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Zeitschriften Cover

Österreichische
JURISTEN-ZEITUNG

Inhaltsverzeichnis

ISSN: 0029-9251
Reihe: Österr. Juristen-Zeitung (ÖJZ)
Verlag: Manz Verlag Wien
Format: Zeitschrift
Jahrgang 2017- mehr unter www.oejz.at
ÖJZ aktuell
Fortpflanzungsmedizinrecht neu
Gerhard Hopf
 
Die Zulässigkeit der Revision an den Verwaltungsgerichtshof
Peter Nedwed
 
Wenn das Gericht mehr sieht als die Parteien
Grundlagen, Einschränkungen und Ausschluss der Parteiöffentlichkeit im Zivilprozess
Der Grundsatz der Parteiöffentlichkeit ist die Basis eines fairen Verfahrens und prägt die Arbeitsgemeinschaft Zivilprozess. Zahlreiche Ausnahmen dokumentieren aber, dass das Prinzip nicht unbeschränkt gilt. Auch im Zivilprozess können Parteien von Teilen des Verfahrens ausgeschlossen werden.
Art 6 EMRK; § 289 ZPO
Parteiöffentlichkeit; rechtliches Gehör; Geheimnisse; geheimes Zwischenverfahren
Jürgen C.T. Rassi
Der Erfüllungsgehilfenbegriff im Lichte der aktuellen Rechtsprechung
Wer ist Erfüllungsgehilfe? Diese Frage, die für den Geschädigten zur Rechtsdurchsetzung von zentraler Bedeutung ist, hat im Lichte der jüngsten Rsp des OGH an Brisanz gewonnen. Der folgende Beitrag arbeitet die hierzu entwickelten Abgrenzungskriterien systematisch auf und geht der Frage nach, ob die Rechtsprechung § 1313a ABGB noch im Einklang mit diesen Kriterien auslegt.
OGH 26. 6. 2014, 8 Ob 53/14y
§§ 1313a, 1315, 1293ff ABGB
Gehilfenhaftung; vertragliches Pflichtenprogramm; Interessenverfolgungsprogramm; Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten Dritter
Bernhard Burtscher
Braucht Österreich mehr direkte Demokratie?
Mit ihrem Modell einer obligatorischen Volksbefragung über ein qualifiziert unterstütztes Volksbegehren hat sich die Verfassungsmehrheit des Nationalrats gegen Ende der letzten Legislaturperiode sehr weit vorgewagt. Ist es sinnvoll, diesen geplanten Ausbau der direkten Demokratie weiterzuverfolgen, wie dies im Regierungsprogramm vorgesehen ist?
Art 1, 41, 49b B-VG
direkte Demokratie; Volksbefragung; Volksbegehren
Theo Öhlinger
Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs zum Gewerberecht 2013
Der Beitrag bringt eine Übersicht über die wichtigsten Entscheidungen des VwGH zum Gewerberecht aus dem Jahr 2013.
§§ 19, 32 Abs 1 Z 9, §§ 53a, 81, 86 Abs 1, § 87 Abs 1 Z 1, § 87 Abs 1 Z 3, § 94 Z 20, § 155 Abs 2, §§ 338, 353, 363 Abs 4, §§ 365l, 367 Z 54, § 370 Abs 3, § 373c, 373d GewO 1994; § 44a VStG; §§ 8, 93 Abs 2 ASchG; AuslBG; § 35 SPG; Art 6 StGG
Gewerbeberechtigung; Befähigungsnachweis; gewerbliche Betriebsanlage
Christoph Kleiser
 
Christoph Brenn, Helge Hoch, Eckart Ratz, Ronald Rohrer
Amtshaftungsrecht
Absturz während der Pilotenprüfung
OGH 17. 6. 2014, 1 Ob 79/14w (OLG Linz 4 R 5/14d; LG Linz 31 Cg 46/12v)
§ 1 AHG; §§ 26, 29, 37 LFG
Mit einem Hinweis von Christoph Brenn
Arbeitsrecht
Beweislastverteilung im Fall sexueller Belästigung
OGH 26. 5. 2014, 8 ObA 55/13s (OLG Wien 8 Ra 1/13w; ASG Wien 13 Cga 142/08h)
Art 4 RL 97/80/EG; § 18 Abs 4 W-GlBG; § 4c VBO 1995
Mit einem Hinweis von Ronald Rohrer,
Mit einer Anmerkung von Florian Scholz, Universität Wien
Außerstreitverfahren
Verlassenschaftskurator: Kündigung der Wohnung des Erbansprechers
OGH 25. 6. 2014, 9 Ob 35/14h (OLG Innsbruck 2 R 29/14b; LG Innsbruck 12 Cg 57/13g)
§ 173 AußStrG; § 810 ABGB
Mit einem Hinweis von Ronald Rohrer,
Mit einer Anmerkung von Stephan Verweijen, öffentlicher Notar in Wien
Konsumentenschutzrecht
Umstellung auf elektronische Telefonrechnung ist unzulässig
OGH 17. 7. 2014, 4 Ob 117/14f (OLG Wien 1 R 21/14m; HG Wien 19 Cg 23/13y)
§ 100 TKG; § 28 KSchG
Mit einem Hinweis von Christoph Brenn
Schadenersatzrecht
Wer haftet dem gestürzten Fluggast?
OGH 26. 6. 2014, 8 Ob 53/14y (OLG Wien 4 R 240/13p; LG Korneuburg 6 Cg 173/12i)
§§ 1298, 1313a ABGB
Mit einem Hinweis von Ronald Rohrer
Schuldrecht
Rückforderung der Provision nach Aufhebung des vermittelten Geschäfts
OGH 22. 5. 2014, 1 Ob 75/14g (LG Feldkirch 1 R 18/14a; BG Dornbirn 18 C 261/13s)
§ 7 MaklerG; §§ 871ff ABGB
Mit einem Hinweis von Christoph Brenn,
Mit einer Anmerkung von Christof Paulsen, Universität Klagenfurt
Sozialversicherungsrecht
Pflegegeldanspruch für Inländer ohne österreichische Grundleistung
OGH 17. 6. 2013, 10 ObS 2/14p (OLG Wien 9 Rs 102/13f; ASG Wien 1 Cgs 150/12y)
§ 3a Abs 1, § 7 BPGG
Mit einem Hinweis von Helge Hoch
Strafprozessrecht
Prozessuale Behandlung unterlassener Diversion
OGH 12. 8. 2014, 14 Os 43/14a (LG Wr Neustadt 39 Hv 167/13z)
§ 281 Abs 1 Z 10a, § 288 Abs 2 Z 2a StPO
Mit einem Hinweis von Eckart Ratz
Strafrecht
Eingetragene Agrargemeinschaften und Missbrauch der Amtsgewalt
OGH 11. 8. 2014, 17 Os 1/14x (LG Innsbruck 25 Hv 125/13y)
§ 302 Abs 1 StGB
Mit einem Hinweis von Eckart Ratz
Missbrauch der Amtsgewalt durch mündliche Organstrafverfügung
OGH 11. 8. 2014, 17 Os 36/14v (LGSt Wien 51 Hv 20/14d)
§ 302 Abs 1 StGB (§ 50 VStG; §§ 1f OrgStVfgV)
Mit einem Hinweis von Eckart Ratz
 
Christoph Brenn, Helge Hoch, Eckart Ratz, Ronald Rohrer
Arbeitsrecht
Entlassung der im Krankenstand verreisten Arbeitnehmerin
OGH 25. 8. 2014, 8 ObA 47/14s
§ 82 lit f GewO 1859 (§ 27 Abs 1 AngG)
Außerstreitverfahren
Anfechtbarkeit der Bestellung des Besuchsmittlers
OGH 23. 7. 2014, 8 Ob 61/14z
§ 106b AußStrG (§ 45 AußStrG)
Abänderungsantrag entspricht der Wiederaufnahmeklage
OGH 21. 8. 2014, 3 Ob 108/14z
§ 73 AußStrG (§§ 116, 530 ZPO)
Personenrecht
Keine Unterbringung von Jugendlichen in einer Station für erwachsene Straftäter (Trennungsgebot)
OGH 9. 7. 2014, 7 Ob 107/14g
§ 34a UbG (§ 36 Abs 3, § 55 Abs 2 und § 57 JGG)
Sachenrecht
Servitut erlischt nicht bei Offenkundigkeit oder Schlechtgläubigkeit
OGH 4. 9. 2014, 5 Ob 27/14b
§ 1500 ABGB (§§ 485, 844 ABGB)
Schadenersatzrecht
Pränatale Diagnostik: Reichweite des Schutzzwecks des Behandlungsvertrags
OGH 23. 7. 2014, 8 Ob 54/14w
§ 1311 ABGB (§§ 1295, 1299 ABGB)
Haftung der Bank richtet sich nach dem Anlageziel, nicht aber nach der Dokumentation
OGH 17. 9. 2014, 4 Ob 126/14d
§ 1295 ABGB
Sozialversicherungsrecht
Keine Änderung der irrtümlich beantragten Bezugsvariante beim Kinderbetreuungsgeld (KBG)
OGH 15. 7. 2014, 10 ObS 179/14m
§ 26a KBGG (idF BGBl I 2009/116)
Zivilprozessrecht
Die Zulassung eines Nebenintervenienten ist großzügig zu handhaben
OGH 4. 9. 2014, 5 Ob 130/14z
§ 17 ZPO
Strafprozessrecht
Verfassungsrechtliche Bedenken gegen SVBeweis der StPO
OGH 16. 9. 2014, 11 Os 26/14d
§ 126 Abs 4 StPO (§ 126 Abs 2c und Abs 3, § 128 Abs 2a StPO; Art 6 Abs 3 lit d zweiter Fall MRK; Art 89 Abs 2 B-VG)
Überschüssige Feststellungen berechtigen nicht ohne weiteres zur Sachentscheidung
OGH 26. 8. 2014, 11 Os 49/14m
§ 288 Abs 2 StPO
Verteidigerzwang im Verfahren vor dem ER LG als NG oder bloße Gesetzesverletzung
OGH 14. 8. 2014, 13 Os 71/14m
§ 61 Abs 1 Z 5 StPO (§§ 9, 23 Abs 1, § 281 Abs 1 Z 1a, § 489 Abs 1 erster Satz, 292 StPO)
 
Maria Berger, Christoph Brenn, Hans Peter Lehofer
Keine Heilung der Unzuständigkeit durch Abwesenheitskurator
Internationale Zuständigkeit; Heilung; unbekannte Abgabestelle; verfahrenseinleitendes Schriftstück; Abwesenheitskurator
EuGH 11. 9. 2014, C-112/13, A
Art 24 EuGVVO (Art 47 GRC; Art 267 AEUV; § 116 ZPO)
Verbot für Luftfahrtunternehmen, Zusatzkosten für aufgegebenes Fluggepäck zu verlangen, ist mit Unionsrecht nicht vereinbar
Verbraucherschutz; Luftverkehr; Preisfreiheit
EuGH 18. 9. 2014, C-487/12, Vueling Airlines SA
Art 22 Abs 1 VO (EG) 1008/2008
Gesetzliches Mindestentgelt darf im Rahmen einer Ausschreibung nicht auf Arbeitnehmer von Subunternehmern in anderen Mitgliedstaaten erstreckt werden
Öffentliche Auftragsvergabe; Mindestentgelt
EuGH 18. 9. 2014, C-549/13, Bundesdruckerei
Art 26 RL 2004/18; Art 56 AEUV
Verbraucher, die im Rahmen der allgemeinen Versorgungspflicht mit Strom und Gas versorgt werden, müssen rechtzeitig über Anlass, Voraussetzungen und Umfang von Preiserhöhungen informiert werden
Energieversorgung; Grundversorgung; Transparenz; Verbraucherschutz
EuGH 23. 10. 2014, C-359/11, Schulz und C-400/11, Egbringhoff
Art 3 Abs 5 RL 2003/54/EG; Art 3 Abs 3 RL 2003/55/EG
Vom AG bezahlte Zulage darf bei Teilzeitarbeit aliquotiert werden
Entgelt; sozialer Zweck; Kollektivvertrag; Arbeitsbedingungen; Aliquotierung; Teilzeit
EuGH 5. 11. 2014, C-476/12, ÖGB
§ 4 der Rahmenvereinbarung über Teilzeitarbeit (im Anh der RL 97/81/EG in der durch die RL 98/23/EG geänderten Fassung) (Art 28 GRC; VO 883/2004/EG; § 19d AZG)
Nicht erwerbstätige Unionsbürger, die sich, allein um Sozialhilfe zu beziehen, in einen anderen Mitgliedstaat begeben, können von Sozialleistungen ausgeschlossen werden
Unionsbürgerschaft; Gleichbehandlung; Ausschluss nicht erwerbstätiger Unionsbürger von besonderen beitragsunabhängigen Geldleistungen iS der VO (EG) 883/2004; Voraussetzung ausreichender Existenzmittel für Aufenthaltsrecht für mehr als drei Monate
EuGH 11. 11. 2014, C-333/13, Dano
Art 4 und 70 VO (EG) 883/2004 (Art 7 Abs 1 lit b und Art 24 UnionsbürgerRL 2004/38)
 
Diskussion zum „StGB 2015“
Bericht über die Herbsttagung der Österreichischen Juristenkommission am 21. 10. 2014
Roland Miklau, Präsident der Österreichischen Juristenkommission
 
Kostenseitig
Nochmals: Streitwertfestsetzung und Kostenverzeichnung im Verfahren außer Streitsachen
Josef Obermaier
 
Sprache und Recht.
Kolumnen aus der Österreichischen Juristen-Zeitung. Herausgegeben von der Redaktion der Österreichischen Juristen-Zeitung. Verlag Manz, Wien, 2014. 210 Seiten, geb, Euro 24,–.
Seit einigen Jahren findet sich in der ÖJZ die Rubrik „Sprache und Recht“. Darin wird manches – oft mit einem Schuss Witz und Humor – betrachtet, das Ursache für den schlechten Ruf der Juristensprache ist, und es werden Alternativen angeboten. Das vorliegende handliche Buch (das Gegenteil eines Handbuchs also) enthält die in der ÖJZ seit Heft 19/2010 in unregelmäßiger Folge abgedruckten Glossen in chronologischer Abfolge sowie 22 weitere, die nun wiederum in den nächsten Heften der ÖJZ erscheinen werden.
Ziel der Herausgeberin ist es, mit diesem liebevoll als „Büchlein“ oder „Bändchen“ bezeichneten Buch bei der Austreibung sprachlicher Unarten behilflich zu sein. Dabei bedienen sich die Autoren durchaus unterschiedlicher Methoden zur Abschreckung, wie etwa der Erstellung eines Leitfadens für richtiges Amtsdeutsch (in zwei Teilen). Darin wird das Amtsdeutsch als eine entfernt mit dem Deutschen verwandte Sprache definiert, die nirgends unterrichtet wird, aber das wichtigste Werkzeug des Beamten ist, insbesondere wenn er Jurist ist. Diejenigen, die es als überflüssiges Bürokratengeschwätz verunglimpfen, verkennen, dass es sich dabei um eine jener Geheimsprachen handelt, die unentbehrlich sind für alle Berufe, in denen nicht mit Bohrer und Blechschere gearbeitet wird, sondern mit toten Zahlen oder Paragraphen. Daher gilt als Grundregel des Amtsdeutsch: Einfache Zeitwörter sind verboten! Wer oder was auch immer ist nicht, sondern befindet sich, beziffert sich oder stellt dar. Auch empfiehlt sich die Bildung von Schachtelsätzen, die aus der richtigen Motivation heraus entstehen müssen, nämlich aus der totalen Geringschätzung des Lesers. Dieser verdient keinerlei Achtung, sondern hat vielmehr selbst welche zu haben, und was gebietet mehr Achtung als ein schwindelerregender Satzpalast. Besonders jene Verschachtelungen, bei denen das Verb an das Ende des Satzes verscheucht wurde, bestechen. Die Hauptwaffe aller guten Verschachteler ist jedoch der mehrfache Einschub von Nebensätzen verschiedener Ordnung: „Derjenige, der denjenigen, der den Pfahl, der an der Brücke, die auf dem Weg, der nach Worms führt, liegt, steht, umgeworfen hat, anzeigt, erhält eine Belohnung.“
Auch Tautologien (hier und da, nie und nimmer, schließlich und endlich), Pleonasmen (ich habe es mit eigenen Augen gesehen, rein gar nichts, dichtes Gedränge) und Redundanzen (wenn ich den erwische, dann setzt es Prügel, dass es nur so kracht) sind gerade unter Juristen beliebte rhetorische Stilformen. Ergänzt werden diese durch unechte Hauptwortkonstruktionen, womit gekünstelte Floskeln ohne jede Notwendigkeit gemeint sind. Beispiele gefällig? Der Abweisung verfallen statt abweisen, in Erwägung ziehen statt erwägen, in keinster Weise statt nicht oder ein Ding der Unmöglichkeit statt unmöglich. Ganz zu schweigen von jenen Wortkreationen, die auf Sprachkongressen seit Generationen für entsetztes Raunen sorgen, aber nicht auszurotten sind, wie zB anheimfallen, beamtshandeln, Generalien, glaublich, nachgerade, schlechterdings, solcherart.
Außerdem hat das Amtsdeutsch eine Reihe von Wortschöpfungen hervorgebracht, die schon dann unverständlich, sperrig und hässlich sind, wenn man sie nicht auch noch – wie selbstverständlich – als Abkürzung verwendet. Solche „Wörter für den Giftschrank“ sind etwa bzgl für bezüglich, da für dortamts, ha für hieramts, hg für hiergerichtlich, og für oben genannt oder oz für obzitiert.
In diesem Zusammenhang tritt die oft unrichtige Verwendung des Genitivs, des Wortes beziehungsweise ohne echte Beziehung, der im Duden mit bloß einem von fünf Häufigkeitsbalken und dem Beisatz: „österreichisch, sonst selten“ versehenen Worte sohin und hinkünftig sowie die Verwendung oder Nichtverwendung des Binnen-I völlig in den Hintergrund.
Was wäre groß verloren, wenn die Klammerausdrücke wegfielen? Als störende Praxis der (etablierten) Juristensprache erweist sich die (zu beobachtende) Tendenz zu (beschreibenden) Adverbialen, die – um es mit Franz Klein auszudrücken – nicht „zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung notwendig“ sind, sondern ein (sonst alleinstehendes) Hauptwort durch eine (spezifische) Eigenschaft näher beschreiben, die schlechthin selbstverständlich, deren Beifügung also überflüssig ist. Beispiele gefällig? Die eingebrachte Klage, das stattgefundene Beweisverfahren oder die durchgeführte Verhandlung.
Ein weiterer Vorschlag: Juristische Texte sollten das Wort gegenständlich vermeiden. Es gibt die gegenständliche Kunst im Gegensatz zur abstrakten, aber doch keinen abstrakten Verkehrsunfall als Gegensatz zum gegenständlichen Verkehrsunfall. Und überhaupt: Ein Schriftsatz oder Urteil befasst sich ja doch hoffentlich mit dem Streitgegenstand. Um welchen anderen als den gegenständlichen Verkehrsunfall sollte es sich also handeln? Apropos Verkehrsunfall. Auch der ist Ausgangspunkt für viele Stilblüten vorwiegend in mit dem Diktiergerät verfassten Verhandlungsprotokollen. Da ist oft vom Fahrstreifen des Klägers, seinem Blinker und seinem Reifen die Rede, als wären Auto und Selbst nicht zu unterscheiden. Es geht ja noch an, dass der Kläger blinkt, bremst oder hupt (sein Fahrzeug tut’s ja nur, weil er es dazu bringt). Dass der Kläger und der Beklagte aber – abseits des Bodychecks beim Eishockey – miteinander kollidieren, wird dann schon abwegiger. All das kulminiert im schon legendären Beispiel: „Der Kläger fuhr der Beklagten mit seiner Stoßstange hinten hinein.“
Die Liste der in diesem Buch behandelten sprachlichen Unarten als Auswüchse des Amtsdeutsch in gerichtlichen Entscheidungen, Schriftsätzen und Aufsätzen ließe sich noch lange fortsetzen. Denjenigen, deren Interesse an weiteren abschreckenden und zugleich unterhaltsamen Stilblüten geweckt wurde, ist der Kauf dieses „Büchleins“ oder „Bändchens“, das auch als Geschenk für sprachlich interessierte juristische Laien durchaus geeignet ist, zu empfehlen.
Ronald Kunst
Staatsausgaben in Gliedstaaten föderaler Systeme.
Deutschland, Österreich, Schweiz, USA, Kanada und Australien im Vergleich. Von Björn Egner. Nomos, Baden-Baden 2012. 302 Seiten, br, Euro 54,–.
Dieses Buch untersucht, wie sich sozioökonomische Rahmenbedingungen und politische Faktoren auf die Höhe der Staatsausgaben in Gliedstaaten föderaler Systeme in Österreich und fünf weiteren Ländern auswirken. Den ersten Schwerpunkt bildet die Prüfung von klassischen Hypothesen der Politischen Ökonomie (Verortung der Parteien auf der ideologischen Dimension, Nutzen maximierendes Handeln politischer Akteure, Verteilungskonflikte in Parlamenten und Regierungen). Weiterhin werden die Finanzbeziehungen zwischen den Ebenen (Bund/Gliedstaaten) sowie innerhalb der gliedstaatlichen Ebene zum Ausgangspunkt weiterer Analysen gemacht. Trotz der sehr unterschiedlichen Struktur der sechs untersuchten Länder werden dabei institutionelle Ähnlichkeiten herausgearbeitet, die ähnliches Verhalten der Gliedstaaten in der Ausgabenpolitik verursachen.
Martin Kind
Verwaltungsverfahrensgesetze.
19. Aufl. Herausgegeben von Rudolf Thienel und Klaus Zeleny. Verlag Manz, Wien 2014. 570 Seiten, geb, Euro 68,–.
Im Zusammenhang mit der Ausgabe „Verwaltungsverfahrensgesetze“ von Thienel und Zeleny spricht man in der Fachwelt schon seit Langem von einem Klassiker. Dem Status eines Klassikers entsprechend verwundert es daher auch nicht, dass aufgrund der Verwaltungsgerichtsbarkeits-Novelle 2012 die bisherige 18. Ausgabe der Verwaltungsverfahrensgesetze komplett überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht wurde. Mit der Verwaltungsgerichtsbarkeits-Novelle 2012 ist insofern ein Systemwechsel eingetreten, als der bisherige administrative Instanzenzug grundsätzlich abgeschafft (Ausnahme Gemeinde) und die zweistufige Verwaltungsgerichtsbarkeit eingeführt worden ist. Diese Änderung hat naturgemäß auch Einfluss auf die Verwaltungsverfahrensgesetze. So sind zB die UVS aufgelöst worden und die Verfahren nunmehr in neuen Gesetzen, wie im VwGVG, in der BAO und im FinStrG geregelt. Trotzdem halten Thienel und Zeleny vollkommen zu Recht fest, dass trotz der neueingeführten Verwaltungsgerichtsbarkeit die Verwaltungsverfahrensgesetze nichts an Bedeutung verloren haben. Nach wie vor stellen sie die zentralen Verfahrensvorschriften im Bereich des Verwaltungsrechts dar.
Mit der Neuauflage wird das Werk „Verwaltungsverfahrensgesetze“ auf den Stand der Rechtslage vom 1. 1. 2014 gebracht. Wie gewohnt sind die Neuerungen durch Unterstreichungen hervorgehoben. Damit erkennt der Praktiker mit einem Blick, was geändert worden ist. Die Kommentierungen zu den einzelnen Paragraphen entsprechen dem bisherigen hohen Niveau. Nach wie vor ist daher die Ausgabe „Verwaltungsverfahrensgesetze“ von Thienel und Zeleny ein verlässlicher Begleiter für alle jene, die sich in der Praxis oder Theorie mit dem Verwaltungsverfahrensrecht zu beschäftigen haben.
Martin Paar
Handbuch Generalversammlung der GmbH.
Herausgegeben von Johannes Reich-Rohrwig, Oliver Ginthör und Martin Gratzl. Verlag Manz, Wien 2014. XXII, 310 Seiten, geb, Euro 68,–.
Die GmbH ist die mit Abstand häufigste Rechtsform für Unternehmen in Österreich. Der Generalversammlung als idR mächtigstes (weil gegenüber den Geschäftsführern der GmbH weisungsbefugtes) Organ der Gesellschaft kommt dabei zentrale Bedeutung zu.
In diesem Sinne beleuchten 16 Autoren – allesamt „Praktiker“ (vorwiegend Rechtsanwälte), die regelmäßig mit einschlägigen Problemstellungen konfrontiert sind – die wesentlichsten Rechtsfragen insb im Zusammenhang mit der Einberufung von Generalversammlungen (Ort, Fristen, Tagesordnung usw), deren Abhaltung und Vorsitzführung sowie der Protokollierung und Anfechtung von Gesellschafterbeschlüssen.
Für Geschäftsführer und Gesellschafter sowie deren Rechtsberater liegt damit ein Handbuch vor, das durch seine Aktualität besticht und Rechtsfragen, die bei und in Generalversammlungen regelmäßig auftreten, durchaus ausführlich behandelt. Anders als bei manch anderen Werken mit zahlreichen Verfassern handelt es sich bei diesem Buch übrigens nicht bloß um eine Sammlung verschiedenster Aufsätze zu einzelnen relevanten Themen; vielmehr ist es den Herausgebern in geradezu vorbildlicher Weise gelungen, ein Werk in einem Guss zu schaffen. Lediglich bei der Tiefe der Verweise in den Fußnoten (und aus welchen Gründen immer auch bei der Zitierweise va von Gerichtsentscheidungen) sind zwischen den einzelnen Kapiteln doch Unterschiede auszumachen. Das schmälert freilich die Bedeutung des Buchs im Hinblick auf dessen Handhabung in der Praxis keineswegs.
Positiv erwähnenswert sind schließlich auch die in nahezu sämtlichen Abschnitten und Kapiteln besonders hervorgehobenen Praxistipps sowie Mustertexte im Anhang (zB zur Einberufung einer Generalversammlung sowie zur gerichtlichen Beschlussanfechtung nach §§ 41ff GmbHG), die eine ideale Ergänzung zu Mustern und Vorlagen in anderen verfügbaren Werken zum GmbH-Recht (insb im von Umfahrer im Manz Verlag publizierten Handbuch) bilden.
Gerhard Hochedlinger
Handbuch Wiener Regeln.
Ein Leitfaden für die Praxis. Herausgegeben vom Internationalen Schiedsgericht der Wirtschaftskammer Österreich, Wien 2013. 432 Seiten, br, Euro 75,–.
Am 1. 7. 2013 sind die neuen Schiedsregeln des Internationalen Schiedsgerichts der Wirtschaftskammer Österreich („Wiener Regeln“) in Kraft getreten. Hauptpunkte der Reform sind die Regelung der Einbeziehung Dritter in das Schiedsverfahren; die Neuregelung der Verbindung von Schiedsverfahren; eine Erweiterung der Befugnisse des VIAC-Präsidiums bei der Bestellung des Schiedsgerichts in Mehrparteiensituationen; die Einführung eines Bestätigungserfordernisses für alle von den Parteien oder den Co-Schiedsrichtern benannte Schiedsrichter; die Einführung eines (fakultativen) beschleunigten Verfahrens; sowie Neuregelungen betreffend die Verfahrenskosten, wobei in allen diesen Punkten auf die Wahrung der Flexibilität der Wiener Regeln Bedacht genommen wurde.
Zur Erläuterung der neuen Wiener Regeln hat das VIAC (zusätzlich zur offiziellen Präsentation am 4. 9. 2013 und zahlreichen „Road-Shows“ für die Anwender der Wiener Regeln im In- und Ausland) in deutscher und englischer Sprache einen ausführlichen Kommentar herausgegeben. Die Beiträge stammen von Angehörigen des VIAC und seines Sekretariats, Vertretern der Wissenschaft und der Rsp sowie zahlreichen regelmäßig als Parteivertreter oder Schiedsrichter tätigen Juristen und Juristinnen im In- und Ausland (in alphabetischer Reihenfolge: Anton Baier, Jens Bredow, Daniel Busse, Alice Fremuth-Wolf, Ulrike Gantenberg, Anne-Karin Grill, Wolfgang Hahnkamper, Florian Haugeneder, Wulf Gordian Hauser, Manfred Heider, Günther Horvath, Anne Hoßfeld, Thomas Klötzel, Christian Koller, Richard Kreindler, Wolfgang Kühn, Patrizia Netal, Paul Oberhammer, Philipp Peters, Alexander Petsche, Nikolaus Pitkowitz, Karl Pörnbacher, Walter Rechberger, Stefan Riegler, Friederike Schäfer, Markus Schifferl, Erich Schwarzenbacher, Barbara Steindl, Christoph Stippl, Rolf Trittmann, Venus Valentina Wong und Gerold Zeiler). Bei den Kommentierungen handelt es sich freilich nicht um eine „authentische Interpretation“ der Wiener Regeln. Wie die Herausgeber einleitend klarstellen, geben die Autoren zwar die aktuelle Praxis des VIAC wieder; im Einzelfall kann es jedoch sehr wohl zu abweichenden Entscheidungen kommen. „Weder das VIAC, noch die Organe des VIAC oder die Schiedsrichter, welche in nach den Wiener Regeln durchgeführten Verfahren tätig sind, sind daher in irgendeiner Art und Weise an dieses Handbuch gebunden“ (Einleitung, S 5).
Vor diesem Hintergrund erweist sich das Handbuch als äußerst nützlicher Arbeitsbehelf. Besonders nützlich sind die Kommentierungen natürlich dort, wo Manfred Heider und Alice Fremuth-Wolf als Generalsekretär bzw stellvertretende Generalsekretärin des VIAC die Praxis des Sekretariats in Kostenfragen, etwa bei der Einschreibgebühr (Art 10) und va bei der Zusammensetzung und Berechnung der Verfahrenskosten (Art 44), darlegen. Sie behandeln auch die immer wieder von Neuem auftretenden Fragen der Behandlung von Umsatzsteuer auf die Schiedsrichterhonorare und der Entlohnung eines allfälligen Verwaltungssekretärs (S 277).
Da die Regelung der Einbeziehung Dritter in das Schiedsverfahren ein Hauptpunkt der Reform der Wiener Regeln ist, gehört die Kommentierung von Art 14 durch Paul Oberhammer und Christian Koller auch zum Kern des neuen Handbuchs. Die Kommentatoren zeigen sehr plastisch, dass Art 14 dahin unterscheidet, ob die Drittperson einen Anspruch geltend macht/gegen sie ein Anspruch geltend gemacht wird (Einbeziehung mit Schiedsklage) oder ob die Drittperson ohne Geltendmachung eines Anspruchs durch oder gegen sie am Verfahren teilnehmen soll (Einbeziehung ohne Schiedsklage, etwa als bloßer Streithelfer). Ferner stellen sie klar, dass Art 14 bei der Einbeziehung einer Drittperson mit Schiedsklage keine Zuständigkeitsgrundlage bildet, sondern entsprechend dem konsensualen Charakter des Schiedsverfahrens die Zuständigkeit des Schiedsgerichts hinsichtlich der Drittperson vielmehr voraussetzt (S 75). Über die Fragen, ob die Drittperson an die Schiedsvereinbarung gebunden ist und ob sich die Parteien (ausdrücklich oder schlüssig) mit der Entscheidung aller Ansprüche in ein und demselben Schiedsverfahren für einverstanden erklärt haben, entscheidet das Schiedsgericht aufgrund seiner Kompetenz-Kompetenz „unter Berücksichtigung aller maßgeblichen Umstände“ (Art 14 Abs 1), wobei die Autoren die relevanten Umstände auf S 77–80 eingehend erörtern. Sie verweisen ferner zutreffend und nachdrücklich auf den engen Zusammenhang zwischen der Einbeziehung der Drittperson mit Klage und der Konstituierung des Schiedsgerichts (S 81f).
Ebenso gut gelungen ist die Kommentierung der Neuregelung betreffend die Verbindung von bereits anhängigen Schiedsverfahren (Art 15, ebenfalls von Paul Oberhammer und Christian Koller). Es wird vorweg festgehalten, dass es sich bei der Verfahrensverbindung um eine administrative Maßnahme des Präsidiums handelt (S 86), das zuvor natürlich die Parteien und die bereits bestellten Schiedsrichter zu hören hat (S 89). Die Autoren legen ferner die – restriktiven – Voraussetzungen für die Verbindung dar, nämlich die Zustimmung aller Parteien oder die Bestellung identischer Schiedsgerichte in allen zu verbindenden Verfahren, und befassen sich mit den sonstigen maßgeblichen Umständen, insb der Vereinbarkeit der zugrunde liegenden Schiedsvereinbarungen und prozessökonomischen Erwägungen (S 90f).
Die Erläuterungen der Art 14 und 15 sind für das Verständnis der neuen Regeln wesentlich und gerade für die ständig wachsende Zahl von Juristinnen und Juristen, die nicht ständig mit Schiedsverfahren befasst sind, unerlässlich. Für eben diese Kolleginnen und Kollegen sind ferner die sorgfältigen Verweise auf die Gebührenpflicht bei der Protokollierung von Schiedsvergleichen wertvoll (Frederike Schäfer, Markus Schifferl und Venus Valentina Wong, S 236), oder die ausführliche Kommentierung der neuen Vorschrift des Art 42 Abs 4 durch Philipp Peters: Art 42 Abs 4 bezieht sich auf den (häufigen) Fall, dass eine Partei (idR die Schiedsbeklagte) mit der Zahlung ihres Teils des Kostenvorschusses säumig war und die andere Partei (idR die Schiedsklägerin) in Vorlage getreten ist, um die Verfahrensbeendigung zu vermeiden. In diesem Fall kann das Schiedsgericht, soweit es seine Zuständigkeit bejaht, die säumige Partei (die Schiedsbeklagte) auch schon vor Beendigung des Verfahrens mit Zwischenschiedsspruch zur Rückerstattung der Ersatzzahlung verurteilen, selbstverständlich vorbehaltlich der Kostenentscheidung im Endschiedsspruch; Verzögerungstaktik bei der Entrichtung der Kostenvorschüsse kann dadurch wirksam bekämpft werden.
Schiedsverfahren sind im internationalen Geschäftsverkehr der ganz normale Streitbeilegungsmechanismus. Es muss daher auch für „Einsteiger“ das Verständnis der Schiedsregeln so leicht wie möglich gemacht werden, wozu das Handbuch einen hervorragenden Beitrag leistet. Wünschenswert wäre zudem die Publikation von (anonymisierten) Schiedssprüchen oder Auszügen aus Schiedssprüchen. Ein solche wird dem Vernehmen nach beim VIAC bereits vorbereitet und soll im 1. Halbjahr 2015 erscheinen.
Christian Aschauer
Kommentar zum Bundesvergabegesetz 2006.
2. Aufl. Herausgegeben von Walter Schwartz. Verlag Manz, Wien 2013. 884 Seiten, LoBla, Euro 170,–.
Mehr als zehn Jahre sind bis zur Neuauflage des Kommentars vergangen. Im Vorwort zur zweiten Auflage wird das lange Warten damit erklärt, dass mehr als einmal der Anlauf zur Überarbeitung unternommen worden sei, aber die „enervierende Regelmäßigkeit“, mit welcher das Vergaberecht novelliert werde, dieses wohlfeile Unterfangen jedes Mal vereitelt habe. Walter Schwartz spricht in diesem Zusammenhang treffend von einer hypertrophen Regelungswut das Vergabegesetzgebers. Dem ist nichts entgegenzuhalten. Zu Recht weist Walter Schwartz darauf hin, dass, kaum dass sich Auftraggeber und Auftragnehmer auf die neue gesetzliche Änderung eingestellt haben, das BVergG 2006 neuerlich abgeändert werde.
Umso erfreulicher ist es, dass Walter Schwartz trotz dieser Schwierigkeiten die Neukommentierung zum BVergG 2006 vorlegt. Die Neuauflage unterscheidet sich von der Erstauflage insofern, als die Kommentierung nicht mehr allein von Walter Schwartz bewerkstelligt wird, sondern sieben weitere Autoren aus der Vergaberechtspraxis mitwirken. Weiters wird die Kommentierung nicht mehr in Buchform, sondern als Loseblattsammlung geführt. Die Kommentierung zu den einzelnen Paragraphen ist in sogenannten „Informationsleisten“ aufgebaut. Die Leiste „Materialien“ gibt die Fundstellen der Gesetzesmaterialien, die Leiste „Unionsrecht“ die Fundstelle im Unionsrecht, die Leiste „Judikatur“ die Fundstelle der Rsp des EuGH, VfGH, VwGH und der Vergabekontrollbehörde und die Leiste „Literatur“ die Fundstelle im Schrifttum, bezogen auf den jeweiligen Paragraphen, wieder. Es folgt die Kommentierung zum einzelnen Paragraphen durch den jeweiligen Sachbearbeiter.
Die Kommentierungen der einzelnen Paragraphen sind insgesamt präzise, prägnant und ausreichend konkret, sodass ein schnelles Einarbeiten für die Lösung vergaberechtlicher Fragen möglich ist. Wie vom Walter Schwartz angestrebt, kann die Kommentierung durchwegs als „sorgfältig und wissenschaftlich lauter“ bezeichnet werden. Es ist daher davon auszugehen, dass der Kommentar in der Praxis seinen bisherigen Stellenwert halten und mE sogar verbessern kann. Schon jetzt kann gesagt werden, dass die Kommentierung von Walter Schwartz künftig ein unverzichtbarer Bestandteil für die Vergaberechtspraxis, sei es für den Auftraggeber, für die Auftragnehmer oder für die ab 1. 1. 2014 bestehenden Vergabekontrollgerichte, sein wird.
Martin Paar
Religionsfreiheit im Zeichen der Globalisierung und Multikulturalität.
Herausgegeben von Wolfram Karl. Verlag Jan Sramek, Wien 2013. 199 Seiten, br, Euro 29,90.
Das Österreichische Institut für Menschenrechte in Salzburg feierte am 6. 7. 2012 das 25-jährige Bestehen. Für dieses Jubiläum wurde eine Tagung zum Thema „Religionsfreiheit“ veranstaltet. Den Festvortrag mit dem Titel „Religionsfreiheit – ein vielfach missverstandenes Menschenrecht“ hielt der UNO-Sonderberichterstatter Prof. Heiner Bielefeldt. Dem Festvortrag folgten drei Podiumsdiskussionen. Das erste Podium unter dem Vorsitz von Prof. Manfred Novak befasste sich mit dem Thema „Religionsfreiheit in interkultureller und europäischer Perspektive“. Hierzu wurde von Prof. Franz Gmainer-Pranzl der Vortrag „Die Anerkennung von Religionsfreiheit als intellektueller, interkultureller und politischer Lernprozess“ gehalten. Das zweite Podium unter dem Vorsitz von Prof. Christoph Grabenwarter setzte sich mit dem Thema „Religionsfreiheit aus staats- und europarechtlicher Sicht“ auseinander. Zu diesem Teil finden sich Ausführungen von Prof. Christian Walter zum Thema „Staat und Religionsgemeinschaften am Beispiel der Straßburger Kruzifix-Urteile“, von Prof. Katherina Pabel zum Thema „Aktuelle Entwicklungen im Recht der Religionsgemeinschaften“ und von Barbara Gartner zum Thema „Religionsfreiheit und islamische Gemeinschaft in Österreich“. Das dritte Podium unter dem Vorsitz von Prof. Heinz Nußbaumer widmete sich dem Thema „Erfahrungen des interreligiösen und interkulturellen Dialogs“. Hier finden sich Stellungnahmen von Elisabeth Dörfler betreffend „Aus dem Alltag des Zusammenlebens in Vorarlberg“, von Josef Mautner betreffend „Interreligiöse Zusammenarbeit als Rahmenbedingung für den gleichberechtigten Zugang zum Recht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit“ und von Zekirija Sejdini betreffend „Der interreligiöse und interkulturelle Dialog aus der Sicht eines Muslims“. Der Tagungsband stellt sohin einen guten Querschnitt der im Jahr 2012 aktuellen religionsrechtlichen Probleme dar. So waren nicht nur die Straßburger Kruzifix-Urteile Gegenstand eines eigenen Vortrags, ebenso wurde das Kölner Urteil zur Frage der rituellen Beschneidung von Knaben in den Diskussionen als auch im Beitrag „Religionsfreiheit und islamische Gemeinschaft in Österreich“ analysiert. Schon die Diskussion zeigte, wie unterschiedlich die Auffassungen der Rechtmäßigkeit der ritualen Beschneidung von Knaben sein können. Während die einen die Ansicht vertraten, dass das Urteil des deutschen Gerichts kein Fehlurteil sei und die Beschneidung eine rechtswidrige Körperverletzung, gingen die anderen davon aus, dass die rituelle Beschneidung von der Religionsfreiheit abgedeckt sei. Auch Barbara Gartner geht davon aus, dass die rituelle Beschneidung eines Knaben ein geringfügiger risikoarmer Eingriff in die körperliche Integrität darstellt, der von den großen Weltreligionen als Initiationsritus angesehen wird und daher die elterliche Befugnisse hinsichtlich der Wahrung des Kindeswohls noch nicht überschreitet. Der Tagungsband „Religionsfreiheit im Zeichen der Globalisierung und Multikulturalität“ ist zusammengefasst für jeden Praktiker und Wissenschaftler, der sich mit der Religionsfreiheit auseinandersetzt, unverzichtbar für seine weitere Arbeit.
Martin Paar
Steiermärkische Landesverfassung.
Herausgegeben von Christoph Grabenwarter. Verlag Österreich, Wien 2013. 652 Seiten, geb, Euro 148,–.
Christoph Grabenwarter, Ordinarius an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie Richter am VfGH, als Herausgeber sowie seine Mitautorinnen – Waltraud Bauer, Andrea Ebner-Vogl und Renate Krenn-Mayer vom Verfassungsdienst des Amtes der Stmk Landesregierung sowie Martina Lais vom Bundeskanzleramt-Verfassungsdienst – haben, knapp vor dem Hundertjahrjubiläum der Beschlussfassung der ersten Landesverfassung für das Land Steiermark (1918), ein längst überfälliges Werk vorgelegt: den ersten geschlossenen Kommentar zur stmk Landesverfassung, in concreto zum stmk L-VG 2010. Zutreffend hebt der Herausgeber im Vorwort (V) hervor, dass die stmk Landesverfassung stärker als das Bundesverfassungsrecht ihrem ursprünglichen Anspruch als Spielregelverfassung treu geblieben ist. Freilich – auch das wird nicht verschwiegen (Vorwort, V) – war die Steiermark auch immer wieder Motor und Innovator in Bezug auf das Landesverfassungsrecht; man denke nur an die Einführung des Landesrechnungshofes (1982), das sog Volksrechtegesetz (1986) oder auch jüngst – wenngleich da andere Bundesländer teilweise „schneller“ waren – die Abschaffung des Proporzes in der Landesregierung und die Verkleinerung von Landesregierung und Landtag (2011). Landesverfassungsrecht kann sich in Österreich freilich nur in den relativ engen Schranken des Bundesverfassungsrechts (vgl Art 99 Abs 1 B-VG) entwickeln, und naturgemäß bestehen enge Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Landesverfassungen. Alle diese Zusammenhänge werden in dem vorliegenden Kommentar hervorragend kompakt dargestellt. Bei der Kommentierung jeder Bestimmung findet sich eine Art allgemeiner Teil, der die Entwicklung der Regelung, ihre staatstheoretische Bedeutung sowie die erwähnten bundesverfassungsrechtlichen Bezüge und die Vergleichung mit den übrigen Landesverfassungen umfasst. Der gleichsam besondere Teil – die Kommentierung der Einzelheiten der Bestimmung – profitiert ersichtlich von dem Faktum, dass (so wiederum das Vorwort, VI) der reiche Erfahrungsschatz unzähliger Anfragebeantwortungen durch den Verfassungsdienst im Amt der Stmk Landesregierung Berücksichtigung gefunden hat. Die Kommentierungen sind inhaltlich durchwegs gediegen, Literatur und Rsp sind kundig ausgewertet und eingearbeitet, man erhält einen profunden Einblick in die jeweilige Regelungsproblematik.
Das Werk verfügt somit in Bezug auf die stmk Landesverfassung – in der Wissenschaft ist dies ja ein begehrtes Merkmal – über eine „Alleinstellungsposition“; aber auch für die Dogmatik des österr Landesverfassungsrechts insgesamt ist es eine wesentliche Bereicherung und sollte daher in keiner gut sortierten verfassungsrechtlichen Bibliothek fehlen.
Bernd Wieser