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Hans Fallada

Jeder stirbt für sich allein

1,99 EUR inkl. MwSt.
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ISBN: 978-3-96361-167-4
Verlag: EClassica
Format: E-Book Text (EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Österreich möglich!)
552 Seiten, 2018

Kurztext / Annotation

Für die eBook-Ausgabe völlig neu überarbeitet und in aktualisierter Rechtschreibung
In seinem letzten Roman schildert Hans Fallada den authentischen Fall des Ehepaars Otto und Elise Hampel, das Postkarten-Flugblätter gegen Hitler an öffentlichen Plätzen Berlins auslegt, schließlich denunziert und 1943 hingerichtet wird. Im Roman tragen die Protagonisten die Namen Anna und Otto Quangel.
Ursprünglich durchaus Anhänger Hitlers, wächst das Unbehagen der Quangels gegen das Nazi-Regime zunehmend; den letzten Anstoß zum Widerstand gibt die Nachricht vom Tod des Sohnes an der Kriegsfront. Die Eheleute beginnen einen einsamen und stillen Kampf gegen das Naziregime und legen auf Postkarten geschriebene Botschaften des Widerstand an öffentlichen Plätzen der Stadt aus, etwa: 'Der gemeine Soldat Hitler und seine Bande stürzen uns in den Abgrund.'
Der Roman hier erstmals in Falladas lange Zeit unveröffentlichter Originalfassung.

Hans Fallada (eigentlich Rudolf Ditzen) (1883-1947) war einer der produktivsten deutschen Schriftsteller der 30er Jahre. In der Zeit des Nationalsozialismus lebte er als 'unerwünschter Autor' zurückgezogen auf einem Anwesen in Mecklenburg. Einige seiner Bücher waren von den Nazis aber auch geduldet, weil sie die Weimarer Republik kritisierten, wodurch er persönlicher Verfolgung entging.

Textauszug

10. KAPITEL - Was am Mittwochmorgen geschah

All die zuvor berichteten Ereignisse hatten sich an einem Dienstag zugetragen. Am Morgen des folgenden Mittwochs, sehr früh, zwischen fünf und sechs Uhr, verließ Frau Rosenthal, von der Trudel Baumann begleitet, die Quangel'sche Wohnung. Otto Quangel schlief noch fest. Die Trudel hatte die unbehilfliche, völlig verängstigte Frau Rosenthal mit dem gelben Stern auf der Brust bis fast an die Fromm'sche Wohnungstür gebracht. Dann zog sie sich eine halbe Treppe höher zurück, fest entschlossen, die Frau, und sei es mit dem eigenen Leben und der eigenen Ehre, gegen einen etwa herabkommenden Persicke zu verteidigen.

Trudel beobachtete, wie Frau Rosenthal auf den Klingelknopf drückte. Fast sofort wurde die Tür geöffnet, als habe jemand schon wartend dahinter gestanden. Einige Worte wurden leise gewechselt, dann trat Frau Rosenthal ein, die Tür schloss sich, und Trudel Baumann ging an ihr vorbei auf die Straße. Das Haus war schon offen.

Die beiden Frauen hatten Glück gehabt. So früh es auch war und sosehr Frühaufstehen auch den Gewohnheiten der Persickes widersprach, so hatten doch die beiden SS-Männer keine fünf Minuten früher das Treppenhaus passiert. Um fünf Minuten war eine Begegnung vermieden, die bei der sturen Dummheit und der Brutalität der beiden Burschen nicht anders als verhängnisvoll, zum mindesten für Frau Rosenthal, ausgefallen wäre.

Auch die beiden SS-Männer waren nicht allein gegangen. Sie hatten von ihrem Bruder Baldur den Befehl erhalten, den Barkhausen und den Enno Kluge (Baldur hatte unterdes seine Papiere durchgesehen) aus dem Hause und zu ihren Frauen zu schaffen. Die beiden Amateureinbrecher waren immer noch fast völlig benebelt von dem Übermaß genossenen Alkohols und von dem Schlag, den sie abbekommen hatten. Doch war es Baldur Persicke gelungen, ihnen begreiflich zu machen, dass sie sich wie die Schweine benommen hätten, dass es nur der großen Menschenliebe der Persickes zu verdanken sei, wenn sie nicht sofort der Polizei übergeben wurden, dass aber jedes Gequatsche sie unweigerlich dorthin bringen würde. Außerdem hatten sie sich nie wieder bei Persickes sehen zu lassen und keinen Persicke je zu kennen. Wenn sie sich aber erfrechen würden, je wieder in die Rosenthal'sche Wohnung zu kommen, würden sie unweigerlich der Gestapo übergeben.

All dies hatte ihnen Baldur so oft und mit so vielen Drohungen und Beschimpfungen wiederholt, bis es in ihren verblödeten Hirnen völlig festzusitzen schien. Sie hatten sich da am Tisch der Persicke'schen Wohnung gegenübergesessen, in einem halben Zwielicht, zwischen sich den unaufhörlich schwatzenden, drohenden, blitzenden Baldur. Auf dem Sofa hatten sich die beiden SS-Männer herumgelümmelt, drohende, finstere Gestalten, trotz ihres ewigen Zigarettenrauchens. Sie hatten das unsichere Gefühl, als ständen sie vor einem Gerichtshof zur Aburteilung, der Tod schien ihnen zu drohen. Sie schwankten auf ihren Stühlen hin und her und versuchten zu verstehen, was sie verstehen sollten. Dazwischen dösten sie ein und wurden sofort wieder durch einen schmerzhaften Faustschlag Baldurs geweckt. Alles, was sie geplant, getan, erlitten hatten, schien ihnen wie ein unwirklicher Traum, sie sehnten sich nur nach Schlaf und Vergessen.

Schließlich schickte sie Baldur mit seinen Brüdern fort. In den Taschen trugen Barkhausen wie Kluge, ohne es zu wissen, etwa fünfzig Mark in kleinen Scheinen. Baldur hatte sich zu diesem neuen, schmerzlichen Opfer entschlossen, durch das die Unternehmung Rosenthal für die Persickes vorläufig zu einem reinen Verlustgeschäft wurde. Aber er sagte sich, wenn die Männer ohne alles Geld, zerschlagen und arbeitsunfähig zu ihren Frauen zurückkehrten, würde es bei den Weibern viel mehr Geschrei und Nachfrage geben, als wenn ihnen die betrunkenen Kerle einiges Geld zutrugen. Und er rechnete damit, dass bei dem Zustand der Männer die Frauen das Geld finden würden.

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet