ich betrachte es noch heute als Riesenglück, dass ich die Entwicklung von Anfang an mitbegleiten durfte.“
„Die Rolle der KI-Behörde wird darin bestehen, Unternehmen zu unterstützen und zu beraten, nicht zu strafen.“
KLAUS STEINMAURER
Alternatives TKG verfasst
Nach dem EU-Beitritt wird eine Überarbeitung des Fernmeldegesetzes 1993 erforderlich. Gemeinsam mit Kollegen aus der Branche und Professor Wittmann verfasst Steinmaurer ein „Alternatives Telekommunikationsgesetz“. Das ist dann Grundlage für das TKG 1997.
Von 2016 bis 2018 geht Steinmaurer nach Bonn, wo er als Vice President International Regulatory Affairs Europe der Deutschen Telekom die Regulierungsaufgaben des Konzerns für die europäischen Töchter außerhalb Deutschlands verantwortet. Schließlich veranlasst ihn die Herausforderung der Übernahme der RTR-Geschäftsführung zur Rückkehr nach Österreich.
Die Aufgaben der künftigen KI-Behörde bei der RTR-GmbH sieht er darin, Unternehmen zu unterstützen und zu beraten. „Das Motto der bisherigen KI-Servicestelle lautet, Chancen ermöglichen, Risiken managen‘. Das gilt auch für die zukünftige KI-Behörde. Wir wollen Rechtssicherheit schaffen und den Markt mitgestalten sowie Rahmenbedingungen setzen und mit dem Markt lernen.“
Im Gegensatz zur allgemeinen Wahrnehmung stehe auch beim europäischen AI Act die Unterstützung durch Regulierung und nicht die Bestrafung im Vordergrund. „Wer das Gegenteil behauptet, hat die Richtlinie von hinten nach vorne gelesen. Es geht um ein risikobasiertes System zum richtigen Umgang mit KI-Anwendungen.“ Das europäische Regelwerk sei ein Vorteil gegenüber den USA, wo es in absehbarer Zeit eben keine einheitliche Regulierung geben wird.
Schreiben ist für Steinmaurer ganz offenbar nicht Last, sondern durchwegs Lust. Schon als Maturant verfasste er eine freiwillige Fachbereichsarbeit – zur „Entwicklung der oberösterreichischen Sozialdemokratie 1919 bis 1934“. Eine Zeit, die für ihn neben der Telekommunikation eine große Leidenschaft ist. Bis heute schreibt er seine zahlreichen Beiträge und Vorträge selbst. Und neue Publikationsideen hat er bereits in petto. „Aber darüber muss ich zuerst mit dem MANZ Verlag reden …“
Sämtliche Titel von Klaus Steinmaurer können Sie im MANZ Webshop bestellen.
Publikationen von Klaus Steinmaurer