Lehre: Ausgezeichnet!
Über den akademischen Tellerrand seiner Spezialdisziplin und über nationale Grenzen blickt Thomas Garber. Den Studierenden der Linzer Johannes Kepler Universität kommt dieser Perspektivenwechsel ebenso zugute wie den Leser:innen seiner MANZ-Werke.
Seit Februar 2024 ist Thomas Garber Vorstand des Instituts für Zivilverfahrensrecht an der JKU Linz. Was den gebürtigen Steirer, der zuletzt an der Universität Graz als Universitätsprofessor am Institut für Zivilverfahrensrecht und Insolvenzrecht tätig war, zu diesem Schritt in den hohen Norden bewog? „Mich haben die Entwicklungsmöglichkeiten an der Johannes Kepler Universität gereizt“, erzählt er.
Erste Weichen wurden bereits gestellt: So wurden die Lehrveranstaltungen neu gegliedert. „Wir wollen die Studierenden vom ersten Tag an begeistern. Zu Beginn bieten wir eine Vorlesung an, die nur aus Übungen besteht, bei denen praxisnahe Fälle gelöst werden.“
Dazu kommen Veranstaltungen, die er mit Andreas Geroldinger organisiert, wie der Linzer Familienrechtstag. In diesem jährlich im Oktober angebotenen Format werden Themen des Familien- und Familienverfahrensrechts behandelt und diskutiert.
Wissenschaft und Praxis
Dreimal pro Semester findet das „Linzer Praxisforum Zivilverfahrensrecht“ statt. Zum Ende des Sommersemesters war Benjamin Dobler als Referent geladen. Der Hofrat des Obersten Gerichtshofs sprach über Kündigungsschutz und Anspruchsdurchsetzung im arbeitsgerichtlichen Verfahren. Garber: „Der Austausch zwischen Universität und Praxis ist für mich essenziell.“
Bereits in Graz wählte der Zivilverfahrensrechtler mitunter einen interdisziplinären Ansatz in der Lehre, beispielsweise mit der Verbindung von Familienverfahrensrecht und Psychologie. „Sehr zu meiner Freude ist der interdisziplinäre Gedanke an der JKU fest verankert. Unter anderem arbeite ich mit Lyane Sautner zusammen, die das Institut für Procedural Justice, eine interdisziplinär ausgerichtete Einrichtung der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, leitet.“
Die Rechtsbetrachtung ergänzt Garber nicht nur um die Erkenntnisse anderer wissenschaftlicher Fachrichtungen. Er blickt auch über die Grenzen Österreichs und des österreichischen Rechtssystems hinaus.
„Wer sich mit dem Zivilverfahrensrecht befasst, merkt bald, dass es keineswegs trocken und formal, sondern sehr spannend und praxisbezogen ist.“/span>
THOMAS GARBER
Europa im Blick
Gemeinsam mit dem JKU-Kollegen Matthias Neumayr sowie mit Balázs Arató von der Károli-Gáspár-Universität Budapest und Katharina Lugani von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf initiierte er den „Europäischen Dialog zum Zivilverfahrensrecht“.
„Zu der im Zweijahresrhythmus stattfindenden Veranstaltungsreihe können wir Vertreter und Vertreterinnen fast aller EU-Mitgliedsstaaten begrüßen.“ Eine willkommene Gelegenheit, sich der national unterschiedlichen Rechtsprechung zu den jeweiligen Unionsrechtsakten zu widmen. Der Tagungsband zum Europäischen Dialog des Jahres 2024 erscheint nun bei MANZ.
Bestens etabliert ist das von Garber, Lugani und Marie-Luise Zirngast (JKU Linz) initiierte und ausgerichtete Düsseldorf-Linz-Symposium zum Internationalen Zivilverfahrensrecht, kurz: DLS. „Das DLS bezieht auch außereuropäische Staaten sowie Nicht-EU-Mitglieder wie die Schweiz mit ein.“
Anfang Juli diente die Kepler Hall an der Linzer Universität als Tagungsort – Thema: Gerichtsstands- und Rechtswahlvereinbarungen. Spannend wird das Düsseldorf-Linz-Symposium 2026 (24. bis 25. September) auf Schloss Mickeln in Düsseldorf zu 30 Jahren KSÜ. „Wir werden Anwendungsbereiche und Problemfelder des Haager Kinderschutzübereinkommens untersuchen.“
Jus statt Geschichte
Am Anfang von Thomas Garbers Karriere stand kein Masterplan, sondern eine glückliche Fügung: „Ursprünglich wollte ich Geschichte studieren. Sozusagen als materielle Absicherung inskribierte ich zusätzlich Jus. Die Einführungsvorlesung war dann so spannend, dass ich beschloss, mich ganz auf das Rechtsstudium zu konzentrieren.“
Zum Zivilverfahrensrecht kam er durch seine ehemalige Hochschullehrerin Daphne-Ariane Simotta. „Ich habe drei Seminare bei ihr besucht. Nach dem zweiten fragte sie mich, ob ich ihr Assistent werden wolle.“
Bei seinen Kolleg:innen an der Universität galt Zivilverfahrensrecht damals als trocken und formalisiert, so eine Beobachtung Garbers, die er so keinesfalls bestätigen möchte: „Wer sich damit befasst, merkt bald, dass Zivilverfahrensrecht in Wahrheit das schönste und interessanteste Fach ist. Das Rechtsgebiet ist sehr praxisbezogen und international ausgerichtet.“
Sein Doktorat der Rechtswissenschaften an der Universität Graz schloss Garber ebenso mit ausgezeichnetem Erfolg ab wie zuvor die Reifeprüfung. Für die Dissertation über „Einstweiligen Rechtsschutz nach der EuGVVO“ erhielt er den Wolf Theiss Award 2008 und den Jean Monnet Wissenschaftspreis für Europarecht.
Ausgezeichnet wurde darüber hinaus die Lehrtätigkeit des Universitätsprofessors – 2015 mit dem Lehrpreis der Universität Graz („Lehre: Ausgezeichnet!“) sowie mit dem Seraphine-Puchleitner-Preis für DoktorandInnenbetreuung 2021. Sein Fachwissen vermittelt Garber auch in gedruckter Form: 2024 erschien das gemeinsam mit Peter Mayr verfasste Kurzlehrbuch „Verfahren außer Streitsachen“.
Sämtliche Titel von Thomas Garber können Sie im MANZ Webshop bestellen.
Publikationen von Thomas Garber