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Wolfgang Petritsch

Epochenwechsel. Unser digital-autoritäres Jahrhundert

19,99 EUR inkl. MwSt.
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ISBN: 978-3-7106-0342-6
Verlag: Christian Brandstätter Verlag
Format: E-Book Text (EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Österreich möglich!)
288 Seiten, 2018

Kurztext / Annotation

Die Grundpfeiler unserer bisherigen Weltordnung sind ins Wanken geraten: Wir erleben Postdemokratie, das Wiedererstarken autoritärer Kräfte, die Ablösung des Liberalismus als bestimmende Leitidee der westlichen Welt. Bürgerkrieg, Terror, Propaganda und Cyberangriffe ersetzen heute zwischenstaatliche Kriege. Der autoritären Versuchung erliegen weltweit immer mehr Länder, der Aufstieg Chinas zeigt überdeutlich, dass der Kapitalismus die Demokratie nicht zwingend braucht. Der erfahrene Diplomat und UN-Sonderbotschafter Wolfgang Petritsch gibt Einblick in weltpolitische Szenarien und skizziert das Bild unserer kommenden Weltordnung durchaus zuversichtlich. Die Zukunft ist gestaltbar, auch unsere Enkelkinder könnten in Frieden und Wohlstand leben - wenn wir rechtzeitig handeln.

Wolfgang Petritsch war Sekretär von Bruno Kreisky, später österreichischer Botschafter in Belgrad und bei den Vereinten Nationen und der OECD in Paris sowie Kosovo-Sonderbeauftragter der EU und Hoher Reprä-sentant der UNO für Bosnien. Lehrtätigkeit in Harvard und Berkeley, international übersetzter Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher.

Textauszug

DIE WELT, IN DER WIR LEBEN

Ja, in was für einer Welt leben wir denn eigentlich?

Die vergangenen Jahre muten an wie eine eskalierende Abfolge von Krisen, Konflikten, Umbrüchen, verbunden mit einer galoppierenden Delegitimierung des liberal-demokratischen Systems und der westlichen Werte insgesamt.

Wir erleben einen fundamentalen Wandel, auf den die Bezeichnung Epochenwechsel zu passen scheint. Ob dem so ist und der überblickbare Zeitraum den Begriff tatsächlich rechtfertigt, wird sich erst aus dem fernen Blick zurück auf die drei turbulenten Jahrzehnte um die Jahrtausendwende erschließen.

Was bereits feststeht, ist der Verlust dieses ominösen Gefühls von Sicherheit, das in den Jahrzehnten des Kalten Krieges vorgeherrscht hat. Ein Paradoxon, drohte doch der Ost-West-Konflikt mehr als nur einmal in eine atomare Katastrophe umzuschlagen.

Gewiss, der Blick zurück verklärt, zumal dieser dritte globale Konflikt des 20. Jahrhunderts für den ehemaligen Kriegskontinent Europa gut ausgegangen ist. Ausschlaggebend war jedoch in den Jahren des Wiederaufbaus - und nachwirkend bis zur Finanzkrise 2008 - der realistische Optimismus eines positiven Lebenshorizonts. In den Nachkriegsjahrzehnten herrschte das Gefühl vor, das Schlimmste hinter sich zu haben.

Heute will man lieber nicht zu viel Zukunft haben. Denn die vermeintlichen Gewissheiten des Fortschritts und des wachsenden Wohlstands, jene Säulen der subjektiven Sicherheit, sind weggebrochen, eingestürzt, haben sich für viele in nichts aufgelöst.

Das aber bleibt nicht ohne Folgen für die Politik. Zumal für die internationalen Beziehungen im Allgemeinen und das über sieben Jahrzehnte durchaus erfolgreiche System des Multilateralismus mit seinen globalen und regionalen Organisationen Weltbank und Währungsfonds, den Vereinten Nationen oder der EU und der OSZE. Diese Epoche gehört der Vergangenheit an. Mehr denn je gilt es, Wege und Institutionen zu (er)finden, um die zentrale Global-Gouvernance -Frage unserer Zeit anzugehen: Wie sieht unsere zukünftige Weltordnung aus?

Freilich: Ein sogenannter Epochenwechsel wird rasch konstatiert, wenn wir mit scheinbar unerwarteten und radikalen Veränderungen konfrontiert sind.

Bei manchen Ereignissen erschließt sich deren historische Bedeutung sofort, andere sind erst mit wachsendem Abstand in ihrer vollen Tragweite erkennbar. Wie etwa das Jahr 1978, als Deng Xiaoping die Abwendung vom Maoismus hin zur Öffnung und Modernisierung Chinas eingeleitet hat. Manch ein Umbruch erweist sich auch als Strohfeuer; denken wir an den Arabischen Frühling von 2011.

Damit aber wird verständlich, wie schwierig es im Fluss des politischen Handwerks ist, die Folgen für das komplexe internationale Umfeld - und damit für die fragile Weltordnung - abzuschätzen. Es ist der Nebel der laufenden Ereignisse , der den Blick behindert.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 ist ein Beispiel einer Entwicklung, die kaum jemand vorhergesehen hat und die doch nach dem Wendejahr 1989 für jeden erkennbar den Lauf der Geschichte irreversibel verändern sollte. Ebenso könnte man das Jahr 2016 - Brexit und Trump - benennen als Zäsur und möglichen Endpunkt der westlich dominierten Weltordnung.

Diese Ordnung ist aus den drei großen Konflikten des 20. Jahrhunderts erwachsen. Lässt man diese Revue passieren, kommt man jedenfalls für den Ersten und den Zweiten Weltkrieg zu einigermaßen klaren historischen Folgerungen.

Haben die Pariser Vorortverträge von 1919 den Keim für den Zweiten Weltkrieg in diese Friedensordnung gleichsam eingebaut, so haben die alliierten Sieger von 1945 in einem historisch einmaligen Akt aufgeklärten Eigeninteresses die Besiegten in den europäischen (und as

Beschreibung für Leser

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