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AUTOR DES MONATS · RECHTaktuell 11-12/2019

Hans Gölles

Hans Gölles hat ein Leben lang die rechtlichen Grundlagen für große Bauvorhaben mitgestaltet – privat steigt er gerne hoch hinauf.
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Redaktion
Karin Pollack
Datum
04. November 2019

Auf Recht bauen


Es ist gar nicht leicht, Hans Gölles zu erwischen. „Ich bin zwar Pensionsbezieher, aber nicht in Pension“, sagt er entschuldigend, derzeit sei viel los. Er musste ein Gutachten fertigmachen, bereitet einen Vortrag vor, zudem wartet er auf Druckfahnen von MANZ. Dieser Tage erscheint der Kommentar zum Bundesvergabegesetz, bei dem Gölles die Herausgeberschaft übernommen hat. Insofern also: echt wenig Zeit.

Aber irgendwann klappt ein Telefonat. Hans Gölles ist in seinem Haus südlich von Graz. „Warten Sie, ich gehe an eine Stelle, wo ich guten Empfang habe“, sagt er und beginnt zu erzählen. Geboren wurde er 1941 in Graz, sein Vater fiel im Zweiten Weltkrieg und so wuchs er als Einzelkind bei seiner Mutter auf. „Ich war ein begabter Schüler, mochte aber auch Abenteuer“, sagt er verschmitzt.

Im Gymnasium entdeckte er seine Vorliebe für technische Fächer. „Ich hab’ mich kurz vor der Matura aber doch für Jus entschieden, weil ich mir alle Möglichkeiten offen lassen wollte“, erinnert er sich und begann ein Studium der Rechtswissenschaften in Graz, das er 1965 abschloss.

Doch dann holte ihn die Technik wieder ein. Sein erstes Job-Angebot kam von einem Grazer Bauunternehmen. Man suchte einen Mitarbeiter, der sich um die rechtlichen Belange kümmerte. „Verträge, Vergaben, Personal, Versicherungen, Schadenersatz: da war wirklich viel zu tun.“ Gölles war tüchtig, machte Karriere und lernte so gut wie alle Eventualitäten der Baubranche kennen. 27 Jahre lang arbeitete er in ein und demselben Unternehmen, engagierte sich aber auch in den Interessensvertretungen, hielt Weiterbildungsvorträge vor Technikern und begann, in einschlägigen Fachmagazinen zu publizieren.

Kurzum: Er machte sich einen Namen. Anfang der 1990er-Jahre bekam er dann ein Angebot, als Geschäftsführer in der Bauindustrie zu arbeiten, eine Chance, die er sich nicht entgehen lie.. Er übersiedelte nach Wien, arbeitete fortan in vielen Ausschüssen, engagierte sich in der Industriellenvereinigung, beriet sich mit Ministerialbeamten und vertrat die Anliegen seiner Berufsgruppe mit großer Verve. Eines seiner wichtigsten Projekte wurde 1993/94 die Umsetzung der EG-Vorschriften zum Bundesvergabegesetz, bei der er mitwirkte.

„Die Kollegen wollten von mir vor allem wissen, was diese Neuerungen für sie bedeuten.“ Deshalb begann er, zusammen mit Koautoren sehr praxisorientierte Bücher zu verfassen, etwa einen Kurzkommentar zum Gesetz. „Meine Spezialität war die Visualisierung von Inhalten in tabellarischer Form“, sagt er und beschreibt damit auch seine erste Zusammenarbeit mit dem MANZ-Verlag.

„Vergaberecht ist mein Steckenpferd geblieben“, sagt er voll Enthusiasmus und meint zum Beispiel die ÖNORM B 2110. Und überhaupt: Die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür, wie Bauverträge von der Planung bis zur Gewährleistung und zum Schadenersatz abgewickelt werden, hat Gölles mitgestaltet. Auch noch mit 78 Jahren publiziert er in Fachzeitschriften, gibt sein Wissen in Vortr.gen weiter und bringt sein Know-how als Herausgeber des MANZ-Kommentars ein. „Ich mag klare, präzise und kurze Botschaften“, beschreibt er sein Selbstverständnis.

Anfang 2000 ging Hans Gölles aus privaten Gründen zurück nach Graz und arbeitete wieder bei einer großen Baufirma. „Wenn es Problemfälle gab, die positiv zu erledigen waren, landeten sie auf meinem Schreibtisch“, sagt er stolz. Als er 2006 in Pension ging, machte er einfach als Einzelunternehmer weiter. Gölles ist als Gutachter, Unternehmensberater und Autor aktiv: „Solange mich nicht der Alzheimer einholt, gibt es keine Bremse für mich.“
 

„Solange mich nicht der Alzheimer einholt,
gibt es keine Bremse für mich.“


Das gilt auch für Hans Gölles’ Privatleben. Der Witwer mit fünf erwachsenen Kindern und einem Dutzend Enkelkindern hat einen großen Freundeskreis, kennt Einsamkeit nicht. Hier und da ist er mit Reisegruppen in Gegenden unterwegs, wo er sich wirklich gut auskennt: In Mittelasien zum Beispiel, in Teilen von China oder in Siebenbürgen. Er geht aber auch gerne in die Berge, „keine 5000er mehr, aber auf gesicherten Klettersteigen in den Julischen Alpen“. Bewegung als Ausgleich zu seiner geistigen Beschäftigung war ihm stets wichtig, er mag aber auch Kunst und klassische Musik. Doch über allem, sagt er, steht immer seine positive Grundeinstellung zum Leben. „Ich bin Optimist und werde wahrscheinlich sogar optimistisch sterben.“ Bis dahin hat er aber noch viel zu tun.

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