Die vielen Facetten des Hagen Nordmeyer
Geiger, Sprachtalent, OGH-Richter, Fachautor, Herausgeber: Die Persönlichkeit Hagen Nordmeyers hat viele Facetten. Das MANZ-Autorenporträt bietet Anlass, einige davon näher zu beleuchten.
Der Musiker
„Hagen Nordmeyer ist ein Virtuose des Rechts, er spielt die feinen Töne“, meint MANZ-Programmmanagerin Hemma Korinek. Eine Anspielung auf dessen musikalisches Doppelleben. „Parallel zum Jus-Studium lernte ich Geige am Mozarteum“, erzählt er. „Mein Studium finanzierte ich mir auch als Musiker.“
Die Entscheidung für einen juristischen Brotberuf fiel dann aufgrund der bevorstehenden Geburt des ersten Sohnes. „Die Musikerkarriere erschien mir zu unsicher, um damit eine Familie zu ernähren.“
Das musikalische Talent wurde ihm in die Wiege gelegt: Der Vater spielte Klavier, die Mutter Querflöte, zwei der vier Geschwister sind heute Berufsmusiker. „Bei uns zu Hause ging es zu wie in einer Musikschule. Jeder übte mehrere Stunden am Tag ein Instrument.“
Heute spielt Nordmeyer „nicht professionell, aber auf sehr hohem Niveau“ im Orchester „Wiener Akademische Philharmonie“, das regelmäßig im Musikverein vor großem Publikum auftritt. „Dazu kommt das ,G’schäftl‘, wie man unter Musikern sagt, in Form von Kammermusik-Auftritten bei Feierlichkeiten.“
Mit der Philharmonie interpretierte der Geiger zuletzt Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“, mit seinem Kammermusik-Ensemble ein Streichquintett von Johannes Brahms. Seine Lieblingskomponisten? „Als gebürtiger Oberösterreicher bin ich von Anton Bruckner geprägt.“ In Sachen Kammermusik haben es ihm vor allem Franz Schubert und Robert Schumann angetan.
Der vielseitig Interessierte
Eine Privatführung durch den Justizpalast mit Hagen Nordmeyer ist ein besonderes Privileg. Der 1881 vollendete Bau konserviert fast 150 Jahre österreichischer Geschichte.
Beeindruckend ist der glasgedeckte Arkadenhof mit der sitzenden Justitia. Die Wappen über den Pfeilersäulen spiegeln die Länder der k.u.k. Monarchie. Nordmeyer zeigt auf eine Dohle: „Es handelt sich um das Wappentier des Königreichs Galizien“, erklärt er.
Geschichte und Philosophie zählen zu seinen Steckenpferden. Und Sprachen: Portugiesisch, Englisch, Spanisch und Französisch. „Ursprünglich habe ich Jus studiert, um Diplomat zu werden. Ich wollte nach Südamerika“, erinnert er sich.
Nach der Matura studierte er eine Zeit lang in Brasilien. Bis heute liest er gerne portugiesische Literatur. „Ich schätze den brasilianischen Romancier Jorge Amado ebenso wie die Werke von Mia Couto aus Mosambik, weil sie Einblick in einen anderen Kulturkreis vermitteln.“
„Als Herausgeber der Wiener Kommentare möchte ich die besten und geeignetsten Autorinnen und Autoren für das große Standardwerk im Strafrecht gewinnen.“
HAGEN NORDMEYER
Der Jurist
„Mein Jus-Studium habe ich ohne große Begeisterung absolviert“, bekennt Nordmeyer. Diese stellte sich erst später ein. „Als ich zu arbeiten begann, merkte ich, dass die Juristerei in der Praxis wesentlich spannender war, als es mir das Studium vermittelt hatte.“ Mittlerweile sieht er den Lehrbetrieb als Honorarprofessor von der anderen Seite. „Die Beschäftigung mit Studierenden macht mir besondere Freude. Ich versuche, Strafrecht praxisnah zu vermitteln und Begeisterung zu wecken.“
Das vornehmliche Interesse des Richteramtsanwärters galt dem Zivilrecht. Eine – nachträglich betrachtet – glückliche Fügung wollte es anders: Nach der Richteramtsprüfung bewarb sich Nordmeyer bei der Staatsanwaltschaft.
Beruflich spezialisierte er sich in der Folge auf Finanz- und Wirtschaftsstrafsachen, beginnend in der Wirtschaftsgruppe der Staatsanwaltschaft Wien. Nordmeyer begleitete einige aufsehenerregende Fälle und wechselte schließlich in die Generalprokuratur. Heute ist er Hofrat des Obersten Gerichtshofs als Mitglied des Senats 14 (Amtsdelikte), früher auch des Senats 13 (Finanzstrafsachen).
Eigentlich entstammt der Richter einer Anwaltsfamilie. Vater und Großvater waren als Rechtsanwälte tätig. „Mein Vater hielt große Stücke auf die berufliche Selbstständigkeit und war zunächst nicht begeistert von meinem Einstieg in die Justiz“, erinnert sich Hagen Nordmeyer. Als der Vater die Karriere des Sohnes mitverfolgte, stellte sich freilich dann doch Stolz ein.
Der Autor und Herausgeber
Juristerei ist nicht zuletzt Sprachkunst. „Ich versuche, an meinen Entscheidungen auch sprachlich zu feilen“, sagt Nordmeyer. An den Abenden in Wien oder an Wochenenden in seinem Haus im Waldviertel produziert der OGH-Hofrat Fachliteratur auf höchstem Niveau.
„Das ist anstrengend. Allerdings bringt die Arbeit an den Wiener Kommentaren zum Strafgesetzbuch und zur Strafprozessordnung viel Anerkennung. Die Außenwirkung ist beachtlich, beide Werke werden häufig zitiert.“
Schon bei der Erstellung seiner Dissertation entdeckte der damalige Student die Lust an der wissenschaftlichen Beschäftigung mit juristischen Problemstellungen. In seiner Zeit als Staatsanwalt schließlich wurde der Wiener-Kommentar-Herausgeber Eckart Ratz auf ihn aufmerksam. „2007 schrieb ich die ersten Texte für den StPO-Kommentar.“
Im Herbst 2025 übernahm Nordmeyer nun die Herausgeberschaft der beiden Standardwerke im Strafrecht. Noch in diesem Quartal steht eine erste Lieferung an. Pro Jahr werden rund 2.000 Seiten in vier Tranchen an Abonnenten ausgeliefert.
Es gilt, größtmögliche Aktualität sicherzustellen. „Der Gesetzgeber wird aktiver, auch kommen immer mehr Vorgaben von der Europäischen Union.“
Einen Leitfaden für die zahlreichen Autor:innen hat der Neo-Herausgeber bereits vor dem Jahreswechsel ausgeschickt, um für klare Strukturen und einheitliche Begrifflichkeiten zu sorgen. „Auch in Zukunft wird es darum gehen, stets die geeignetsten Autorinnen und Autoren für das Werk zu gewinnen, um das hohe qualitative Niveau beizubehalten.“
Sämtliche Titel von Hagen Nordmeyer können Sie im MANZ Webshop bestellen.
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