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CORONA-MASSNAHMEN & FREIZEITWIRTSCHAFT

So kommt der Tourismus aus der Corona-Krise

 

Als „Protokoll eines Blindflugs“ bezeichnet der Tourismus- und Freizeitforscher Peter Zellmann seine MANZ-Neuerscheinung zur Corona-Krise. Was es braucht, damit dem Blindflug kein Crash folgt, erläutert er in seinem Gastkommentar.

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Peter Zellmann
MANZ-Autor, Tourismus- und Freizeitforscher
Redaktion
Peter Zellmann
Datum
14. September 2020

Mitte März brach eine Krise über Österreich herein, die von manchen mit einem Tsunami verglichen wurde – wahrscheinlich ohne selbst jemals einen erlebt zu haben. Binnen weniger Tage sind viele von uns aus allen Wohlstandswolken gefallen, hinein in eine Krise, wie sie Österreich seit 75 Jahren nicht erlebt hat.

In der Folge tat sich das Land früh durch ein entschlossenes Krisenmanagement hervor. Dazu gehören auch die sogenannten Covid-19-Maßnahmen. Die befürchtete Katastrophe – in Form einer Überschreitung der Kapazität an Intensivbetten – ist Gott sei Dank nicht eingetreten. Drastische Einschränkungen der Grundrechte mussten von der Bevölkerung hingenommen werden.

Überzogene Covid-19-Maßnahmen?

Die rechtlichen Details der Covid-19-Maßnahmen beschäftigen den Verfassungsgerichtshof bis heute und lösen auch auf der MANZ-Website Debatten aus, siehe Gastkommentar von Reinhard Hinger. Diese Maßnahmen wurden von der Bevölkerung wie auch den Medien lange Zeit in seltener Einmütigkeit mitgetragen. Mittlerweile regt sich Kritik. Was, wenn manche Maßnahmen doch überzogen waren? Was, wenn epidemiebedingte Beschränkungen künftig eher zur Regel als zur Ausnahme werden? Steuern wir auf eine Expertokratie zu oder stecken wir schon mittendrin? Wurden die Folgen für Wirtschaft und Zivilgesellschaft ausreichend mitbedacht?

Überlegungen zu diesen Aspekten sammelte ich rechtzeitig in meinem Buch „Corona: Protokoll eines Blindflugs“, das die Form eines von Mitte März bis Anfang Juni 2020 geführten Protokolls der Ereignisse angenommen hat. Darin kommen auch Experten unterschiedlicher Fachgebiete zu Wort. Inhaltlich beschränke ich mich nicht auf ein Protokoll, sondern versuche, den Menschen und der Politik ein „Navi für die Zukunft“ mitzugeben. Aus Sicht der Tourismus- und Freizeitwirtschaft scheint mir dabei die Beantwortung dreier Fragen als nahezu überlebenswichtig:

1. Wie gefährlich ist das Coronavirus nach aktueller Datenlage (Hospitalisierungen, Intensivfälle, Todesfälle)? Hier ist ein detaillierterer Blick vonnöten.

2. Was sagen die PCR-Tests (= Corona-Tests) tatsächlich und unmissverständlich aus?

3. Ist bei den Beschränkungen mittelfristig eine differenziertere Zugangsweise möglich, die stärker auf Eigenverantwortung setzt?

Letzteres würde bedeuten:

a) Der Staat kümmert sich mit Verboten und Geboten um Regeln an jenen Orten, die Menschen aufsuchen „müssen“ (Ordinationen, Apotheken, Spitäler, öffentlicher Verkehr, Supermärkte ...). Schulen und Dienstgeber tragen Sorge, dass Arbeitnehmer und Schüler mit Symptomen zu Hause bleiben.

b) Eigenverantwortung ist dort gefragt, wo Menschen über ihre Teilnahme frei entscheiden können, also im gesamten Freizeit- und Tourismusbereich.

c) Allgemeine und für ganz Österreich verbindliche Corona-Regeln sind immer einzuhalten: Hygiene, Abstand in geschlossenen Räumen sowie eventuell das Tragen einer Maske in unkontrollierbaren „Gruppensituationen“ (Gondel, Warteschlange ...).

Kommt der nächste Lockdown?

Das Coronavirus kann gar nicht verschwinden, durch keine Maßnahme. Es wird uns noch lange begleiten und es wird uns dabei nur im individuellen Ausnahmefall ernsthaft gefährden. Das meinen jedenfalls jene Experten, auf die man bislang nicht hören wollte. Wenn „die Regierung“ so weitermacht, den echten Dialog mit konstruktiven Kritikern vermeidet und im Blindflug-Modus bleibt, wird ein neuerlicher, wenn auch eventuell abgemilderter Lockdown spätestens im Herbst nicht zu vermeiden sein. Vielleicht kommt sie aber auch zur Einsicht. Wollen wir es hoffen.

Datum
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Prof. Mag. Peter Zellmann ist Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien und erfolgreicher MANZ-Autor („Die Zukunftsgesellschaft“, „Die Urlaubsrepublik“, „Du hast fünf Leben!“). Sein jüngstes Werk „Corona: Protokoll eines Blindflugs“ können Sie jetzt im Webshop bestellen.

Prof. Mag. Peter Zellmann ist Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien und erfolgreicher MANZ-Autor („Die Zukunftsgesellschaft“, „Die Urlaubsrepublik“, „Du hast fünf Leben!“). Sein jüngstes Werk „Corona: Protokoll eines Blindflugs“ können Sie jetzt im Webshop bestellen.

„„Das Coronavirus wird durch keine Maßnahme verschwinden.““
Peter Zellmann, Tourismus- und Freizeitforscher sowie MANZ-Autor