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Coverstory

40 Jahre RDB: Vom Pfeifen des Modems zur KI

Ein Computer lief über Wochen. Niemand durfte ihn berühren. Ein falscher Handgriff – und Monate Arbeit waren verloren. Dann passierte es: Die Putzkraft blieb am Kabel hängen. Was heute wie Kabarett klingt, war damals Alltag in der Entwicklung der Rechtsdatenbank.
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Redaktion
Reinhard Ebner
Datum
01. Juni 2026

Alles begann im Jahr 1986. Während Computer noch Spezialgeräte waren und das Internet praktisch nicht existierte, entstand in Österreich eine Vision: juristische Information digital zugänglich zu machen. Zu den zentralen Köpfen dieser Idee zählten Dr. Anton Hilscher und Dkfm. Franz Stein, beide Geschäftsführer der MANZ’schen Verlags- und Universitätsbuchhandlung. Gemeinsam mit dem Verlag ORAC, der Girozentrale sowie Fachleuten gelang es ihnen, die wichtigsten Akteure der Branche an einen Tisch zu bringen. Mit rund 25 Mio. Schilling wurde der Grundstein gelegt. Die RDB trat als eines der ersten Online-Unternehmen Österreichs auf. Ihr Anspruch: eine juristische Plattform von Expert:innen für Expert:innen.


Datenaufbereitung von Hand

Die Vision hinter der RDB war jedenfalls klar: Man sprach von einer „elektronischen Buchhandlung“. Erst Jahre später entwickelte sich daraus die „digitale Bibliothek“. Der Weg dorthin war jedoch alles andere als digital: Die Inhalte existierten ausschließlich in gedruckter Form. Sie mussten gescannt, korrigiert und strukturiert werden. Bücher wurden aufgeschnitten, Fehler aus der Texterkennung mühsam von Hand bereinigt. Für Anita Nosko war das Alltag. 

„Am 15. Juni 1986 begann ich – für ein halbes Jahr befristet – für die RDB zu arbeiten. Daraus wurden 40 Jahre.“ 

ANITA NOSKO, MANZ

Anfangs wurde die Datenaufbereitung im Schichtbetrieb vorgenommen. „Schon im ersten Jahr des Bestehens gab es die ersten Testkunden. Es galt daher, rasch für Content zu sorgen.“ Die Tätigkeit war damals äußerst personalintensiv. Und heute? Die Jurist:innen Sabine Valencak und Claus Sedlacek erstellen unter anderem aus hunderten Quellen, die in einer Vielzahl von unterschiedlichen Formaten in der Produktion einlangen, einen einheitlichen XML-Vorbestand, der in der Folge weiterverarbeitet wird, wie Valencak erklärt. Die Konvertierungsprogramme dafür schreiben die beiden Produktionsmitarbeitenden zum Teil selbst. Die Quellen werden – mittlerweile weitgehend automatisiert – in ihre Einzeldokumente zerlegt und mit Metadaten versehen. Sedlacek: „Bei Sammlungen können das unter Umständen tausende Dokumente sein.“ In den 1990er-Jahren gewann RDB am Markt deutlich an Bedeutung. Gleichzeitig entwickelte sich die Datenbank kontinuierlich weiter – technisch wie inhaltlich. Mit der notwendigen Neuausrichtung der RDB wurde die damalige Geschäftsführerin Dr. Kristin Hanusch-Linser betraut.


Moderne Recherche

Bereits 2002 folgte mit dem neuen RDB-Portal ein entscheidender technologischer Schritt. Es brachte eine moderne Suchmaschine und deutlich erweiterte Recherchefunktionen. Entwickelt wurde diese Grundlage maßgeblich von Onlaw (heute MANZ Solutions), einem auf Rechtsinformation spezialisierten Technologieanbieter. Mit Onlaw entstand auch eine neue Entwicklungskultur für Software in der Unternehmensgruppe. Menschen wie Stefan Binder, Stefan Kopetzky, Philipp Hanusch und viele mehr standen für eine Phase, in der juristisches Fachwissen und technische Umsetzung eng zusammenwuchsen. „Bei Onlaw herrschte eine klassische Start-up-Kultur“, so Kopetzky.

„Ein Indexierungslauf bei Onlaw konnte monatelang dauern. Pech, wenn die Putzkraft in dieser Zeit übers Kabel stolpert!“ 

STEFAN KOPETZKY, MANZ

Binder ist Jurist mit Zusatzausbildung im Bereich Maschinenbau. Im Rahmen eines Onlaw-Workshops sollten sich die Teilnehmenden bei einer fiktiven Firma bewerben. „Die Bewerbung hat der Workshop-Leiterin so gut gefallen, dass ich gefragt wurde, ob ich nicht im Unternehmen anfangen wolle.“ In der Folge übernahm er immer mehr auch Entwicklungstätigkeiten. Dasselbe galt für das Unternehmen im Zuge von Kauf und Einbindung bei MANZ: „Dienstleister wurden abgelöst und zugekaufte Software-Komponenten durch Eigenentwicklungen ersetzt.“ Viel hat sich seither verändert – auch bei den Kunden selbst, wie Hanusch schildert: „In der Anfangszeit haben wir nicht nur den Datenbankzugang verkauft, sondern dazu auch gleich PC, Bildschirm und Internetzugang, kurz: die gesamte Infrastruktur für die Nutzung der Datenbank.“


Suche mit Qualität

Im Laufe der Zeit verschob sich der Fokus: Nicht mehr der bloße Zugang zu Information stand im Vordergrund, sondern die Qualität der Suche. Parallel dazu wurde das inhaltliche Angebot konsequent erweitert. Bereits 2005 ging mit der MANZ Online-Bibliothek ein weiterer zentraler Baustein online. Gleichzeitig blieb die RDB bis 2010 ein eigenständiges Unternehmen. Erst mit der Verschmelzung in die MANZ’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung wurde das Nebeneinander bewusst als Strategie verstanden. Begleitet und weiterentwickelt wurde die RDB durch Produktmanager wie Reinhard Bradatsch und später Alexander Feldinger. Sie sorgen dafür, dass inhaltliche Anforderungen, technische Möglichkeiten und Nutzerbedürfnisse zusammengeführt werden. Seit 2023 ergänzt eine semantische Suche die klassische Recherche. Parallel dazu entstand mit MANZ Genjus KI ein eigenständiges Produkt auf Basis generativer KI. Damit rücken zunehmend Anwendungen in den Vordergrund, die Inhalte einordnen, verknüpfen und in einen unmittelbaren Zusammenhang bringen. In dieser Dynamik in die Zukunft zu blicken, gleicht fast einem Blick in die Glaskugel. Sicher ist nur: Die Art und Weise, wie juristische Informationen gefunden, miteinander verknüpft und genutzt werden, verändert sich durch KI derzeit grundlegend – und dies deutlich schneller, als wir es von früheren technologischen Umbrüchen kennen.

Heute ist juristische Information jederzeit verfügbar. Für viele Anwender:innen  ist kaum vorstellbar, was Recherche einst alles bedeutete. Dass man sich einwählen musste. Dass man hören konnte, wie eine Verbindung entsteht. Und doch ist genau aus dieser Welt heraus entstanden, was die RDB heute ausmacht: Nicht die Technologie ist die Konstante. Sondern der Anspruch, juristische Information verlässlich zugänglich zu machen. Und die Menschen, die das möglich machen – ebenso wie jene, die dieses Angebot tagtäglich in ihrer Arbeit nutzen.

Bearbeiteter Beitrag aus der Printausgabe der Zeitschrift RECHTaktuell – hier im ePaper nachzulesen. Video-Interviews zu 40 Jahre RDB finden Sie auf unserer Webseite.

RECHTaktuell 02/2026