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Luis Alegre

Lob der Homosexualität

12,99 EUR inkl. MwSt.
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ISBN: 978-3-406-73669-8
Reihe: Beck Paperback
Verlag: C.H.Beck (Deutschland)
Format: E-Book Text (EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Österreich möglich!)
220 Seiten, 1. Auflage, 2019
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Inhaltsverzeichnis

1;Cover;1
2;Titel;2
3;Zum Buch;220
4;Über den Autor;220
5;Impressum;3
6;Inhalt;4
7;Anmerkung zur inklusiven Sprache;8
8;Warum dieses Buch?;10
9;1 Einleitung;14
10;2 Das Natürliche und das Konstruierte (Natur und Performativität);20
11;3 Die kreative Freiheit;72
12;4 Verkünder einer besseren Welt;152
13;5 G, L, B, H, T, I, Q ... und das Ende der Heterosexualität;180
14;Anmerkungen;216

Kurztext / Annotation

Tintenfische oder Heuschrecken beschränken sich darauf, ein Exemplar ihrer Art zu sein. Wir Menschen dagegen verstehen uns als Individuen, nicht als bloße Gattungsexemplare. Stolz sprechen wir von der freien Entfaltung der Persönlichkeit. Tatsächlich aber leben wir weitgehend fremdbestimmt nach Konventionen, die wir nicht selbst beschlossen haben, allen voran die zur natürlichen Ordnung der Welt erklärte Heterosexualität.
Doch die Tage der Heterosexualität sind gezählt, behauptet der spanische Philosoph Luis Alegre. Und ist erst diese die Menschen in Stereotype von männlich und weiblich pressende Kraft verschwunden, kann auch das Konzept der Homosexualität verschwinden. Dann werden alle Menschen frei sein, sich losgelöst von vorgeprägten Geschlechteridentitäten zu begegnen und auszuprobieren. Bis dahin aber verkörpern lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Menschen die Identität des Widerstands. Sie sind die revolutionäre Avantgarde, die das repressive Konstrukt angeblicher Natürlichkeit entlarvt und der Mehrheitsgesellschaft die Freiheit vorlebt, die sie sich versagt.

Luis Alegre ist Philosophieprofessor mit den Schwerpunkten Ästhetik und Erkenntnistheorie an der Universidad Complutense Madrid und einer der Mitbegründer der Partei Podemos.

Textauszug


I
Einleitung

Die goldenen Zeiten der Heterosexualität, die mehrere tausend Jahre gedauert haben, gehen ihrem Ende entgegen. Und die Personen, die bis jetzt in diesem Konzept gefangen waren, sind zu beglückwünschen. Auch wenn sie es vielleicht noch nicht wissen, werden sie bald merken, über wie vieles sie sich freuen dürfen: Es könnte dazu kommen, dass Männer einander nicht mehr mit der flachen Hand auf den Rücken schlagen müssen, um sich zu sagen, dass sie sich mögen, oder dass es nicht gleich den Untergang der eigenen Identität bedeutet, wenn sie sich zerbrechlich und verwundbar zeigen (was einfach zu unserem Menschsein gehört). Es könnte auch dazu kommen, dass die Frauen sich nicht mehr dazu angehalten fühlen, in dem ersten dahergelaufenen Dummkopf einen Märchenprinzen zu suchen. Die im Konzept der Heterosexualität Gefangenen (viele heterosexuelle Männer und Frauen) sind gerade dabei, sich nach und nach zu befreien. Indessen gibt es immer welche, die ihre freiwillige Hörigkeit zur Schau stellen und nicht akzeptieren wollen, dass das, was sie "die Welt" nannten, in Wirklichkeit nur eine Zelle, ja, nur eine "Wabe" war.

Heutzutage gibt es nur schlechte Nachrichten für die Wabe. Der Hetero-Fundamentalismus nimmt deutlich ab. Sicher, er verschanzt sich wie ein in die Enge getriebenes wildes Tier voller Jähzorn in den Gräben, die ihm bleiben, und lässt seine Wut besonders an Jugendlichen und Alten aus. Aber selbst unter den Verwundbarsten tauchen Fürsprecher der Freiheit auf, die auch diejenigen zum Umdenken zwingen, die öffentlich schimpfen oder attackieren, um zu verhindern, dass ihre eigene Reinheit in Frage gestellt wird; eine Reinheit, die ihnen nicht mehr so viel einbringt wie früher, nicht einmal bei der Jagd auf weibliche Beute. Immer mehr Frauen misstrauen (zu Recht) Männern, die "nie im Leben", "um nichts in der Welt" mit einem anderen Mann Sex haben würden. Unter anderem deshalb, weil sie wissen, dass das gelogen ist: So masturbieren junge Männer nicht selten mit ihren Freunden. Und das ist Sex, wie man es auch dreht und wendet. Allerdings werden die kollektiven Masturbationen der Jugend mit der Zeit von eher symbolischen Masturbationen oder Fellationes abgelöst (zum Beispiel in Form von gegenseitigen Prahlereien, von denen die Frauen ausgeschlossen sind). Da, wo wir heute stehen, müsste es eigentlich niemand mehr nötig haben, sich selbst zu betrügen. Und die heterosexuellen Frauen misstrauen zunehmend diesen Männern, die sich in einer festgelegten Wesensordnung verschanzen.

Die weibliche Heterosexualität hingegen ist immer anders gewesen. Erstens, weil sie viel weniger heterosexuell war. Dass die Sexualität zwischen Frauen etwas mehr Freiheit genoss, ist einer dieser (unerwartet häufigen) Fälle, in denen eine perverse Ursache positive Auswirkungen hat. Die Sexualität der Frauen ist mit brutalsten Mitteln geleugnet worden, und man hat alles getan, um sie unsichtbar zu machen (in der sehr männertypischen Zuversicht, dass unsichtbare Dinge nicht existieren). Aber dieses schändliche Ziel hat dazu geführt, dass auf ihre Gesten, Bewegungen und Blicke weniger Druck ausgeübt wurde. Nichts wurde als sexuell interpretiert, denn es galt die grundsätzliche Annahme, dass die Sexualität der Frauen nicht existierte. Wir meinen hier - selbstverständlich - die Gestik und die Bewegungen der Mütter, Schwestern, Freundinnen, Ehefrauen, nicht der Huren, die - natürlich - immer ein konstantes sexuelles Verlangen hatten; es war ja dieses Verlangen, das sie per definitionem zu Huren machte.

Doch gerade dieser Zusammenhang hat es den Frauen ermöglicht, ohne große Probleme einander zu berühren, zu streicheln, Hand in Hand zu gehen, sich mit Küssen und nicht durch Schläge mit der flachen Hand auf den Rücken zu begrüßen, zusammen zu reisen, zusammen zu schlafen und sogar zusammen zu leben, ohne dass jemand etwas anderes als eine schöne Freundschaft darin sah; vollk

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Herausgeber/Autor


Mitarbeiter

Übersetzt von: Thomas Schultz