JavaScript ist in Ihrem Browser deaktiviert.
Sie können manche Teile der Website daher leider nicht verwenden.
Titel wurde in den Warenkorb gelegt
titel
Titel wurde auf den Merkzettel übetragen
titel
schließen
drucken

Friedrich Geber

Macht und Herrschaft im Kapitalismus. Entwicklungen, Fakten, Perspektiven, Herausforderungen

46,30 EUR inkl. MwSt.
Bestellbar! Wird umgehend für Sie besorgt
Auf den Merkzettel In den Warenkorb
ISBN: 978-3-95935-432-5
Verlag: disserta
Format: Flexibler Einband
172 Seiten; 270 mm x 190 mm, 2018, 2018

Textauszug

Textprobe:
Kapitel 11 Perpetuierung der Kapitalismusmacht: Globalisierung
Die Globalisierung hat es mit sich gebracht, dass die westliche kapitalistische Wirtschaft in der Lage ist, dem sich selbst auferlegten Dauerdruck der Profitmaximierung ständig und leicht nachzukommen. Eine der von allen Unternehmen vorgeschobenen Prioritäten ist die des erforderlichen Wachstums, um Investitionen zu leisten. Den Maximen "Profitmaximierung und Dauerwachstum" unterliegen insbesondere die international agierenden Großfirmen und Konzerne, deren Mitbesitzer, Holdings, Aktionäre, die Vergütung an ihre Manager (Geschäftsführer, Vorstände) an den Gewinn des Unternehmens sowie dessen Aktienwert gekoppelt haben. Daraus leitet sich natürlich für die Unternehmensführer das primäre Interesse zur Steigerung des Unternehmenswertes ab, zumal es international gängige Praxis ist, dass die Manager auch Stockoptions erhalten, weswegen deren Einkommenssteigerungen ins Groteske ausufern. Vor ein paar Dezennien zurück lagen deren Einkommen bei etwa dem 20-fachen eines mittleren Angestellten und beträgt heute bis zum 350-fachen. Das fatale an dieser westlichen "Motorik" ist, dass auch die Verfolgung kurzfristiger Gewinne weder ein moralisches noch ethisches Manko in Bezug auf die Firmenpolitiken darstellt und zur Gewinnmaximierung alle Mittel zur Kosteneinsparung ausgeschöpft werden. Im Zusammenhang stehend "Der Mitbewerb macht es ja auch!" bedeutet, dass die Produktionen in (noch) Billiglohnländer über Kontinente hinweg verlagert werden, wo es weder gesetzliche Normen für Betriebs- oder Arbeitsschutz gibt noch ausreichend soziale staatliche Leistungen erbracht werden. Subsumiert gesagt:
Die Globalisierung begünstigt das Entstehen transnationaler (Welt-)Konzerne mit weltweit verzerrten Sozialsystemen, woraus neue Wirtschaftssystematiken folgen. Daraus ergeben sich hinsichtlich der Einkommensstrukturen national wie international Ungleichgewichte. Es kommt zu einer Verkettung hochkapitalistischer Züge - frei nach Milton Friedmann: ungezügelte Freiheit im Tun, keine Störung der Marktwirtschaft durch staatlichen Eingriffe (Kapitel 7 / Monetarismus).
Die langsam aber stetig voranschreitende Erodierung der Arbeitsstrukturen in den Industriestaaten muss politisch mit großer Ernsthaftigkeit und Weitblick durch geeignete Maßnahmen zum Erhalt des sozialen Friedens verfolgt werden. Ganz besonders in Hinblick auf die bevorstehenden Auswirkungen des begonnenen digitalen Umbruchs resultierend aus den Zielverfolgungen von "Industrie 4.0" als Prozess der Robotik und Ausweitung von virtuellen Unternehmensformen, aber auch in Bezug auf die Konsumtion, da sich ein im Umfang noch nicht absehbares Marktgeschehen durch die rasch wachsenden Online-Einkäufe entwickelt.
Trotz der Globalisierungsmaschinerie und deren Triebkraft bezogen auf die raschen Veränderungen befinden sich die westlichen Demokratien in einer Zeitphase anhaltender politischer Schlichtheit. Unabhängig davon wird stets von "Herausforderungen" gesprochen anstatt das negativ besetzte Wort "Probleme" in den Mund zu nehmen und die Bevölkerung der Wahrheit entsprechend von den zu bewältigenden Miseren zu informieren. Die zu beobachtende Regel lautet nämlich, die Politikentscheidungen in steigendem Maße auf die supranationale Ebene zu verlagern, nicht zuletzt durch das "Geflecht" von staatenähnlichen Organisationen, wie: EU, Wirtschafts- und Währungsunion, Europarat, WTO und Weltbankgruppe sowie der Relevanz der UN mit ihren diversen spezialisierten Unterorganisationen (Internationaler Gerichtshof, Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte), OSZE u.a. Eine konkrete Erklärung dafür mag sein, zumal die Globalisierung ein Prozess ist, durch den die Märkte und Produktion in verschiedenen Ländern immer mehr voneinander abhängig werden - dank der Dynamik des Handels mit Gütern und Dienstleistungen und durch die Bewegungen von Kapital und Technologie (Plate 1999: 32). Als generelle

Langtext

Was ist dran am Kapitalismus des 21. Jahrhunderts? Was alles beeinflusst die Globalisierung der digitalen Welt? Ist der Weg des Westens mit seiner kapitalistischen freien Marktwirtschaft der gesellschaftlichen Zerrüttung preisgegeben?
Natürlich dürfen dabei die Notwendigkeiten und Herausforderungen an eine gestaltende Politik, die Verantwortung ökonomisch und politisch wirkender Konzerne und die mächtigen transnationalen Institutionen mit ihren Akteuren, die Wege des Kapitals und die neuen sozialen Bewegungen in der Diskussion ebenso wenig fehlen wie der Trend, Bürger in wesentliche politische Entscheidungen mit Nachhaltigkeit einzubeziehen.
Aus diesen beschlagworteten Szenarien ist schon zu erkennen, dass das kapitalistische System einer (freien) Marktwirtschaft und das hohe Gut "Freiheit" in der Demokratie eine kritische Gemengelage in der Gesellschaft bedeutet.
Das Phänomen Kapitalismus wird in seiner Entwicklung als auch seiner Gegenwärtigkeit in den Blick genommen um weiter seiner komplexen Deutung und Ausdifferenzierung nachzugehen. Neben dem skizzierten Leitdiskurs wird die Kapitalismusmacht der "neuen" Herrschaftseliten, sowie die Auswirkungen auf die Gesellschaft und den Staat aufgegriffen. Dabei sind auch der Wohlfahrtskapitalismus in der EU, als auch Ursachen und Bedeutungen des zunehmenden linken und rechten Populismus weitere Denkformate in diesem Buch.

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Dr. Friedrich Geber, MA (geb. 1947, Wien) ist Politologe und Zeithistoriker. Er setzt sich speziell mit gesellschafts- sowie sozialpolitischen Themen der Gegenwart auseinander, die von ihm zeitkritisch dargelegt werden. Schwerpunkte seiner Untersuchungen sind dabei politische Entwicklungen, die asymmetrisch in der Gesellschaft wirken.
Seine Analysen basieren auf Denkmustern moderner Demokratien, die zu Diskursen in Bezug auf Verbesserungen beitragen und herkömmliche Strukturen zeitadäquat zu verändern versuchen.
Ergebnisse seiner Arbeiten präsentiert er auch in Fachvorträgen für politische Bildung.