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Coverstory

Mayr und Greifeneder: Zwei Fremde im Zug

Die ÖBB und der MANZ Verlag stifteten eine Arbeitsbeziehung, aus der eine enge Freundschaft wurde: Als Schriftleiter der Zeitschrift ÖZPR und Tagungsleiter der Jahrestagung Pflege & Recht arbeiten Klaus Mayr und Martin Greifeneder seit vielen Jahren zusammen.
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Redaktion
Reinhard Ebner
Datum
02. Juni 2025

Patricia Highsmiths Nervenzerfetzer „Strangers on a Train“ ist als „Zwei Fremde im Zug“ ins Deutsche übersetzt. In gewisser Weise trifft dieser Titel auf die Anfänge der Zusammenarbeit der PflegerechtsexpertenMartin Greifeneder und Klaus Mayr zu – auch wenn das, was folgte, im Gegensatz zur Romanhandlung durchwegs unblutig, dafür aber umso produktiver und harmonischer ablief.

„2010 sind wir am Weg zum MANZ-Autorenabend zufällig im Zug zusammengetroffen“, erzählt Greifeneder. Der Arbeits- und Sozialrichter am Landesgericht war in Wels, AK-Rechtsreferent Klaus Mayr in Linz zugestiegen. Auf den 155 Bahnkilometern zwischen Linz und Wien Hauptbahnhof entwickelten sie das Grundkonzept für ein Seminar zum Pflegerecht. Greifeneder: „Als mich Verlagsleiter Heinz Korntner kurz darauf fragte, ob ich die Schriftleitung einer Zeitschrift für Pflegerecht übernehmen könnte, sagte ich: ,Wenn, dann nur mit Klaus Mayr.‘“

„2010 trafen wir uns zufällig im Zug – am Weg zum MANZ Autorenabend. Daraus entwickelten sich eine fachliche Zusammenarbeit und eine enge Freundschaft.“
MARTIN GREIFENEDER, LANDESGERICHT WELS

Die Anfänge der Zeitschrift für Pflegerecht

Die „Österreichische Zeitschrift für Pflegerecht“ (ÖZPR) erschien noch 2010. 2011 fand die erste Jahrestagung Pflege & Recht in Linz statt. Später kamen Graz und Wien, vor drei Jahren trat Innsbruck als vierter Standort hinzu.

2025 wird die zwischen Mitte Mai und Ende Oktober stattfindende Jahrestagung besonders spannend, da aufgrund einer neuen Regierungskonstellation so manches im Fluss ist. Mit „Problemen der Schwerarbeit in der Pflege“ befasst sich Greifeneder, das „Arbeitsrecht in der täglichen Praxis“ bespricht Mayr.

Ende April gab Sozialministerin Korinna Schumann im Rahmen einer Pressekonferenz überraschend bekannt, die Pflegekräfte in die Schwerarbeitsverordnung aufnehmen zu wollen. Mit 1. Jänner 2026 soll die neue Regelung in Kraft treten. Für Mayr steht fest: Die derzeit noch gültige Regelung stellt eine arbeitsrechtliche Benachteiligung der Pflegekräfte dar. „Das trägt dazu bei, dass der Beruf für potenzielle Neueinsteiger:innen weniger attraktiv wirkt und dass Pflegekräfte ausbrennen oder aussteigen.“

„Bei der Schwerarbeitsregelung wird die Pflege benachteiligt. Das macht den Beruf weniger attraktiv und trägt dazu bei, dass Pflegekräfte ausbrennen oder aussteigen.“
KLAUS MAYR, AK OÖ

Von Schwerarbeits-VO zu KI in der Pflege

Am Puls der Zeit sind auch die weiteren Tagungsthemen: Um Chancen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven von KI-Anwendungen in der Pflege geht es im Vortrag von Arbeiterkammerreferent Dominik Freynhofer. 

Einen zentralen Themenblock der Tagung bildet ebenfalls aus berufsrechtlicher Sicht das GuKG, die vorläufig letzte Novelle erfolgte 2024. Im Zuge dessen stellt Meinhild Hausreither, Sektionsleiterin im Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, die Frage, welche Impulse das Medizinisch-Technische-Dienste-Gesetz (MTDG 2024) künftigen Novellierungen des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes geben könnte.
 

Diplomierte Pfleger:innen als Autor:innen

Praxisorientierung und thematische Breite sind auch das Erfolgsrezept der ÖZPR. „Die Zeitschrift zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht rein rechtswissenschaftlich orientiert ist, sondern allgemein verständliche Beiträge für die in der Pflege Tätigen versammelt“, so Greifeneder.

Unter den Autor:innen sind Expert:innen für die jeweiligen Fachgebiete. Auf die Einbindung unterschiedlicher Interessen und Meinungen wird geachtet. Mayr: „Persönlichkeiten aus den Universitäten, von den Gerichten oder aus der öffentlichen Verwaltung kommen gleichermaßen zu Wort.“ Mit Michaela Schweighofer und Christian Gepart sind sogar zwei diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger:innen vertreten, die heute als Rechtsmittelrichterin am Landesgericht Linz bzw als Rechtsanwalt in Wien tätig sind.

Ein optisches Redesign der traditionsreichen Zeitschrift steht nach nunmehr 15 Jahren bevor. Auch inhaltlich wollen Greifeneder und Mayr an dem einen oder anderen Schräubchen drehen: „Wir wollen neue Beitragsformen wie Kommentare in die ÖZPR aufnehmen“, gibt Greifeneder einen Ausblick. An bewährten Tugenden wird man festhalten: „Die Zeitschrift für Pflegerecht hat eine sehr treue Leserschaft.“

Bearbeitete und stark gekürzte Fassung der Coverstory aus der Zeitschrift RECHTaktuell. Mehr über KI-Anwendungen in der Pflege und über die Publikationen von Martin Greifeneder und Klaus Mayer lesen Sie im vollständigen Artikel der Printausgabe (hier auch als ePaper verfügbar). Die ÖZPR können Sie im MANZ-Webshop abonnieren, dort können Sie sich auch zu den Veranstaltungen der MANZ Rechtsakademie anmelden.

RECHTaktuell 03/2025