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JUS versus Wirtschaftsrecht – Wie beeinflusst juristische Vorbildung die Studienwahl?

 

Jus oder Wirtschaftsrecht? Für viele angehende Studierende ist das eine der ersten großen Entscheidungen und beide Wege haben ihre eigene Anziehungskraft. Während das klassische Jus-Studium nach wie vor als etablierter Weg in die Rechtswissenschaften gilt, zeigen die Zahlen: Auch Wirtschaftsrecht wird zunehmend beliebter (2026: 3022 Bewerber:innen). Als JusHAK-Schülerin hat mich interessiert, was hinter dieser Entwicklung steckt und ob die juristische Vorbildung durch die JusHAK dabei tatsächlich eine Rolle spielt. Für viele gilt sie als ideales Sprungbrett in Richtung Jus. Doch verschafft sie am Ende wirklich einen Vorsprung?

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JUS versus Wirtschaftsrecht – Wie beeinflusst juristische Vorbildung die Studienwahl?
Ein Blogartikel von Angie Pustelnik
Datum
12. August 2026

Mein Alltag an der JusHAK

Als derzeitige JusHAK-Schülerin beschäftige ich mich selbst intensiv mit dieser Frage. Schon als Kind hatte ich den Wunsch, Jus zu studieren – deshalb entschied ich mich vor drei Jahren, meine Ausbildung an einer JusHAK zu beginnen. Dort erwerben wir – neben den klassischen Schulfächern – nicht nur Grundkenntnisse in Denk- und Argumentationsfähigkeit, sondern auch in Ausdrucksvermögen. Im Mittelpunkt stehen außerdem die Förderung von kritischem Denken, Teamarbeit und juristisch lösungsorientiertem Handeln.

Bereits während der Schulzeit kommen wir erstmals mit juristischen Tätigkeiten in Berührung, etwa durch Exkursionen zu Gerichten, Pflichtpraktika oder durch die Bearbeitung juristischer Fallbeispiele. Gleichzeitig erhalten wir im Rechtsunterricht Einblicke in Strafrecht, Zivilrecht und öffentliches Recht. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausbildung sind betriebswirtschaftliche Inhalte wie Unternehmensrechnung, Businesspläne, Übungsfirmen sowie das Arbeiten mit der BMD-Buchhaltungssoftware.

Jus oder Wirtschaftsrecht – wie fällt die Entscheidung?

Spätestens wenn die Studienwahl bevorsteht, stellt sich die Frage: Bleibt Jus die erste Wahl, oder erscheint Wirtschaftsrecht inzwischen attraktiver?

Beide Studiengänge vermitteln eine vollständige juristische Ausbildung. Der Unterschied liegt im Fokus: Während Rechtswissenschaften alle klassischen Rechtsgebiete abdeckt, kombiniert Wirtschaftsrecht die juristischen Kernfächer von Beginn an mit Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und wirtschaftlicher Analyse. Wer sich bereits in der Schule intensiv mit wirtschaftlichen Zusammenhängen auseinandergesetzt hat, findet sich im Wirtschaftsrechtsstudium daher oft besonders gut wieder.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch eine Längsschnittstudie, die darauf hindeutet, dass eine anregende, vielfältige Lernumgebung im Jugendalter später mit einer stärker ausgeprägten Offenheit für Erfahrungen zusammenhängt, also mit der Tendenz, Neues auszuprobieren und sich für viele Themen zu interessieren.

Diese Erkenntnis deckt sich mit meiner eigenen Erfahrung: Durch die Vielzahl an Unterrichtsgegenständen an der JusHAK werden wir laufend mit neuen Themen konfrontiert, die unseren Blick über das klassische juristische Denken hinaus erweitern. Möglicherweise fällt es uns dadurch leichter, auch alternative Bildungswege in Betracht zu ziehen.

Gerade diese breite Ausbildung könnte ein Grund dafür sein, warum die JusHAK ihre Absolvent:innen nicht ausschließlich auf ein klassisches Jusstudium vorbereitet, sondern ebenso auf ein Wirtschaftsrechtsstudium. Der interdisziplinäre Zugang ermöglicht eine fundierte Studienentscheidung, da bereits während der Schulzeit Einblicke in beide Bereiche gewonnen werden. Ein Blick in die Curricula zeigt zudem: Einzelne Inhalte des Einführungsabschnitts im Wirtschaftsrechtsstudium werden bereits an der JusHAK behandelt. Gleichzeitig können Schüler:innen so früh erkennen, ob ihre Interessen tatsächlich im juristischen Bereich liegen, oder sich im Laufe der Ausbildung verschoben haben.

Der Realitätscheck: Interview mit einer Jus-Studentin

Doch wie groß ist der tatsächliche Vorsprung im Studium? Um dieser Frage nachzugehen, habe ich eine Jusstudentin, die zuvor eine AHS besucht hatte, zu ihren Erfahrungen befragt.

Auf die Frage, ob sie zu Studienbeginn einen „Kulturschock" erlebt habe, erzählte sie, dass nahezu alle Inhalte für sie neu gewesen seien, auch viele juristische Fachbegriffe seien ihr anfangs fremd gewesen.

Ich wollte außerdem wissen, in welchen Bereichen sie sich – abgesehen vom Fachwissen – besser vorbereitet gewünscht hätte. An erster Stelle nannte sie Präsentationstechniken und rhetorische Fähigkeiten. Während ihrer Schulzeit an einer AHS habe sie kaum Erfahrung mit Präsentationen und Public Speaking gesammelt und sei deshalb zu Studienbeginn zurückhaltender gewesen. Rückblickend hätte sie sich öfter zu Wort melden und aktiver an Diskussionen beteiligen sollen. Ähnliches beschrieb sie zum Thema Debattieren.

Klar wurde aber auch: Juristische Vorkenntnisse allein garantieren keinen Studienerfolg. Herausforderungen wie wissenschaftliches Arbeiten oder der Umgang mit großen Stoffmengen betreffen alle Studierenden gleichermaßen, unabhängig von der schulischen Vorbildung.

Mein Fazit

Das Wirtschaftsrechtsstudium gewinnt seit Jahren an Popularität, und ich merke selbst, wie meine juristische Vorbildung und die Kombination aus juristischen und wirtschaftlichen Grundlagen meine Studienentscheidung beeinflussen. Einen automatischen Vorsprung verschafft die JusHAK nicht zwingend, aber sie kann den Einstieg in wirtschaftsrechtliche Studiengänge deutlich erleichtern.