Prüfung nicht geschafft? So gehst du mental stark in den nächsten Anlauf
Du hast deine Prüfung zurückbekommen und die Punktzahl liegt deutlich unter deinen Erwartungen? Zunächst einmal: Damit bist du nicht allein. Schwierige Ergebnisse in Prüfungen oder Übungsarbeiten gehören zu den größten Stressfaktoren im Jus-Studium und lösen bei vielen Studierenden Frust, Selbstzweifel oder Versagensängste aus.
Entscheidend ist jedoch nicht die Note selbst, sondern wie du im nächsten Schritt damit umgehst.
1. Der mentale Hebel: Vom statischen zum dynamischen Selbstbild
Ein häufiger Fehler nach einer schlechten Note liegt in der Annahme, dass juristische Prüfungen vor allem eine Frage von Talent sind. Wer so denkt, entwickelt ein statisches Selbstbild und sieht jede Note als Beweis für die eigene, vermeintlich fehlende, Begabung.
Hilfreicher ist dieser Zugang: Das Schreiben juristischer Prüfungen ist keine angeborene Fähigkeit, sondern etwas, das sich trainieren lässt. Eine schlechte Note sagt daher nichts über deine Intelligenz aus, sondern zeigt, an welchen konkreten Fähigkeiten du noch gezielter arbeiten kannst.
Dazu zählen insbesondere:
- Strukturierte Sachverhaltsarbeit: den Fall schnell erfassen, relevante Informationen erkennen und sinnvoll ordnen
- Juristische Methodik: konsequent Falllösungsschemata befolgen und präzise subsumieren
- Schwerpunktsetzung: Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden und die Zeit gezielt einsetzen
- Zeitmanagement: die Prüfung sinnvoll einteilen und unter Zeitdruck strukturiert arbeiten
2. Akzeptiere die Subjektivität der Korrektur
Es kann mental entlastend sein, sich bewusst zu machen, dass juristische Bewertungen keine exakte Wissenschaft sind. Dieselbe Prüfung kann je nach Prüfer:in unterschiedlich beurteilt werden.
Das bedeutet nicht, dass Noten zufällig sind, aber sie sind immer auch eine Momentaufnahme unter bestimmten Rahmenbedingungen. Es lohnt sich daher, eine Note nicht als endgültiges Urteil über das eigene Können zu verstehen, sondern als eine von vielen Rückmeldungen im Lernprozess.
3. Gezielte Fehleranalyse statt Verdrängen
Nach einer enttäuschenden Prüfung entsteht oft der Wunsch, das Ganze möglichst schnell vergessen zu wollen und sich nicht weiter damit zu beschäftigen. Genau hier liegt aber eine der größten Lernchancen.
Nimm dir bewusst die Zeit und analysiere, wo die Schwierigkeiten lagen:
- Lag es am fehlenden Wissen, etwa weil bestimmte Normen nicht präsent waren?
- Gab es methodische Probleme, etwa bei der Falllösung oder bei der Subsumtion?
- War das Zeitmanagement die eigentliche Herausforderung?
Besonders hilfreich ist es, aus diesen Erkenntnissen konkrete Strategien für zukünftige Prüfungen abzuleiten, etwa:
- Normen im Kontext lesen und nicht nur isoliert zu betrachten
- Schwerpunkte bewusster setzen
- Klare und strukturierte Formulierungen verwenden
Selbst scheinbar kleine Aspekte, wie eine ungenaue Zitierweise oder unklare Satzstrukturen, können sich auf die Bewertung auswirken.
4. Der Neustart: So gehst du in die nächste Prüfung
Um mit mehr Sicherheit in die nächste Prüfung zu gehen, ist es entscheidend, den Fokus neu auszurichten und den Lernprozess bewusst zu gestalten. Dabei hilft es, sich weniger an Noten zu orientieren und stattdessen gezielt an den eigenen Fähigkeiten zu arbeiten.
Ein guter Ansatz ist es, mit klaren, konkreten Trainingszielen zu arbeiten:
- Setze dir für jede Übungsprüfung ein konkretes Ziel: etwa eine strukturierte Falllösung innerhalb eines festen Zeitrahmens (z. B. 45–60 Minuten) zu erarbeiten, Schwerpunkte bewusst zu setzen oder Normen sauber und vollständig zu zitieren
- Nutze Übungsprüfungen als „Diagnose-Tool“: Sie sind kein Urteil über dein Können, sondern eine Möglichkeit, Fehler frühzeitig zu erkennen. Durch eine systematische Analyse kannst du wiederkehrende Muster identifizieren und gezielt verbessern
- Setze auf aktive Lernmethoden: Versuche, Wissen selbstständig abzurufen, anstatt es nur passiv zu lesen. Das fördert das Verständnis und die langfristige Verankerung des Stoffs
Auch der Umgang mit Stress spielt eine wichtige Rolle. Atemübungen oder kurze Entspannungstechniken können helfen, in Prüfungssituationen den Fokus wiederzufinden.
Fazit
Eine schlechte Prüfungsnote ist kein endgültiges Urteil, sondern gibt dir Feedback zu deinem aktuellen Wissensstand. Wenn du Rückschläge als einen Teil des Lernprozesses siehst und gezielt aus ihnen lernst, entwickelst du genau die Fähigkeiten, die im Jusstudium entscheidend sind.
Anders ausgedrückt: Eine schwächere Note ist kein Stoppschild, sondern ein Wegweiser.
Quellen: Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving students’ learning with effective learning techniques: Promising directions from cognitive and educational psychology. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4–58; Dweck, C. S. (2006). Mindset: The new psychology of success. Random House; Hofmann, Y. E., Müller-Hotop, R., Högl, M., Datzer, D., & Razinskas, S. (2021). Resilienz gezielt stärken: Interventionsmöglichkeiten für Hochschulen zur Förderung der akademischen Resilienz ihrer Studierenden – Ein Leitfaden. Bayerisches Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF); Hufeld, C. (2024). Jede Korrektur eine andere Note: Quantitative Untersuchung der Objektivität juristischer Klausurbewertungen. Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft (ZDRW), 59–83; Law School Germany. (2026). Die Remonstration im Jurastudium: Wie du eine fehlerhafte Klausur- oder Hausarbeitsbewertung erfolgreich angreifst; Siemonsen, K., & Stelzer, J. (2025). Prüfungsangst im Studium: Wenn die Angst blockiert: Strategien und Unterstützung bei Prüfungsstress. API Magazin, 6(1).; StudyStunner. (o. D.). Die Fehleranalyse: Unverzichtbar für dein Prädikatsexamen.