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Gerne tief schürfen

Peter G. Mayr

Claudia Vitek
© Privat













PETER G. MAYR,
Leiter des Instituts für Zivilgerichtliches Verfahren an
der Universität Innsbruck, geht Aufgaben gerne
umfassend an – aktuell hat er sich mit dem europäischen
Zivilverfahrensrecht befasst.


Studierende sind keine Frühaufsteher. Am Institut für Zivilgerichtliches Verfahren herrscht heilige Ruhe, auf den Gängen kein Mensch. Es ist die Stille, die Peter Mayr, seit fünf Jahren Leiter des Instituts für Zivilgerichtliches Verfahren, mag. So wie fast jeden Tag ist er gegen sieben Uhr mit dem Fahrrad auf die Uni gekommen. „Ich bin ein Morgenmensch“, sagt er gut gelaunt. Er hat eine Reihe von organisatorischen Agenden, die er erledigen muss, bevor der Betrieb auf der Uni anläuft. Peter Mayr hat Routine, er ist seit 1979 mit dem Institut verbunden – in unterschiedlichen Funktionen.

Als waschechter Tiroler wurde er 1956 als eines von fünf Kindern in Innsbruck geboren. Sein Vater war Mittelschullehrer und Altphilologe, der Sohn Vorzugsschüler, der sich besonders für Geschichte und Politik interessierte. „Naturwissenschaftliche Fächer lagen mir wenig, die habe ich halt einfach gelernt“, erinnert er sich.

Sein historisches Interesse brachte ihn nach der Matura zum Jusstudium. Während seiner Zeit beim Bundesheer belegte er rechtshistorische Vorlesungen. „Da habe ich Feuer für die Juristerei gefangen“, sagt er. Nach der Promotion 1979 begann er als Assistent an jenem Institut, dem er heute vorsteht. Das universitäre Umfeld gefiel ihm. „Ich publiziere gerne, würde fast sagen, dass es eine Schwäche von mir ist“, sagt er verschmitzt; ab der 200. Publikation habe er aufgehört mitzuzählen. Es macht ihm jedenfalls Freude, sich in ein Problem zu vertiefen, so sehr, dass er fast froh ist, wenn samstags das Wetter schlecht ist und er in Ruhe Dinge durchdenken kann. Für das „G.“ wie Georg in seinem Namen habe er sich übrigens im Zuge seiner ersten Publikationstätigkeit Anfang der 1980er-Jahre entschieden, um sich als Autor von seinen vielen Namensvettern zu unterscheiden.

Apropos 1980er-Jahre: Eine ausgesprochen prägende Zeit für Peter G. Mayr war das Jahr 1983, in dem er zur Gerichtspraxis nach Wien kam und bei Irmgard Griss, damals Richterin am Handelsgericht Wien, als Rechtspraktikant arbeitete. „Sie war extrem gut organisiert“, erinnert er sich. Der junge Tiroler vernetzte sich auch mit den Wiener Juristen, besuchte Lehrveranstaltungen bei Hans Fasching. In dessen Seminaren lernte er auch Andreas Konecny kennen, einer der sieben Mitautoren, die an dem von Mayr bei MANZ herausgegebenen, umfangreichen „Handbuch des europäischen Zivilverfahrensrechts“ mitgeschrieben haben. „Das Material ist in den letzten Jahrzehnten explodiert. Es ist fast unmöglich, den Überblick zu bewahren“, sagt er und bezeichnet sich als überzeugten Europäer, nicht ohne den ausufernden Wildwuchs von Rechtsnormen in manchen Bereichen zu kritisieren. Bei Rechtshilfe, Zustellungen oder Zuständigkeiten gäbe es Vereinfachungsbedarf. Aber es sei eben nicht so einfach, unterschiedliche Nationen und ihre Rechtsordnungen einander anzugleichen.

Nach seiner Gerichtspraxis in Wien ging Mayr erst einmal zurück nach Innsbruck, wo er sich im Rahmen seiner Habilitation mit Rechtsschutzalternativen befasste. 1995 hatte er sie fertig geschrieben, wagte dann allerdings einen Ausfl ug als Programmleiter des Facultas-Verlags in Wien. Doch die Uni fehlte ihm. „Ich unterrichte gerne“, sagt er, das sei auch die Motivation für die diversen Lehrbücher gewesen, die er verfasst hat.

Als Institutsleiter hält ihn die Universität ziemlichauf Trab, „so sehr, dass ich mich manchmal richtig zusammenreißen muss, um mein Privatleben nicht zu vernachlässigen.“ Damit meint er Bergsteigen, Radfahren und Schifahren und sein „Häusl im Wald“, in dem er im Sommer gerne mit seiner zweiten Frau im Garten arbeitet. „Wahrscheinlich eine Alterserscheinung“, schmunzelt er. Gemeinsam haben die beiden eine Patchworkfamilie und jeweils zwei erwachsene Kinder. Peter Mayrs Tochter ist übrigens Juristin. „Ohne mein Zutun“, wie er betont, und erinnert sich, dass sein Vater ihn, als er jung war, vor dem Juristenberuf sogar dezidiert gewarnt hat.

Zu Unrecht, denn Peter Mayr hat noch einige Themen im Köcher, in die er sich noch vertiefen möchte. Pläne abseits der Gesetze? Ferien machen, „weil ich da am besten von der Arbeit loskomme“, sagt er und irgendwann in der Pension wolle er vielleicht mit einem Wohnmobil lange Reisen unternehmen. Sonst, sagt er, wünsche er sich, dass alles so bleibt, wie es ist. Das Zufriedensein müsse man sich schließlich auch erst erarbeiten.


Karin Pollack