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Rolf Steininger

Von Kanzlern und Präsidenten

Deutsch-amerikanische Beziehungen von Adenauer und Eisenhower bis Merkel und Trump

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ISBN: 978-3-95768-206-2
Verlag: Olzog ein Imprint der Lau Verlag & Handel KG
Format: Flexibler Einband
212 Seiten; 21.5 cm x 14.5 cm, 1. Auflage, 2019

Hauptbeschreibung

Am 8. April 1953 wurde Bundeskanzler Konrad Adenauer von US-Präsident Dwight D. Eisenhower im Weißen Haus in Washington empfangen. Acht ­Jahre nach Kriegsende war dies das erste Treffen zwischen einem deutschen Bundeskanzler und einem amerikanischen Präsidenten. Bis 2019 folgten noch 95 weitere. Diese Treffen können gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie spiegeln nicht nur die persönlichen Beziehungen zwischen diesen Politikern wider, sondern geben auch Aufschluss über das deutsch-amerikanische Verhältnis in jenen Jahren. Dabei gab es gute und weniger gute Zeiten, die deutsch-amerikanische Partnerschaft – in manchen Fällen gar Freundschaft – wurde dabei allerdings zu keinem Zeitpunkt ernsthaft infrage gestellt. Das ­änderte sich erst mit dem 45. Präsidenten – Donald Trump.
Der renommierte Zeithistoriker Rolf Steininger beschreibt die politischen und menschlichen Dimensionen dieser Beziehungen, die z. T. tiefe Einblicke in das Innenleben dieser Akteure ermöglichen und uns zeigen, wie sie in bestimmten Situationen agierten.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Vorbemerkung

Einleitung

I. 1953 – 1961: Konrad Adenauer und Dwight D. Eisenhower
1. Konrad Adenauer
2. Dwight D. Eisenhower
3. 1953: Adenauers erster Besuch in Washington
4. 1958–1961: Die Berlinkrise

II. 1961 – 1963: Konrad Adenauer und John F. Kennedy
1. John F. Kennedy
2. 1961/62: Die Berlinkrise
3. 1962: Wieder Gespräche in Washington
4. 1963: Der deutsch-französische Vertrag
5. 1963: »Ich bin ein Berliner!«

III. 1963 – 1966: Ludwig Erhard und Lyndon B. Johnson
1. Lyndon B. Johnson
2. Ludwig Erhard
3. Ludwig Erhard zu Besuch in Texas
4. 1965: Ein »Johnson Treatment« für Ludwig Erhard
5. Erhards letzter Besuch bei Johnson

IV. 1966 – 1969: Kurt Georg Kiesinger und Lyndon B. Johnson
1. Kurt Georg Kiesinger
2. August 1967: Kiesinger zu Besuch bei Johnson

V. 1969 – 1974: Willy Brandt und Richard M. Nixon
1. Willy Brandt
2. Richard M. Nixon
3. Nixon und Brandt: ein schwieriges Verhältnis

VI. 1974 – 1982: Helmut Schmidt, Gerald R. Ford, Jimmy Carter und Ronald Reagan
1. Helmut Schmidt
2. Gerald R. Ford
3. Jimmy Carter
4. Dissonanzen zwischen Schmidt und Carter
5. Ronald Reagan

VII. 1982 – 1998: Helmut Kohl, Ronald Reagan, George H. W. Bush und Bill Clinton
1. Helmut Kohl und Ronald Reagan: das erste Treffen
2. Helmut Kohl und Reagans Handschlagqualität
3. 1985: Besuch in Bergen-Belsen und Bitburg
4. 1987: »Mr. Gorbachev, tear down this wall!«
5. George H. W. Bush
6. Vom Mauerfall zur Wiedervereinigung
7. Bill Clinton

VIII. 1998 – 2005: Gerhard Schröder, Bill Clinton und George W. Bush
1. Gerhard Schröder
2. George W. Bush

IX. 2005 – 2016: Angela Merkel, George W. Bush und Barack Obama
1. Angela Merkel
2. Barack Obama

X. Seit 2016: Donald Trump und Angela Merkel
1. Der Narzisst Donald Trump
2. Die neue Zeit des Trumpismus: »America First!«

XI. Anhang
Anmerkungen
Regierungszeiten
Literatur/Fernsehen/Hörfunk
Personenregister
Bildnachweis

Einführung oder Vorwort

Einleitung
Teilung und Westintegration

Bis zum ersten Besuch Adenauers im Weißen Haus 1953 war es ein weiter Weg gewesen, der acht Jahre zuvor begonnen hatte.
»Es muß den Deutschen klargemacht werden, dass Deutschlands rücksichtslose Kriegsführung und der fanatische Widerstand der Nazis die deutsche Wirtschaft zerstört und Chaos und Leiden unvermeidlich gemacht haben und daß sie nicht der Verantwortung für das entgehen können, was sie selbst auf sich geladen haben. Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke seiner Befreiung, sondern als ein besiegter Feindstaat. Das Hauptziel der Alliierten ist es, Deutschland daran zu hindern, je wieder eine Bedrohung des Weltfriedens zu werden.«1 So lauteten die Kernsätze in der berühmten »Direktive 1067« der amerikanischen Stabschefs vom April 1945.
Was der Oberbefehlshaber der anglo-amerikanischen Truppen, General Dwight D. Eisenhower, nach dem Besuch von Ohrdruf, einem Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald, etwa 13 km südlich von Gotha, am 12. April damals ­sagte, galt für viele andere auch: Er werde niemals wieder einem Deutschen die Hand geben, geschweige denn mit ihm sprechen.2
Wer damals Deutsch sprach, hatte schlicht und einfach schlechte Karten. Das deutsche Volk war geächtet. In den ersten Wochen vor und nach dem 8. Mai 1945 wurden von den amerikanischen Soldatensendern Radiospots ausgestrahlt, die sich so anhörten: »Jeder freundliche deutsche Zivilist ist ein getarnter Soldat des Hasses, bewaffnet mit der inneren Überzeugung, daß die Deutschen noch immer überlegen sind, daß es eines Tages ihre Bestimmung sein wird, dich zu vernichten. Ihr Haß und ihr Zorn und ihre Überzeugung stecken ihnen tief im Blut. Ein Lächeln ist ihre Waffe, um dich zu entwaffnen. ­Fraternisiere nicht! – Im Herzen, mit Leib und Seele ist jeder Deutsche Hitler. Hitler ist der Mann, der den Glauben der Deutschen verkörpert. Schließ keine Freundschaft mit Hitler! Fraternisiere nicht!«3
Genauso klang es auch in dem wohl bekanntesten Lehrfilm der US-Army für die zukünftigen Besatzer: Your Job in ­Germany, 1945.4
General Lucius D. Clay, 1945 bis 1947 stellvertretender US-Militärgouverneur und dann bis 1949 Militärgouverneur in Deutschland, schrieb am 16. Juni 1945 an den stellvertretenden Kriegsminister John J. McCloy: »Der kommende Winter wird schlimm werden für die Deutschen. Sie werden hungern und frieren. Einiges davon muß sein, damit sie am eigenen Leib die Folgen des von ­ihnen ausgelösten Krieges erfahren.«
Dann folgten allerdings zwei bezeichnende weitere Sätze: »Zwischen dem für diesen Zweck notwendigen Hungern und Frieren und dem Hungern und Frieren, das zu menschlicher Verzweiflung führt, ist es ein weites Feld. ­Möglicherweise können wir die Verzweiflung nicht verhindern, aber es ist mit ­Sicherheit unsere Pflicht, es zu versuchen.«5
Die Amerikaner versuchten es bekanntlich und reichten den Deutschen schon bald die Hand. Der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt, der nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft seine ersten brauchbaren Stiefel von amerikanischen Quäkern geschenkt bekam, erinnerte sich noch 1987: »Ich werde das nicht vergessen.«6 So wie ihm ging es damals vielen Deutschen. Konrad Adenauer wies in seiner ersten Regierungserklärung am 20. September 1949 darauf hin, als er meinte, er glaube nicht, »daß jemals in der Geschichte ein siegreiches Land versucht hat, dem besiegten Land in der Weise zu helfen und zu seinem Wiederaufbau und zu seiner Erholung beizutragen, wie das die Vereinigten Staaten gegenüber Deutschland getan ­haben und tun«. Unzählige Amerikaner hätten den ­Deutschen in ihrer schweren Not geholfen; das deutsche Volk »wird das dem amerikanischen Volk niemals vergessen dürfen, und wird das auch nicht vergessen«.7
Der Ausbruch des Kalten Krieg wurde dabei für die Westdeutschen zu einem Glücksfall – allerdings mit der Konsequenz der Teilung des Landes. Was sich bereits 1945 abzeichnete, machte US-Präsident Harry S. Truman am 5. Januar 1946 intern und unmissverständlich klar: »Wenn man mit Rußland nicht eine deutliche Sprache spricht und ihm nicht mit eiserner Faust entgegentritt, ist der nächste Krieg in Sicht. Es gibt nur eine Sprache, die die Russen verstehen, nämlich: Wie viele Divisionen habt ihr?« Er sprach sich gegen weitere Kompromisse aus und betonte: »Ich habe es satt, die Sowjets weiter zu hätscheln.« (»I am tired of babying the Soviets.«)8
Das war der Beginn eines Jahres, dessen Ende auch das Ende jeder Kooperation mit der Sowjetunion bedeutete. Von nun an ging es beinahe Schlag auf Schlag. Am 9. Februar 1946 hielt ­Stalin in Moskau eine Rede, in der er erneut die marxistische These vertrat, dass das kapitalistische System in sich selbst die Elemente einer allgemeinen Krise und militärischer Zusammenstöße enthalte, mit anderen Worten: Die von ­Stalin ­erwartete Wirtschaftskrise in den kapitalistischen Staaten ­würde ­nahezu gesetzmäßig zur Aufrüstung und schließlich zum Krieg führen. Das State Department und Marineminister James Forrestal ­betrachteten diese Rede als einen direkten Angriff auf die USA; und für William O. Douglas, einen Richter am Obersten Bundesgericht, war dies gar eine »Kriegserklärung, die ­Erklärung zum Dritten Weltkrieg«.
Das State Department bat den stellvertretenden Chef der amerikanischen Mission in Moskau, George F. Kennan, um eine Einschätzung dieser Rede. Die kam am 22. Februar in Form jenes berühmten »langen Telegramms«. Es waren zwar nicht »8000 Worte«, wie Kennan in seinen Erinnerungen später schrieb, sondern nur 5000, aber immer noch das ­längste Telegramm in der Geschichte des State Department. Für den Russlandexperten Kennan war die sowjetische Außen­politik militant, aggressiv und expansionistisch, kompromisslos, negativ und destruktiv. Winston Churchill sprach in seiner berühmten Rede in Fulton/Missouri am 5. März 1946 im Beisein von Präsident Truman erstmals öffentlich vom »Eisernen Vorhang« und bedauerte intern, dass »Uncle Joe« – Stalin – ihm daraufhin wohl keinen Kaviar mehr schicken würde. Im britischen Kabinett sprach Premierminister Clement Attlee am 7. Mai 1946 von Westdeutschland als einem »Bollwerk gegen die Ausbreitung des kommunistischen Einflusses aus dem Osten«.9
Was 1946 erkennbar gewesen war, trat im Laufe des Jahres 1947 in aller Schärfe auch öffentlich zutage. Das Jahr stand im Zeichen wachsender Ost-West-Spannungen, der Kalte Krieg brach nun offen aus. Stichworte sind hier Truman-Doktrin und Marshall-Plan. In einer Rede am 12. März 1947 vor beiden Häusern des Kongresses machte Truman das Angebot, »die freien Völker zu unterstützen, die sich der Unterwerfung durch ­bewaffnete Minderheiten oder dem Druck von außen widersetzen,« und US-Außenminister George C. Marshall bot im Juni 1947 in einer Rede an der Harvard-Universität den Europäern umfassende Wirtschaftshilfe an.
Die dann anlaufende Hilfe des nach Marshall benannten Plans machte einen tiefen Eindruck auf die Westdeutschen und ihre politischen Repräsentanten. Die Auswirkungen in wirtschaftlicher, politischer und auch in psychologischer Hinsicht auf sie waren gravierend. Für viele ging es damals schlicht ums Überleben. Die Dankesworte der Politiker ­waren ehrlich ­gemeint. Die USA wurden zunehmend als ­Garant der Freiheit gesehen, was bei der nächsten großen Krise, der Berlin-­Blockade 1948/49, noch deutlicher wurde.
Wer im Sommer 1948 in Westdeutschland noch Zweifel an der Richtigkeit der anglo-amerikanischen Politik hatte, dem wurden diese jetzt durch die Brutalität der Blockade genommen. Bei der Abwehr der sowjetischen Erpressung fühlten sich Westdeutsche, Westberliner und Westalliierte zum ersten Mal seit 1945 als Verbündete.
Es ging um die Abwehr der sowjetischen Bedrohung und um die Integration der Bundesrepublik in den Westen. Im Sommer 1949 bezeichnete US-Außenminister Dean Acheson das als »wichtigstes Ziel der amerikanischen Politik«.10 Die Konse­quenz drückte ein britischer Diplomat treffend so aus: Man müsse sich dann damit wohl abfinden, den deutschen Partner vor dem Kamin im Wohnzimmer eine dicke Zigarre rauchen zu sehen.11