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John G. Bennett

Das Durchqueren des großen Wassers

Die Geschichte einer Suche. Autobiografie

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ISBN: 978-3-942914-02-4
Verlag: Chalice, Bennett Books
Format: Buch
524 Seiten; 21.5 cm x 13.5 cm, Erweiterte und umfangreich illustrierte Neuauflage, 2011

Hauptbeschreibung

Die fesselnde Lebensgeschichte des kompromisslosen Sinnsuchers, inspirierenden Denkers und kreativen Wissenschaftlers John G. Bennett zeichnet ein einzigartiges Historienbild der spirituellen Strömungen des zwanzigsten Jahrhunderts. Nach einem prägenden Nahtoderlebnis im Ersten Weltkrieg lernt 'JGB' bereits als junger Leiter des britischen Geheimdienstes in Istanbul, am Brennpunkt zwischen Ost und West, den Sufismus kennen und seine späteren Lehrer P.D. und Madame Ouspensky sowie den rätselhaft genialen G.I. Gurdjieff. Auch während seiner weiteren beruflichen Karriere – als Rechtsvertreter der osmanischen Sultanserben, als Mathematiker an der einheitlichen Feldtheorie, als Forscher in der Kohleindustrie und als innovativer Bildungsreformer – sucht Bennett unerschrocken weiter und fragt intelligent und respektvoll, mit universaler Bildung und gesundem Menschenverstand nach der gemeinsamen innersten Wahrheit aller Religionen. Seine jahrzehntelange Lehrtätigkeit und seine bahnbrechenden Schriften beeinflussen Tausende sinnsuchender Menschen und machen östliche Meister wie Pak Subuh, Shivapuri Baba, Idries Shah und Hasan Shushud im Westen bekannt. Schließlich findet Bennett, am Ende seines hier mit beeindruckender Ehrlichkeit bilanzierten Lebens, den Weg zur absoluten Befreiung.

Textauszug

Wir können den Bedürfnissen der Welt nicht den Rücken kehren, vor allem dann nicht, wenn wir überzeugt sind, dass sie in einem größeren Rahmen als allein auf diesem Planeten eine Rolle spielen. 'Bewusste Arbeit und absichtliches Leiden' sind jetzt verlangt – vor allem von denen, die fähig sind, die Saat der neuen Zeit zu säen. Mehr als je zuvor braucht die Welt Menschen, die innere Freiheit erlangt haben und bedingungslos lieben können.
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Wenn man sich ernsthaft der Führung des Gewissens anvertrauen will, muss man bereit sein, ihm zu folgen, wohin es auch führen mag. Es gibt keine Befehle, sondern ist eine leise, kleine Stimme, die man leicht zum Schweigen bringen kann. Es drängt nicht und schreit nicht, doch wenn wir ihm vertrauen, so vertraut es uns auch und zeigt sich immer offener, wird uns immer mehr bewusst.
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Eine von Gurdjieffs subtilen Einsichten in die menschliche Natur bestand in seiner Lehre vom 'Grundzug'. Jeder von uns hat einen zentralen Charakterzug, der seine sämtlichen Reaktionen färbt. Das ist unser blinder Fleck, den wir zwar in seinen Äußerungen erkennen mögen, aber wir sehen seinen Ursprung nicht. Solange er unbewusst und mechanisch in uns wirkt, ist er unsere schlimmste Schwäche, doch wenn wir von ihm Abstand gewinnen können und ihn in Aktion kritisch beobachten, wird er unsere wichtigste Stärke.
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Ich war im Zug – etwa eine Stunde hinter Calais – gerade mit dem Essen fertig und trank meinen Kaffee. Als ich die Tasse absetzte, wurde ich plötzlich auf meinen Atem aufmerksam, und in dem Augenblick, wo der Strom des Atems sich vom Einatmen zum Ausatmen umkehrt, wurde ich der Ewigkeit inne. Zum ersten Mal in meinem Leben erlebte ich einen zeitlosen Moment – ganz anders als jene Zustände zwischen Schlafen und Wachen, wo man lebhafte Träume haben kann, die Stunden zu dauern scheinen und doch nur Sekunden dauern. Das hier war absolut nicht traumhaft: keine Visionen, keine Bilder, nichts rührte sich, nicht einmal ein Gedanke. Es war ein Augenblick reinen Erkennens, eine leuchtende Gewissheit. Im Mittelpunkt stand die Wahrheit, dass der Wille unvergänglich ist. Der Körper vergeht, und alle Funktionen, die von ihm abhängen, werden zu Träumen und verfliegen endlich. Sogar mein Selbst, meine ganze Existenz und da 'Ich'-Gefühl, das sie begleitet, waren zeitlich. Mein Wille jedoch stand außer halb von Zeit und Raum, und nichts konnte ihn zerstören.
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Solche [Übungen und] Praktiken haben jedoch auch eine Kehrseite, die man nicht übersehen darf. Sie degenerieren leicht zu etwas, das Gurdjieff 'arbeiten, um die Arbeit zu umgehen' nannte; man unterzieht sich relativ leichten Anstrengungen und verheimlicht damit vor sich selbst, dass man sich vor dem eigentlichen Opfer drückt. Das ist im religiösen Leben und bei der Suche nach spirituellen Werten eine schlimme Fallgrube. Schlimmstenfalls führt es zu einem Pharisäertum, das sagt: 'Gottlob bin ich nicht wie andere Menschen', und bestenfalls ist es immer noch ein gefährlicher Selbstbetrug. Ich habe vielversprechende spirituelle Bewegungen abtreiben und schließlich stagnieren sehen, weil sie in regelmäßig geübten Praktiken wie Gebet, Meditation, Fasten und Selbstkritik oder in ihrer Wohltätigkeit erstarrten. All das kann leicht zu einer Nebelwand werden, die das eigentliche Ziel den Blicken entzieht: den tiefsitzenden Egoismus und die Eigenliebe, denen man mit keiner Anstrengung beikommt.
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Die Idee, an mir selbst zu arbeiten, um eine höhere Seinsebene zu erreichen, war in den Jahren seither der rote Faden gewesen, der all die verschiedenartigen Ereignisse verband. Ich hatte nie daran gezweifelt, dass es möglich war, höhere Seinsebenen zu erreichen und dass Gurdjieffs System, wie es von Ouspensky gelehrt wurde, der Schlüssel war. Es war jetzt keine Theorie mehr, die nur meinen Verstand fesselte, sondern eine Überzeugung, die auf meiner eigenen Erfahrung beruhte. Wenn ich mich allerdings fragte, ob ich tatsächlich in Richtung auf mein Ziel des höheren Seins vorangekommen war, konnte ich dafür keine Bestätigung finden. Sicherlich hatte ich mich in mancher Hinsicht geändert, aber gab es da irgendetwas, das man nicht einfach dem natürlichen Reifungsprozess eines Mannes zuschreiben konnte, der ein ereignisreiches Leben geführt hatte?
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Während dieser Zeit im Kloster vermittelte mir das Latihan mehrere Erleuchtungserlebnisse. Einmal hörte ich eine Stimme in mir sagen: 'Unterwerfung unter den Willen Gottes ist die Grundlage aller Religion.' Dann wurde mir die Gegenwart Jesu bewusst, und ich sah, dass er die Manifestation der Liebe Gottes ist. Der Gedanke stieg in mir auf: 'Dann ist das Christentum die eine wahre Religion.' Im gleichen Moment sprachen sich in mir jedoch die Eröffnungsworte des Koran: 'Al hamd ul Illah rabb-il alamin ar-Rahman ar-Rahim – Preis sei Gott, dem Herrn beider Welten, dem Allergnädigsten, dem Allbarmherzigen.' Dann sagte die gleiche Stimme: 'Es ist mein Wille, dass meine Kirche und der Islam vereinigt werden sollen.' Ich fragte verwundert: 'Wer kann das erreichen?' Und die Antwort kam: 'Maria.'
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Über siebzig Jahre ist es her, dass ich Fragen zu stellen begann und Antworten bekam, die sich mir einprägten. Ich fragte meine Mutter: 'Warum können wir Gott nicht sehen?', worauf sie erwiderte: 'Ich nehme an, weil Er es nicht möchte.' Das genügte mir damals nicht, aber es genügt mir heute. Ich verstehe jetzt viel besser, weshalb manche Geheimnisse bestehen bleiben müssen und weshalb andere gelüftet werden können. Ich bin fest überzeugt, dass in der Welt eine Vorsehung am Werk ist, doch sie kann uns nur helfen, wenn wir einwilligen.

Herausgeber/Autor


Mitarbeiter

Übersetzt von Jochen Eggert
Illustriert von Robert Cathomas