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Gedanken zu Chancen und Risiken

Es ist mit KI gelungen, eine leicht verständliche Erklärung des Artificial Intelligence Act mit zahlreichen Beispielen zu verfassen.

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Zankl, SFU Wien | Berlin

„Für einen Fachverlag stellt sich nicht die Frage, ob KI das Publizieren verändert – sondern wie wir diese Veränderung aktiv gestalten. Wer juristisches Wissen publiziert, muss verstehen, wie es künftig entsteht.“

Peter Guggenberger, Geschäftsführer MANZ

Die KI-Verordnung (EU-Verordnung über künstliche Intelligenz = Artificial Intelligence Act) gilt in allen EU-Mitgliedsstaaten, und zwar auch für alle internationalen Anbieter, soweit deren KI-Plattformen in der EU abrufbar sind. Der Rechtsakt ist insofern ein Meilenstein, als er die weltweit bisher umfangreichste Regulierung dieser Materie darstellt. Die Komplexität und die Technologielastigkeit künstlicher Intelligenz (KI) haben allerdings dazu geführt, dass viele Bestimmungen selbst für erfahrene Jurist:innen nur schwer nachvollziehbar sind. Dies hat den Herausgeber auf die Idee gebracht, eine Darstellung zu konzipieren, die auch für Laien oder juristische KI-Einsteiger:innen leicht verständlich ist. Da ChatGPT mittlerweile weit schneller und besser als die meisten Fachleute textieren kann und auch rechtlich mittlerweile so gut ist, dass das Programm bei der US-amerikanischen Rechtsanwaltsprüfung (Bar Exam) in der Version 4.0 besser abgeschnitten hat als 90% der menschlichen Kandidat:innen, lag es nahe, ChatGPT (nun in der aktuellen und noch stärkeren Version 5) dafür heranzuziehen. Und in der Tat ist es damit – soweit ersichtlich – erstmals gelungen, eine gesamte Erläuterung der KI-Verordnung auf diese Weise generieren zu lassen. Dies allerdings nicht durch einfachen Mausklick mit dem Befehl „verfasse eine Darstellung der KI-Verordnung in verständlicher Sprache“, sondern auf der Basis intensiver Vorarbeiten, insbesondere in Bezug auf die Strukturierung, das Sprachniveau und die Entwicklung juristisch präziser Befehlsvorgaben an das Programm.

Auf diesem Wege ist es mit verschiedenen Abstimmungsprozessen gelungen, den Text – in ca einem Viertel der Zeit, die ein herkömmliches Werk dieses Umfangs benötigt hätte – rein KI-generiert zu erstellen. Soweit bei Plausibilitätskontrollen (nur solche wurden durchgeführt) Ungenauigkeiten oder – sehr vereinzelt – Unrichtigkeiten aufgefallen sind, wurde dies nicht manuell korrigiert, sondern das Programm aufgefordert, durch Neutextierung Klarheit bzw Richtigkeit zu schaffen. Sohin ist tatsächlich der gesamte Kommentartext von ChatGPT.

Bemerkenswert ist dabei auch, dass das berühmt-berüchtigte Halluzinieren nicht zum Tragen kam. Dies ist wohl vor allem darauf zurückzuführen, dass ChatGPT die Vorgabe hatte, als Quellen keine Gerichtsentscheidungen und Fachbeiträge zu verwenden (die manchmal fehlinterpretiert oder erfunden werden, also Folge einer Halluzination sind), sondern ausschließlich die Erwägungsgründe der jeweiligen Artikel (das sind Erläuterungen des Europäischen Parlaments) und die sog Leitlinien (das sind Auslegungsempfehlungen der Europäischen Kommission). Trotz oder gerade wegen dieser Reduktion ist es gelungen, mit KI eine leicht verständliche Erklärung des Artificial Intelligence Act mit zahlreichen Beispielen zu verfassen.

Dies bringt auch die Bezeichnung „Smart.Recht“ zum Ausdruck: es handelt sich um ein Werk, das in verständlicher Sprache Laien und nichtspezialisierten Jurist:innen einen einfachen und cleveren Zugang zur komplexen Materie des KI-Rechts gewährt. 

Von Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Zankl, Vorstand des Instituts für digitale Transformation und künstliche Intelligenz der SFU Wien | Berlin 

Die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz stellt unsere Gesellschaft vor große Chancen – und ebenso große Herausforderungen. Mit der KI-Verordnung wird erstmals ein umfassender Rechtsrahmen für den Einsatz künstlicher Intelligenz geschaffen. Ziel ist es, Innovation zu ermöglichen und zugleich Schutzmechanismen für Menschen und Gesellschaft vorzusehen. Die Verordnung adressiert Risiken, setzt Mindeststandards und trägt so dazu bei, das Vertrauen in KI zu stärken.

Doch Regulierung allein genügt nicht: Entscheidend ist, dass die Regeln und ihre Bedeutung für alle Menschen verständlich und zugänglich werden. Genau hier setzt das vorliegende Werk an. Was es so besonders macht: Es wurde vollständig mit Hilfe von generativer KI erstellt – und zwar in einer Sprache, die auch für Nicht-Jurist:innen, für Laien und Einsteiger:innen nachvollziehbar ist. Damit wird ein Meilenstein gesetzt: Komplexe juristische Materie wird für die breite Gesellschaft geöffnet, Barrieren werden abgebaut, Inklusion und Fairness werden nicht nur gefordert, sondern praktisch umgesetzt.

Dieses Werk ist mehr als ein Text zur KI-Verordnung. Es ist ein Signal: KI kann und muss so gestaltet werden, dass sie allen Menschen Zugang zu Wissen, Teilhabe und Verständnis ermöglicht. Das ist nicht nur für die Rechtswissenschaft, sondern für unsere gesamte Gesellschaft von unschätzbarem Wert.

Von DI Harald Leitenmüller, Chief Technology Officer, Microsoft Österreich

Von der Demokratisierung des Rechts durch KI zu sprechen, ist ein sicherlich provokanter aber durchaus ernst gemeinter Ansatz, über den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Bereich des Rechts zu diskutieren. Es geht dabei darum, über die Chancen und Risiken, die der Einsatz von KI für die Zugänglichkeit und Verständlichkeit und damit auch die Fairness des Rechtssystems in einer rechtsstaatlichen demokratischen Gesellschaft mit sich bringt, ein erstes Bild zu bekommen.

Heute, wo wir immer mehr Details gesetzlich sowohl national, aber auch auf europäischer Ebene festlegen, wir also mit Fug und Recht von einer wahren Regelungsflut sprechen können, die zudem immer komplexer wird und damit für viele auch inhaltlich nur mehr schwer zugänglich ist, müssen wir davon ausgehen, dass auch die demokratische Teilhabe der Normunterworfenen einer großen Herausforderung unterliegt. Je mehr wir regeln und je weniger davon verstehen oder überhaupt wissen, desto größer ist das Risiko, dass rechtsstaatliche Prinzipien und Grundrechte unter Berufung auf das Recht ausgehöhlt werden. Denn nur, wenn die, für die Gesetze geschaffen werden, diese auch verstehen, kann das intendierte Gesetzesziel auch erreicht werden. Nur wenn das Gesetzesziel verstanden wird, kann es im demokratischen Prozess auch einer kritischen Überprüfung unterzogen werden. KI hat das Potential, zu helfen, Recht zugänglicher, transparenter und effizienter zu machen und damit grundlegend zu einer Demokratisierung des Rechts beizutragen. Dabei ist immer auch auf mit einem solchen Einsatz verbundene gravierende Risiken zu achten, die zu regulieren sind.

Mit diesem nun vorliegenden vollständig KI-generierten Werk zur KI-Verordnung haben Wolfgang Zankl und sein Team an der SFU aber deutlich gemacht, welche Möglichkeiten uns durch KI im Recht heute schon zur Verfügung stehen. Vor allem wenn es darum geht, an sich sperrigen und komplexen Textbestand auf den Punkt zu bringen und für alle interessierten Leser:innen verständlich zu strukturieren.

Von Dr. Klaus Steinmaurer, Leiter der österreichischen KI-Servicestelle

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Art, wie Texte entstehen. Sie verändert auch die Rahmenbedingungen wissenschaftlichen Publizierens. Neue technische Möglichkeiten werfen grundlegende Fragen auf:

  • Wie entstehen juristische Werke in Zukunft?
  • Welche Rolle spielt Autorschaft, wenn KI bei der Erstellung von Texten mitwirkt?
  • Welche Aufgabe hat ein Fachverlag in einer Welt, in der Inhalte zunehmend automatisiert erzeugt werden?

Als juristischer Fachverlag lebt MANZ traditionell von der Zusammenarbeit mit Autor:innen und von den Verwertungsrechten ihrer Werke. Wenn sich die Art des Publizierens verändert, betrifft das daher auch unmittelbar das verlegerische Geschäftsmodell.

Mit diesem Pilotprojekt möchte MANZ gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Zankl erkunden, welche Möglichkeiten und Grenzen KI‑gestütztes Publizieren im Recht hat – und welche Rolle Autorenschaft und Verlag dabei künftig einnehmen.

Pilotprojekt: KI‑gestütztes Publizieren im Recht
Künstliche Intelligenz kann bereits heute große Mengen juristischer Texte analysieren, strukturieren und aufbereiten. In diesem Projekt wird gezeigt, wie diese technischen Möglichkeiten sinnvoll in den wissenschaftlichen Arbeitsprozess integriert werden können.

  • Analyse von Normtexten
  • Strukturierung komplexer Regelwerke
  • systematische Aufbereitung juristischer Inhalte

Die juristische Bewertung und Verantwortung bleiben jedoch bei den Autor:innen.

Autorschaft im Zeitalter künstlicher Intelligenz
Autor:innen bringen Erfahrung, Fachwissen und wissenschaftliche Sorgfalt ein. Sie wählen relevante Quellen aus, strukturieren komplexe Inhalte und ordnen rechtliche Entwicklungen ein.

In diesem Sinne bleiben sie Instanzen juristischer Expertise.

Die Rolle des Verlags
Fachverlage bündeln Expertise, sichern Qualität und stellen Wissen in einen verlässlichen Kontext. Der Verlag verbindet Autorinnen und Autoren mit hoher fachlicher Kompetenz und schafft Orientierung in einer zunehmend komplexen Informationslandschaft.

Leitgedanke des Projekts
KI verändert das Publizieren.
Autor:innen bleiben Instanzen juristischer Expertise.
Der Verlag bündelt diese Expertise und steht für Vertrauen – als „Source of Trust“.

Von Peter Guggenberger, Geschäftsführung MANZ Verlag

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