Wolfgang Pichler über 40 Jahre RDB
Wolfgang Pichler – Von Rexgummi bis KI
2026 begeht die RDB Rechtsdatenbank ihren 40. Geburtstag. Als Verlagsleiter erlebte der heutige Senior Advisor Wolfgang Pichler die Entwicklungen hautnah mit – von den Anfängen mit Akustikkoppler und Rexgummi bis zur KI-unterstützten Recherche.
Was waren in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre die großen Herausforderungen aus Kundensicht?
Das Nutzungserlebnis innerhalb der Rechtsdatenbank funktionierte immer schon intuitiv. Die Herausforderung bestand in erster Linie darin, hineinzukommen in die RDB.
Wir sprechen über eine Zeit, in der es weder Internet noch Computernetzwerke gab in den Unternehmen. Man wählte sich über die Nebenstellenanlage in die RDB ein. Daraufhin ertönte ein Pfeifton, wie man ihn von Faxgeräten kennt, die es im Übrigen auch noch nicht gab.
Dafür gab es einen sogenannten Akustikkoppler. Um die Verbindung herzustellen, musste man diesen nun schnell auf den Telefonhörer pressen und am besten mit einem Rexgummi dort befestigen.
Was hat sich in Ihrer persönlichen juristischen Recherche durch die Rechtsdatenbank verändert?
Ich erinnere mich noch gut an mein Gerichtsjahr am Landesgericht für Zivilrechtssachen. Für Recherchen musste ich in die Bibliothek. Dort galt es dann zu suchen – in Jahresbänden von Zeitschriften oder in Indexbänden wie dem Hohenecker-Index – und die jeweilige Rechtsfrage anhand dieser Fundstücke zu lösen.
Bei der Recherche hat die RDB eine komplett neue Ausgangssituation geschaffen. Damit ermöglichte sie der gesamten Zunft einen gewaltigen Qualitätssprung.
Gab es zu Beginn auch kritische Stimmen?
Ich erinnere mich an die Reaktion des Geschäftsführers einer bekannten mittelständischen Anwaltskanzlei: „Wehe, ihr gebt Begriffe wie ,Eigentum‘ in die RDB-Suche ein!“, warnte er seine Mitarbeitenden.
Schon damals bestand offenbar die Sorge, dass dem Berufsstand durch die Recherche-Unterstützung Wissen verloren gehen könnte. Dasselbe wiederholt sich heute bei der Diskussion rund um künstliche Intelligenz.
Einige Autorinnen und Autoren wiederum fürchteten, die Rechtsdatenbank würde das Ende des traditionellen Verlagswesens bedeuten. Auch das ist nicht eingetreten. Die RDB ist sehr erfolgreich und doch gibt es immer noch eine große Anzahl gedruckter Publikationen.
Wie würden Sie die RDB in einem Satz beschreiben?
Die RDB Rechtsdatenbank ist ein riesiger juristischer Wissensschatz mit der Besonderheit, dass jeder Satz Autorität hat, weil – mit Ausnahme der Dokumente aus öffentlichen Quellen – jeder Satz von einer Autorin oder einem Autor verfasst wurde.
Das vollständige Video-Interview mit Wolfgang Pichler können Sie sich auf unserer Webseite ansehen.
Freuen Sie sich auf mehr Features in unserer 40 Jahre RDB-Reihe, in der wir unserer Rechtsdatenbank zum Jubiläum gratulieren.