MANZ-Noxtua: Start in die europäische KI-Galaxie
Manchmal beginnt eine Erfolgsgeschichte nicht mit einem großen Masterplan, sondern mit einer Idee, etwas Beharrlichkeit – und einer glücklichen Fügung. Der Ursprung von Noxtua liegt in der Wissenschaft: 2017 arbeiteten Leif-Nissen Lundbæk und Michael Huth an der University of Oxford und am Imperial College London an Technologien, die künstliche Intelligenz präziser und vertrauenswürdiger machen sollten.
„Anfangs entwickelten wir ein Tool für die semantische Suche“, schildert Lundbæk. „Die ersten Modelle hatten einen Datenumfang von rund 50 Megabyte und passten locker auf ein Smartphone.“
KI-Compliance im Fokus
Von Beginn weg konzentrierte man sich darauf, die Modelle zu den Daten zu bringen, um dem amerikanischen Ansatz, Daten zu zentralisieren und im großen Stil abzusaugen, etwas entgegenzusetzen. „Damit waren unsere Lösungen besonders für Hochrisiko- und Hoch-Compliance-Anwendungen von Interesse.“
Die erwähnte glückliche Fügung flatterte in Form eines E-Mails der internationalen Rechtsanwaltskanzlei CMS in den virtuellen Postkasten. Für die Kanzlei trainierte das Noxtua-Team eine KI-Anwendung zum Prüfen von Verträgen im Bereich Mergers & Acquisitions.
„Das war kurz bevor OpenAI mit Version 3 von ChatGPT für einen Dammbruch sorgte“, erinnert sich der Noxtua-Geschäftsführer. Dann ging alles sehr schnell: „Plötzlich wollten alle mitmachen. Binnen kürzester Zeit wuchsen wir von zehn auf 1.000 Kunden.“
MANZ als KI-Pionier
Während vielerorts erst seit wenigen Jahren über KI gesprochen wird, reichen die Wurzeln des Themas bei MANZ deutlich weiter zurück: „Schon die Diplomarbeit meines Bruders Andreas Stein von 2004 widmete sich der Ontologie in der Informatik als Grundlage für künstliche Intelligenz“, erzählt die geschäftsführende MANZ-Gesellschafterin Susanne Stein-Pressl.
2017 startete man einen ersten Anlauf gemeinsam mit der Universität Graz, künstliche Intelligenz für die RDB Rechtsdatenbank nutzbar zu machen. „Mit den Ergebnissen waren wir zwar noch nicht zufrieden, aber wir haben danach nicht mehr locker gelassen.“
Von MANZ Genjus KI zu MANZ-Noxtua
Dieses Durchhaltevermögen zahlte sich aus. 2023 wurde eine semantische Suche innerhalb der RDB Rechtsdatenbank eingeführt. Der nächste Schritt: der Launch von MANZ Genjus KI nach umfangreichen Beta-Tests im Jahr 2025.
Ein Testlauf ging auch dem Start von MANZ-Noxtua voraus. MANZ erweitert damit sein KI-Portfolio um einen Legal AI Workspace für Rechtsanwender:innen. „Wir geben Jurist:innen, Institutionen und Unternehmen ein Werkzeug an die Hand, das deren Effizienz drastisch steigert und dabei die Einhaltung höchster Qualitäts- und Sicherheitsstandards garantiert.“
„„Durch die Kooperation mit MANZ findet unsere wegweisende KI-Technologie für den Rechtsbereich mit 177 Jahren juristischer Fachkompetenz zusammen.“
LEIF-NISSEN LUNDBÆK, NOXTUA
Recherchieren, Schreiben, Prüfen
Für Lundbæk stehen drei zentrale Anwendungsbereiche im Mittelpunkt: „Erstens die Rechtsrecherche, zweitens Schriftsätze, Verträge und Gutachten schreiben sowie drittens juristische Dokumente prüfen.“ Im Arbeitsalltag verschwimmen diese Bereiche oft miteinander. Wer einen Vertrag überprüft, recherchiert gleichzeitig Rechtsfragen, analysiert Risiken und formuliert Verbesserungsvorschläge. Genau hier entfaltet die KI ihr volles Potenzial.
Darüber hinaus unterstützt die Plattform auch komplexe Aufgaben wie Matrixanalysen großer Dokumentenbestände oder mehrstufige juristische Workflows. Genutzt wird der Legal AI Workspace bequem über den Browser. Ergänzend stehen Add-ins für Word und Outlook zur Verfügung.
„Mit MANZ-Noxtua setzen wir ein klares Zeichen für digitale Souveränität in Europa und für juristische Qualität.“
SUSANNE STEIN-PRESSL, MANZ
Europäische KI-Lösung
Ein gewichtiges Argument: Bei MANZ-Noxtua handelt es sich um eine durchgängig europäische Lösung, die hohen Anforderungen an Datenschutz, Datensicherheit und Vertraulichkeit gerecht wird. „Unsere Rechenzentren befinden sich in Berlin, München und Magdeburg. Ein weiteres entsteht zurzeit in Wien“, so Lundbæk.
Noxtua erfüllt die berufsrechtlichen, strafrechtlichen und datenschutzrechtlichen Anforderungen an den Anwaltsberuf. Und das System ist vielfach zertifiziert, unter anderem gemäß ISO 27001 (Informationssicherheits-Managementsysteme), ISO 42001 (KI-Managementsysteme) und BSI C5 (Cloud Computing Compliance Criteria Catalogue des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik).
Europäisches Wissensnetzwerk
Besonders relevant für Rechtsanwender:innen: Das speziell für den juristischen Bedarf entwickelte KI-Modell greift auf urheberrechtlich geschützte Fachinhalte des MANZ Verlags und weiterer Partnerverlage zurück. Hinzukommen öffentlich zugängliche Rechtsquellen wie das Rechtsinformationssystem RIS, die europäische Datenbank EUR-Lex und die Finanzdokumentation (Findok).
Die Vision von Noxtua endet nicht an Landesgrenzen. Gemeinsam mit führenden Rechtsverlagen entsteht Schritt für Schritt ein europaweites Wissensnetzwerk. Nebst C.H.BECK in Deutschland und Helbing Lichtenhahn in der Schweiz unterhält Noxtua als Technologiepartner Kooperationen mit führenden Rechtsverlagen in ganz Europa.
100 Millionen Dokumente
Für Rechtsanwender:innen bedeutet das einen erheblichen Mehrwert: Mit nur einer (Europa-)Lizenz kann für grenzüberschreitendes Recherchieren und Analysieren sowie zur Dokumentenerstellung auf mehrere europäische Jurisdiktionen und auf den Publikationsschatz der jeweiligen Verlage zurückgegriffen werden. Europas größte Rechtsdatenbank, die Noxtua so gemeinsam mit den Fachverlagen zusammenstellt, umfasst schon jetzt mehr als 100 Millionen Dokumente.
Erweitert wird nicht nur der Content. In regelmäßigen Abständen werden neue Features live geschalten. Gleichzeitig bleibt ein Gedanke erhalten, der Noxtua schon in den Anfangsjahren geprägt hat: Unternehmen und Kanzleien können ihre eigenen Dokumente mit Verlagsinhalten und öffentlichen Rechtsquellen verknüpfen und so eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Wissensbasis schaffen.
Bearbeitete und stark gekürzte Fassung der Coverstory aus der Zeitschrift RECHTaktuell. Mehr über neue Kooperationen und bevorstehende Erweiterungen bei MANZ-Noxtua lesen Sie im vollständigen Artikel der Printausgabe (hier auch als ePaper verfügbar). Über die einzigartigen Möglichkeiten des Legal AI Workspace von MANZ und Noxtua können Sie sich auf der MANZ-Website informieren.