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Workstory

"Wir schreiben und publizieren einfach gern."

© Ina Aydogan

Mit dem „Handbuch Epidemierecht“ gelang den AutorInnen Alexander Hiersche, Kerstin Holzinger und Birgit Eibl nichts Geringeres als die erste umfassende und systematische Darstellung des Epidemierechts in Österreich. Recherchiert und geschrieben wurde für das Buch unter den verschärften Bedingungen des österreichweiten Lockdowns.

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Redaktion
Reinhard Ebner
Datum
18. Juni 2020

So entstand das Handbuch Epidemierecht

Krisenerprobt sind die MANZ Autoren Alexander Hiersche, Kerstin Holzinger und Birgit Eibl: Ihr „Handbuch Epidemierecht“ entstand im bundesweiten Lockdown aufgrund von Corona. Die erste umfassende Darstellung des österreichischen Epidemierechts ist dabei topaktuell und berücksichtigt auch die Covid-19-Gesetze.

Nicht alles, was einmal in Recht gegossen wurde, spiegelt den aktuellen Stand der Gesundheitspolitik wider. Als Beispiel nennt MANZ-Fachautor Alexander Hiersche das „Bezeichnen von Häusern“, in denen Krankheitsfälle aufgetreten sind. Diese Maßnahme fand sich bereits in frühneuzeitlichen Pestordnungen. „Das ,Seuchenrecht‘ ist in Österreich ein historisch gewachsenes Flickwerk. Es wäre daher sinnvoll, dieses auf den aktuellen Stand der Wissenschaft und des Rechts zu bringen.“

Global betrachtet sind Infektionskrankheiten eine der häufigsten Todesursachen. Durch den Klimawandel und die internationale Mobilität der Menschen steigt die Wahrscheinlichkeit des Auftretens neuer Krankheiten auch in unseren Breitengraden. Zu einem modernen Infektionskrankheitengesetz gehören daher nach Ansicht Hiersches auch weiterhin Maßnahmen aus dem klassischen Katalog des „Seuchenrechts“. Durch Absonderung und Quarantäne lässt sich die Ausbreitung von Krankheiten eindämmen, für die es noch keine kausale Behandlung gibt.

„Bei der Rückkehr ins Büro hatte ich einen Koffer voller Bücher mit.“
Birgit Eibl, Haslinger / Nagele Rechtsanwälte GmbH

Epidemierecht und Covid-19-Gesetze

Das „Handbuch Epidemierecht“ liefert unter anderem die Diskussionsgrundlage für den politischen Diskurs. In einem historischen Teil werden die Anfänge des Seuchenrechts bis zum Epidemiegesetz von 1913 beleuchtet. Was folgt, ist ein Fleckerlteppich anlassbezogener Gesetze sowie zuletzt der zahlreichen Rechtsakte rund um Covid-19.

Alexander Hiersche ist so wie seine Co-Autorinnen Kerstin Holzinger und Birgit Eibl für die Haslinger / Nagele Rechtsanwälte GmbH tätig. Kern des Handbuchs ist seine Dissertation von 2010. In der Corona-Pandemie ging es nun darum, die Dissertation in ein brandaktuelles Buch zu verwandeln, das die seither beschlossenen Verordnungen und Gesetze beinhaltet. In seinen beiden Kolleginnen fand Hiersche dafür gleichgesinnte Mitstreiterinnen.

„Zum Teil mussten wir sogar unsere Überarbeitungen noch überarbeiten.“
KERSTIN HOLZINGER, HASLINGER / NAGELE RECHTSANWÄLTE GMBH

Schreiben und Recherchieren im Lockdown

„Durch die Beschäftigung meines Kollegen mit der Thematik war die Expertise im Haus von Anfang an vorhanden“, erklärt Kerstin Holzinger. „Wer, wenn nicht wir, wäre daher zum Verfassen eines derartigen Handbuchs in der Lage gewesen? In so kurzer Zeit wohl niemand.“ Als ehemaliger Universitätsassistentin am Institut für öffentliches Recht ist Holzinger das wissenschaftliche Arbeiten vertraut. „Wir alle hier bei Haslinger / Nagele schreiben und publizieren einfach gern!“

Eine besondere Herausforderung war die Arbeit unter den Bedingungen des Lockdowns, berichtet Birgit Eibl. Die Rechtsanwaltsanwärterin war mit den aktuellen Recherchen betraut. „Insbesondere die Verordnungen unterschiedlicher Bezirkshauptmannschaften waren schwer zu bekommen. Viele waren ja zum Zeitpunkt der Recherche schon wieder außer Kraft und online nicht zugänglich. Einsichtnahme vor Ort war aufgrund der Corona-Maßnahmen ebenfalls nicht möglich.“


Arbeiten in Zeiten von Corona

Standardwerke zu relevanten Rechtsthemen wurden nach Bedarf von der Kanzlei ins Home Office überführt, um Kapitel zu kopieren und Zitate zu übertragen. „Mit der Zeit sammelten sich die Werke in der Wohnung“, erzählt Eibl. „Bei der Rückkehr ins Büro hatte ich einen Koffer voller Bücher mit.“ Hilfreiche Dienste leistete freilich auch die Rechtsdatenbank RDB des MANZ Verlags.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit in der Corona-Krise? „Alexander Hiersche und ich haben fast zeitgleich in der Kanzlei begonnen und seither oft zusammengearbeitet“, erklärt Kerstin Holzinger. „Auch die Chemie mit Birgit Eibl ist ausgezeichnet. Nur so war es möglich, an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten, ohne persönlichen Kontakt zu haben.“ Besprechungen fanden über Skype statt.

Aufgrund eines Einspruchs des Bundesrats wurde bis zum allerletzten Moment aktualisiert. „MANZ-Lektorin Ines Friesacher war uns dabei eine Riesenhilfe“, hält Hiersche fest. „Sie hat uns umfassend und engagiert bei der Arbeit am Buch unterstützt und betreut – und das selbst an Wochenenden und während der Osterfeiertage.“

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