Gute Arbeit
Das Forscher-Gen wurde Elias Felten mitgegeben. Die Eltern gruben nach Zeugnissen der Vergangenheit an den historischen Stätten Griechenlands. Der Sohn beforscht das österreichische und europäische Arbeits- und Sozialrecht.
Abenteuerlich darf man sich die Sommer der Kindheit des Elias Felten vorstellen. Der Vater, Florens Felten, war ordentlicher Professor für Klassische Archäologie an der Universität Salzburg. Auch die griechischstämmige Mutter, Vassiliki Felten, arbeitete als Archäologin.
Einen Teil ihrer Sommer brachten die beiden mit Ausgrabungen auf der Insel Ägina zu. „Ich verbrachte diese Wochen bei meiner Tante am Meer“, erinnert sich Felten. Bis heute trifft sich die Großfamilie in einem Ferienhaus in Griechenland. Mittlerweile nimmt der Sohn die eigenen Kinder dorthin mit.
„Ich liebe den Süden und die mediterrane Lebenskultur.“ Manchmal nehmen Elias Felten, seine Frau und die beiden Kinder die Fähre nach Griechenland. „Damit wir vorher noch den Norden Italiens bereisen können.“
Von der Altphilologie zur Juristerei
Dort, in Bologna, verbrachte der Jurist ein Auslandsjahr während seines Studiums – in einer Wohngemeinschaft mit sieben einheimischen Studenten. Quasi ein Crashkurs in Sachen Italienisch. „Mittlerweile sind diese Sprachkenntnisse ein wenig eingerostet, aber ich komme noch zurecht.“
„Zwischen der Beschäftigung mit Sprache und der Befassung mit dem Recht gibt es Überschneidungen“, befindet Felten. Schon in der Schule zeigte er besonderes Interesse für klassische Sprachen wie Altgriechisch und Latein.
Den Rat, „etwas Vernünftiges“ zu lernen, beherzigte er, indem er das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Salzburg mit dem Studium der Altphilologie verband. Letzteres schloss er mit einem Bachelor ab, die Rechtswissenschaften begleiteten ihn durch eine akademische Karriere. Wobei nebst den Vernunftargumenten auch das erwachende Interesse für die Juristerei sprach. „Mir gefällt der systematische Zugang.“
Bald vertiefte er sich ins Arbeitsrecht, ein Bereich, in dem sich aus seiner Sicht wissenschaftlicher Forschergeist mit sozialer Verantwortung verbinden lässt. „Der Schutz des Schwächeren ist dem Arbeits- und Sozialrecht immanent.“
„Der Schutz des Schwächeren ist dem Arbeits- und Sozialrecht immanent.“
ELIAS FELTEN
Beschäftigung mit der Sozialpartnerschaft
Gefördert wurde der junge Student vom damaligen Vizerektor Rudolf Mosler. Dieser betreute die Diplomarbeit und später die in Buchform erschienene Dissertation. Felten wurde in dieser Zeit Studienassistent am Fachbereich Arbeits- und Wirtschaftsrecht der Universität.
Die mit dem Kardinal-Innitzer- und dem Kurt-Zopf-Förderpreis ausgezeichnete Habilitationsschrift erschien bei MANZ unter dem Titel „Koalitionsfreiheit und Arbeitsverfassungsgesetz“. Sie beschäftigte sich mit dem Kollektivvertragswesen unter dem Lichte der Sozialpartnerschaft.
„Mit diesem konsensorientierten System hat Österreich ein Alleinstellungsmerkmal in Europa.“ Aktuell steht es unter Druck. Dennoch habe es seine Berechtigung: „Die Mechanismen werden komplexer, die Interessen vielfältiger. In Zukunft braucht es die Sozialpartnerschaft damit vielleicht sogar mehr denn je.“
Seit 2024 ist Felten nebst seinem Wirken als Universitätsprofessor für Arbeitsrecht und Sozialrecht auch Vizerektor für Personal in Salzburg. Innerhalb der Österreichischen Universitätenkonferenz uniko ist er für Personal, Gleichstellung und Diversität zuständig.
Damit ist er nun selbst Partner bei Kollektivverhandlungen. Hinzu kommen vielfältige Managementaufgaben durch das Vizerektorat. „Leider habe ich nun weniger Zeit für die Wissenschaft. Auf der anderen Seite finde ich es spannend, die Früchte meiner wissenschaftlichen Betätigung in die Praxis einzubringen.“
Neuer Player im Arbeitsrecht
Seine Expertise stellt der Universitätsprofessor der Europäischen Kommission als unabhängiger Rechtsexperte im Rahmen von MoveS zur Verfügung. Das Forschungsnetzwerk beschäftigt sich mit Rechtsfragen der Arbeitnehmerfreizügigkeit und der europäischen Sozialrechtskoordinierung.
Die MoveS-Expert:innen kommen zu einer jährlichen Konferenz in Brüssel sowie zu themenspezifischen Veranstaltungen zusammen. Ein Treffen des Europäischen Gewerkschaftsbunds führte den Salzburger Universitätsprofessor so im Mai nach Vilnius. Thema: die Auswirkungen der KI auf das Arbeitsrecht.
Neue Erkenntnisse verspricht das interuniversitäre und interdisziplinäre Forschungsprojekt „Gute Arbeit“, das bis Jahresmitte läuft. Die Projektleitung liegt bei Felten sowie bei den Universitätsprofessorinnen Astrid Reichel und Susanne Pernicka.
„Das Projekt führt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Salzburg und Linz aus Betriebswirtschaft, Wirtschaftssoziologie und Arbeitsrecht zusammen.“ Es geht um globale Leitbilder guter Arbeit in der organisatorischen und betrieblichen Praxis.
Als Beispiel nennt der Projektleiter die Auswirkungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf die Arbeitsbedingungen. „Mit der Wirtschaftsberatung sowie mit Audit- und Zertifizierungsstellen kommen Player abseits der Gewerkschaften ins Spiel. Die Karten werden neu gemischt.“
Sämtliche Titel von Stephan Korinek können Sie im MANZ Webshop bestellen.
Publikationen von Elias Felten