Schreiben ist Lernen
Verfassungsgerichtshof. Seine Publikationstätigkeit ist für ihn Wissensvermittlung und Weiterbildung zugleich.
Stefan Leo Frank ist Generalsekretär im österreichischen Verfassungsgerichtshof. Darüber hinaus schreibt er Werke zu Staats- und Verfassungsrecht. Nebst der Wissensvermittlung ist dies für ihn eine Form der persönlichen Weiterbildung.
Besucherinnen und Besucher führt Stefan Leo Frank gern durch die Räumlichkeiten des Österreichischen Verfassungsgerichtshofs auf der Freyung im ersten Wiener Gemeindebezirk. In der Öffentlichkeit am bekanntesten ist wohl der Verhandlungssaal, in dem Erkenntnisse öffentlich verkündet werden.
Im ersten Stock des zu einem großen Teil denkmalgeschützten Jugendstilgebäudes befindet sich ein Korridor, an dessen Wänden Fotoporträts der bisherigen Präsident:innen angebracht sind. Mit vier davon – Ludwig Adamovich, Karl Korinek, Gerhart Holzinger und Brigitte Bierlein – hat Frank in seiner gut 20-jährigen VfGH-Laufbahn bereits zusammengearbeitet.
Wie prägend die Persönlichkeit der Präsidentin bzw. des Präsidenten für die Arbeit des Verfassungsgerichtshofs ist, wollten wir wissen. „Sehr“, antwortet Frank. „Der Ablauf der Beratungen und der Willensbildung hängt im hohen Maße davon ab. Jede Präsidentin und jeder Präsident hat ihren oder seinen eigenen Stil.“
Eindrücklich in Erinnerung ist ihm etwa Karl Korinek. Der 2017 verstorbene Verfassungsjurist war 30 Jahre lang Mitglied des Verfassungsgerichtshofs, fünf Jahre davon als Präsident. „Durch die langjährige Tätigkeit konnte Korinek aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen. Das hat man bei den Beratungen und bei seinen Auftritten auf Veranstaltungen gespürt.“
Fünf VfGH-Präsident:innen
Auch den heutigen Präsidenten Christoph Grabenwarter kennt Frank schon seit seiner Zeit als Assistent am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Wien gegen Ende der 1990er. Grabenwarter war damals zwar Gastprofessor an der Linzer JKU, schaute aber gelegentlich bei den Wiener Kolleg:innen vorbei.
Heute sind die beiden ein gut eingespieltes Team. „Wir kennen einander seit mehr als 25 Jahren und arbeiten seit mehreren Jahren am Verfassungsgerichtshof zusammen“, so Frank.
Und nicht nur am Verfassungsgerichtshof: Gemeinsam verfassten sie einen Kurzkommentar zu Bundes-Verfassungsgesetz und Grundrechten, der erstmals zum 100. Geburtstag der Bundesverfassung im Jahr 2020 sowie heuer in zweiter Auflage erschien.
Franks MANZ-Historie begann 2013, als er als einer der Autor:innen des „SV-Komm“ in Erscheinung trat. Gefragt wurde er – wie könnte es anders sein – von einem Verfassungsrichter, dem Co-Herausgeber des Kommentars zur Sozialversicherung Rudolf Müller.
„Letztlich lernt der Autor eines Buches selbst am meisten. Um über ein Thema schreiben zu können, muss man es von Grund auf verstehen.“
STEFAN LEO FRANK
Schreiben und Lehren
Am Schreiben schätzt der VfGH-Generalsekretär den Aspekt der persönlichen Weiterbildung. „Letztlich lernt der Autor eines Buches selbst am meisten. Um über ein Thema schreiben zu können, muss man es von Grund auf verstehen. Das Wissen, das ich dabei erwerbe, kommt mir selbst und damit meiner Tätigkeit am Verfassungsgerichtshof zugute.“
Das erworbene Wissen gibt Frank freigiebig weiter – unter anderem seit 2017 als Vortragender an der Sigmund Freud PrivatUniversität bzw. seit 2022 als Honorarprofessor ebendort. Seit 2003 ist er darüber hinaus Vortragender und Prüfer an der Verwaltungsakademie des Bundes.
In Verlagskreisen erfreut sich der Experte für öffentliches Recht hohen Ansehens. „Stefan Leo Frank liefert pünktlich und stets in höchster fachlicher Qualität“, ist zu hören. Trotz der vielfältigen Engagements wirkt er dabei stets entspannt.
„Ich habe mir schon in meiner Schulzeit angewöhnt, vorzulernen“, erzählt er. Aus dem Vorlernen wurde mittlerweile ein Vorschreiben sowie ein frühzeitiges Vorbereiten anstehender Aufgaben. Als Generalsekretär bereitet Frank Sitzungen und mündliche Verhandlungen vor, sichtet Fälle und übernimmt die inhaltliche Abstimmung. Zudem verantwortet er das Evidenzbüro, das Bürgerservice und Teile des Qualitäts- und Wissensmanagements im Haus.
Praxis und Wissenschaft
Bei all diesen Aufgaben kommt ihm seine Erfahrung zugute. 1999 begann Frank als verfassungsrechtlicher Mitarbeiter am VfGH. Zwischen 2006 und 2011 war er als Referent für Rechtsangelegenheiten für die Präsidentschaftskanzlei tätig.
„VfGH-Präsident Gerhart Holzinger hat mich 2012 als stellvertretender Generalsekretär zurückgeholt“, erinnert er sich. Was ihn an der Tätigkeit fasziniert? „Am Verfassungsgerichtshof kann man auf höchstem Niveau praxisorientiert und doch wissenschaftlich arbeiten. Es ist möglich, Argumente gründlich abzuwägen und Rechtsprobleme zu vertiefen.“
Das Interesse war schon zu Schulzeiten vorhanden. Franks Spezialthema bei der Matura: Staatsbürgerkunde und Rechtslehre. Anschließend schloss er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien und der Handelswissenschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien ab.
Seine Freizeitlektüre stellt ein Kontrastprogramm zur Bildungs- und Berufslaufbahn dar. „Ich lese sehr viel, Sachbücher ebenso wie Unterhaltungsliteratur“, verrät Frank. „Derzeit etwa norwegische Krimis.“ Sein körperlicher Ausgleich: lange Spaziergänge in Begleitung der Labradorhündin Keira.
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